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Tierschutz

Wolf: Antwort der Ampelregierung verärgert Union

Josef koch
Josef Koch
am Donnerstag, 27.01.2022 - 06:00

Seit 2016 kosten Wolfsschutzmaßnahmen die öffentliche Hand mehr als 23 Mio. Euro. Union vermisst konkrete Lösungen für Tierhalter.

Wolfsrudel

Die Bundesregierung hat in einer Antwort auf die Kleine Anfrage der Unionsfraktion eingeräumt, dass sie über „keine konkreten Erkenntnisse“ verfügt, wie viele Weidetierhalter aufgrund von Wolfsrissen ihre Tätigkeit in den Jahren 2010 bis 2020 aufgeben mussten oder gezwungen waren, ihre Tiere hauptsächlich im Stall zu halten.

Die Kosten für die Wolfsschutzmaßnahmen wie Zäune seit 2016 gibt die Regierung mit rund 23,4 Mio. € an. Die Zahl beruht auf Erhebungen der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes. Der Bund beteiligt sich über die Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK) an der Finanzierung von investiven Präventionsmaßnahmen sowie den laufenden Kosten zum Schutz vor Schäden durch den Wolf.

Über eine exakte Aufschlüsselung der Finanzierung durch die Länder verfüge der Bund indes nicht. Ebenso machte der Bund in seiner Antwort keine Angaben, über die Höhe der Eigenleistungen von Weideierhaltern. Seit 2010 bis 2021 sind laut Bundesregierung sieben Wölfe mit behördlicher Genehmigung im Rahmen des Managements entnommen worden.

Weidetierhaltung geht zurück

Allerdings erachtet die Ampel die Weidehaltung von Nutztieren, insbesondere von Wiederkäuern als besonders tierwohlgerecht ist. Sie habe zudem eine außerordentlich wichtige Bedeutung für die Landschaftspflege und den Schutz der Biodiversität, heißt es dazu in der Antwort.

Auch bei Rindern spielt die Weidehaltung laut Bund eine große Rolle. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes konnten im Laufe des Jahres 2019 3,6 Millionen Rinder und damit rund 31 Prozent aller Rinder in Deutschland auf Weiden grasen. Im Zehnjahresvergleich zeigt sich ein Rückgang der Weidehaltung, da 2010 noch 37 Prozent der Rinder die Möglichkeit zum Weidegang hatten. Der Anteil von Weidemilch gibt die Regierung nach Angaben der Milchindustrie für 2020 mit 4,3 Prozent an. In der Anfrage verweist die Regierung vielfach auf Anfragen anderer Parteien, vor allem der FDP aus früheren Jahren.

Union vermisst konkrete Lösungen

Auernhammer-Bundestag

Das verärgert die Opposition. Die Antwort der neuen Bundesregierung auf die Kleine Anfrage von CDU/CSU zur Wolfsthematik zeigt nach Auffassung von CSU-Agrarsprecher Artur Auernhammer, dass die Ampel-Koalition die Situation um den Wolf offensichtlich lieber ignoriert.  Verweise auf alte Anfragen ohne konkrete neue Aussagen helfen unseren Weidetierhaltern nicht weiter.

„Nicht zuletzt die Entscheidung des Verwaltungsgerichts München zeigt, dass die Regierung gefordert ist, um künftig auch Lösungen im Sinne der Weidetierhalter zu ermöglichen. Die jetzigen Äußerungen der Bundesregierung lassen aber nur den Schluss zu, dass die Realität vor Ort nicht wahrgenommen wird,“ zieht der CSU-Politiker sein Fazit.  

Albert Stegemann, Agrarsprecher von CDU/CSU-Fraktion, hält die Antworten der Ampel-Regierung auf die Fragen der CDU/CSU zur Wolfsentwicklung und zum Schutz vor Wölfen für veraltet, unzureichend und für eine Enttäuschung auf ganzer Linie. Die Ampel mache keine konkreten Aussagen zu den Schäden durch Wölfe, welche Schutzmaßnahmen gerade für Tierhalter wirksam gegen Wolfsangriffe seien sowie ab wann der günstige Erhaltungszustand des Wolfes endlich erreicht sei. Die Antworten lassen laut Stegemann keinen Zweifel, dass mit Rücksicht auf die unterschiedlichen politischen Auffassungen innerhalb der Ampel versucht wird, das Thema von sich fernzuhalten.

„Es zeigt sich, dass die neue Bundesregierung die Probleme der Menschen ignoriert. Wer sich darauf verlässt, dass von der Ampel konstruktive Lösungsansätze geprüft werden, täuscht sich,“ meint Die Umweltsprecherin der Unionsfraktion, Anja Weisgerber.

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