Nachlässigkeit

Der Wolf kommt

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Simon Michel-Berger
am Donnerstag, 25.10.2018 - 08:49

Zäune bis zum Himmel bauen?

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Kommt man im Gespräch mit Umweltschützern auf den Wolf, hört man schnell Beschwichtigungen. Wölfe hielten sich von Menschen fern und wenn sie doch einmal zu einer Gefahr würden, könne man sie – bereits nach heutigem Recht – verscheuchen oder abschießen. Mich beruhigt das nicht.

Nehmen wir nur einmal das Märchen von Rotkäppchen und dem Wolf und stellen uns vor, es würde in Zeiten der FFH-Richtlinie spielen: Am Anfang nähert sich ein Wolf bis auf einige Meter einem Kind (Rotkäppchen) im Wald. Die Wissenschaft beginnt daraufhin eine Debatte, wie dem Tier so ein Verhalten ausgetrieben wird. Elektrische Schutzzäune, Hunde, Gummigeschosse oder Knallfrösche? Vielleicht einigen sich die Gelehrten sogar, dass das Tier abgeschossen werden soll. Problem: Bis das feststeht, ist der Wolf schon auf dem Weg zum Haus der Großmutter. Jetzt noch das auffällige Tier sicher zu identifizieren ist schwer. Solange das aber nicht gelingt, darf es nicht getötet werden. Wildes Abschießen von Wölfen untersagt bekanntlich die FFH-Richtlinie.

Währenddessen dringt der Wolf bei Großmutter ein und frisst sie und später das Rotkäppchen. Ein Jäger stellt kurze Zeit danach das Tier. Erst betäubt er den Wolf und führt eine Magenspiegelung durch, um festzustellen, dass es sich zweifelsohne um den gefährlichen Einzelwolf handelt (anhand der Überreste von Oma und Kind im Bauch). Zum Glück war es das richtige Tier und jetzt endlich darf es erschossen werden. Ende gut, alles gut? Keinesfalls, denn so ein Possenspiel wird es in der Realität natürlich nie geben.

Was es geben wird (und schon gibt), sind Tierhalter, deren Tiere gerissen werden und denen Umweltschützer sagen: „Wenn das ein Wolf war und sie wüssten, welches Tier genau, dann würde man es entnehmen. Weil das aber niemand weiß, tun wir erst einmal gar nichts. Bauen Sie halt noch einen höheren Zaun.“