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Wolfsmonitoring

Wolf: Bayern, Österreich und Italien beobachten gemeinsam

Josef koch
Josef Koch
am Donnerstag, 10.03.2022 - 18:31

Die drei Alpenländer wollen Gen-Analysen vereinfachen und Wolfsdaten austauschen.

Wolf-Drei-Länderabkommen-Innsbruck

Bayern, Österreich und Italien wollen vor dem Start der Almsaison gemeinsam den Wolf im Alpenraum unter die Lupe nehmen. Dazu haben sich Vertreter der Landesregierungen von Bayern, Tirol, Südtirol, Vorarlberg, Salzburg und Trentino auf ein gemeinsames Monitoring und damit ein besseres Management von Wölfen im Alpenraum am Donnerstag (10.3.) geeinigt.

Das unterzeichnete Arbeitsübereinkommen sieht vor, die Untersuchungsmethoden und Markersysteme der vier durch die Länder beauftragten Labore zu harmonisieren. Dadurch werden die genetischen Proben von Wölfen besser untereinander vergleichbar. So können grenzüberschreitend wandernde Wölfe in Zukunft effektiver identifiziert werden.

Zudem sei es wichtig zu wissen, ob ein Tier in einem anderen Land bereits nachgewiesen wurde. Hierfür erklärten sich die Beteiligten auch bereit, Daten und Genproben einzelner Wölfe mit grenzüberschreitendem Bezug auszutauschen. Zudem wurde vereinbart, dass die Länder jährlich ihre ermittelten Wolfsdaten im Alpenraum austauschen und abgleichen.
 

Datenaustausch schon im Frühsommer

Schon im Frühsommer soll laut Bayerns Umweltminister Glauber damit begonnen werden, die DNA-Proben jener Wölfe, die in einem Land individuell bestimmt wurden, auszutauschen. Bisher erfolgte dieser Austausch nur in eingeschränktem Maß, weil aufgrund unterschiedlicher Untersuchungsmethoden der vier Labore die Daten nicht durchgehend vergleichbar sind. Diese Sofortmaßnahme sei eine wichtige Vorstufe für die angestrebte Harmonisierung der genetischen Untersuchungssysteme in den Ländern der Arge Alp, so das bayerische Landwirtschaftsministerium.

Das Arbeitsübereinkommen wird im Nachgang zusätzlich der ARGE ALP Regierungschefkonferenz, dem höchsten Organ der ARGE ALP, zur Beschlussfassung in der nächsten Sitzung am 21. Oktober 2022 vorgelegt.

Bayern weiter für pragmatische Lösungen

Die beiden bayerischen Vertreter, Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber und Umweltminister Thorsten Glauber, sind sich einig, dass die betroffenen Alpenländer mit diesem Arbeitsübereinkommen einen gewaltigen Schritt beim Monitoring des Wolfs vorankommen. Die Entnahme eines Wolfes sei leichter möglich, wenn die Wolfspopulation der jeweiligen biogeographischen Region in einem Nationalstaat in einem „günstigen“ Erhaltungszustand ist. Agrarministerin Kaniber hat immer und immer wieder auf eine staatenübergreifende Zusammenarbeit beim Wolf gedrängt.

Umweltminister Glauber betonte: „Gerade im Alpenraum mit Almwirtschaft und Tourismus ist der Umgang mit dem Wolf eine große Herausforderung. Unser klares Ziel ist: Wir wollen die Weidetierhaltung auch in Zukunft erhalten.“ Dazu seien gemeinsame und länderübergreifende Lösungen nötig. Bayern wird sich laut Glauber auch weiterhin für einen pragmatischen Umgang mit dem Wolf einsetzen. So habe sich der Freistaat im Bundesrat für die vollständige Umsetzung der FFH-Richtlinie in das Bundesnaturschutzgesetz einschließlich der bislang nicht umgesetzten Möglichkeit der „beschränkten Bestandsregulierung“ eingesetzt.

Hechenberger hofft auf legale Entnahmen

Tirols Landwirtschaftskammerpräsident Josef Hechenberger freut sich über das Bekenntnis aller Arge Alp-Länder zum gemeinsamen, grenzenübergreifenden Wolfsmanagements. Er hofft, dass den Beschlüssen auch Taten folgen.

„Mit der einheitlichen Populationserfassung im Zentralalpenraum muss dann auch ein geregeltes Management inklusive legaler Entnahmen einhergehen“, fordert der Tiroler.

 

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