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Wolfsmanagement

Wolf: Erste Gebietsausweisung für Weideschutzzonen

Raubtier
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Montag, 31.10.2022 - 09:42

Der Freistaat hat "nicht zumutbar schützbare Zonen" festgelegt. In den Gebieten gilt der übliche Herdenschutz als nicht machbar.

Für das Wolfsmanagement hat Bayern einen Aktionsplan Wolf entworfen. Um ihm umzusetzen, wurde eine Weideschutzkommission eingerichtet. Sie ist paritätisch aus Vertretern des Landesamts für Umwelt (LfU) und der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) besetzt.

Erstes Einsatzgebiet der Weideschutzkommission war der Alpenraum mit seinen rund 1. 400 Almen und Alpen. Weitergehende Aus- und Bewertungen in den Alpenlandkreisen werden in den nächsten Wochen folgen.

Meisten Almen fallen unter Weideschutzzonen

Rinder

Aufgrund der steilen Hänge und der zerklüfteten Landschaft erscheint auf den Weideflächen der Alpen das Aufstellen von wolfsabweisenden Zäunen als wenig erfolgsversprechend und der Einsatz von Herdenschutzhunden in den touristisch stark genutzten Regionen könnte neue Probleme heraufbeschwören. Inwieweit dies zutrifft, haben nun Experten untersucht.

Dabei wurden zum Auswertungen anhand von Geoinformationssystems (GIS) durchgeführt, zum anderen aber auch betroffene Landwirte bei Vor-Ort-Begehungen eingebunden. Neben einer elektrifizierten Einzäunung wurden auch die anderen Möglichkeiten des Herdenschutzes berücksichtigt. So wurde geprüft, ob die Weidetiere behirtet und über Nacht in einem Stall oder in einem Nachtpferch untergebracht werden können. Besonders in den traditionellen, weitläufigen Weidegebieten Bayerns kann beispielsweise Letzteres ein Problem sein.

Nach dem bisherigen Untersuchungsstand wurden die meisten Almen und Alpen und damit die darauf weidenden Tiere von einer Weideschutzkommission als „nicht zumutbar schützbar bewertet“.

Weideschutzzonen sind nicht als wolfsfreie Zonen zu betrachten

In nicht schützbaren Weidegebieten werden bei Übergriffen auf Nutztiere in ausgewiesenen Wolfsgebieten Ausgleichszahlungen auch ohne vorangegangene Herdenschutzmaßnahmen geleistet. Außerdem hat die höhere Naturschutzbehörde damit eine fachliche Bewertung für ihre Prüfung von Alternativen zu einer Entnahme zur Hand.

Der Schutzstatus des Wolfes wird durch die Gebietsausweisung nicht berührt. Wölfe können also weiterhin in Weideschutzzonen vorkommen.

Kompromissformel der Politik

Für Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber bieten Weideschutzzone die Möglichkeit, auf die besonderen Gegebenheiten der Berge einzugehen. "Oft sind trotz aller Bemühungen präventive Maßnahmen zum Schutz vor Wolfsangriffen nicht zumutbar. Was wir von unseren Weidetierhalterinnen und -haltern verlangen, muss auch in der Praxis durchführbar bleiben.“

Und Umweltminister Glauber will die Almbewirtschaftung auf jedem Fall erhalten: „Weidetierhalter sind wichtige Partner bei der Erhaltung und nachhaltigen Nutzung von Lebensräumen in der bayerischen Kulturlandschaft.  Es ist das klare Ziel der Staatsregierung, die für die Biodiversität so wichtige Weidetierhaltung auch bei Wolfsanwesenheit in Bayern flächendeckend und dauerhaft zu erhalten." Durch die Bewertung von "nicht zumutbar schützbarer Weidegebiete" werden seiner Ansicht nach die Vorgaben des Artenschutzes und die Belange der Weidewirtschaft in Einklang gebracht.

Kritik durch den Bund Naturschutz in Bayern

Der Bund Naturschutz in Bayern e.V. (BN) kritisiert die Festlegung von Weidegebieten als ‚nicht schützbare Weidegebiete‘ als Augenwischerei. „Den betroffenen Weidetierhaltern in den nicht schützbaren Weidegebieten wird suggeriert, es gäbe eine Abschussgarantie für Wölfe. Genau diese kann es aber schon allein aus rechtlichen Gründen nicht geben", so Richard Mergner, Vorsitzender des BN. Er betrachtet nach wie vor den Herdenschutz als die beste Maßnahme.