Bundesnaturschutzgesetz

Wolf: Entnahme bei ernsten landwirtschaftlichen Schäden

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Ulrich Graf
am Freitag, 24.05.2019 - 17:45

Das Bundesumweltministerium hat kurzfristig einen Referentenentwurf für ein zweites Gesetz zur Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) vorgelegt.

Das Bundesumweltministerium und das Bundeslandwirtschaftsministerium sind unter Einbindung des Bundeskanzleramtes übereingekommen, das Bundesnaturschutzgesetz kurzfristig zu ändern.

Zu den vorgeschlagenen Inhalte zählen:

  • die Erlaubnis für den Abschuss von Wölfen, wenn sie "ernsten" landwirtschaftlichen Schaden verursachen und nicht erst dann – wie bisher festgelegt, wenn "erhebliche" Schäden auftreten,
  • das Fütterungs- und Anlockungsverbot von Wölfen,
  • die Entnahme von Mischlingen von Wolf und Hund sowie
  • die Entnahme mehrere Wölfe eines Rudels, die in einem engen räumlichen und zeitlichen Zusammenhang zu Rissereignissen stehen; d.h. Wölfe eines Rudels können entnommen werden, wenn nicht klar ist, welcher Wolf ursächlich den letzten Riss verursacht hat.

Der Vorschlag kommt Forderungen der Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände e. V. (VDL) im Umgang mit Wölfen entgegen. Die VDL stellt fest, dass mit dem Änderungsentwurf erfreulicherweise erstmals und nachhaltig die Probleme der Weidetierhalter im Allgemeinen und der Schafhalterinnen und Schafhalter im Speziellen aufgegriffen werden. Der Entwurf sei daher ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung eines erfolgreichen Miteinanders von Weidetierhaltung und Wolfspopulation.

Gerade im Küsten- und Erosionsschutz sowie der Offenhaltung und Pflege wertvoller Biotopflächen und der Erfüllung der FFH-Verpflichtungen dürften nach Einschätzung der VDL die Leistungen der Schafhaltung nicht leichtfertig auf Spiel gesetzt werden. Unabhängig davon seien dringend weitere Änderungen erforderlich.

VDL geht von inzwischen über 1.000 Wölfen in Deutschland aus

Damit sieht die Vereinigung den Zeitpunkt gekommen den gute Erhaltungszustand der Population zu prüfen und in Folge dessen eine Umwidmung des Wolfes in der FFH-Richtlinie anzustreben. Offen sei auch immer noch, wie die zusätzlichen Belastungen der Schafhalter angemessen berücksichtigt
werden.

Zielsetzung müsse es sein, eine Wolfpopulation zu etablieren, die die Weidetierhaltung wie auch die Zivilisation unbedingt meidet. Hinsichtlich des weiteren Zeitplans drängt der VDL-Vorsitzende auf Eile, da tagtäglich Schafe gerissen werden und Betriebe resigniert ihre Schafhaltung aufgeben.