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Ökolandbau

Wochenzeitung „DIE ZEIT“ wirft Ökobauern gezielte Tricksereien vor

Josef koch
Josef Koch
am Donnerstag, 18.11.2021 - 15:25

Verbände wehren sich gegen die Vorwürfe im ZEIT-Artikel "Die Bio-Lüge". Kontrollversagen trifft laut Branche keineswegs zu.

Legehennen-Freilandhaltung

Der Artikel „Bio-Lüge“ der Wochenzeitung „DIE ZEIT“ wühlt die Biobranche auf. Die Redakteurin Anne Kunze wirft darin der Branche Lügen und Kontrollversagen vor. In der Vorankündigung zum Artikel spricht sie sogar – noch plakativer – von systematischem „Panschen und Tricksen“ von Bio-Betrieben.

Dagegen wehren sich der BUND Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) und Naturland aufs Heftigste. So zitiert die ZEIT-Redakteurin aus Kontrollberichten staatlicher Behörden einzelne Verstöße, um daraus ein generelles Kontrollversagen abzuleiten. Dabei seien die Verstöße überhaupt erst durch Kontrollen aufgedeckt worden, so die Verbände. 

Zudem mischt sie nach BÖLW-Ansicht Unterstellungen, Einzelmeinungen und ihre subjektiven Erwartungen zu ihrem Narrativ von der großen „Bio-Lüge“. Unter anderem unterstellt sie den meisten Ökobauern umsatzorientiert zu wirtschaften, nur der zitierte Demeter-Landwirt Carsten Bauck nicht. Er verzichte auf Umsatz, weil er nicht nur Kartoffeln, die am Biomarkt gesucht sind, anbaue, sondern "trotzdem zwischen Kartoffeln, Getreide und Kleegras hin und her" wechsle.
 

Naturland: Kontrollen werden missverstanden

50.000 Bio-Betriebe aus Landwirtschaft, Verarbeitung und Handel grundsätzlich zu diskreditieren, das ist absolut unangemessen“, sagt Peter Röhrig, geschäftsführender Vorstand des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW). Bio sei der am strengsten kontrollierte Teil der Land- und Lebensmittelwirtschaft. Wer so engmaschig kontrolliere, finde Abweichungen, die natürlich auch sanktioniert würden, versichert Röhrig. Im Schnitt werden Bio-Betriebe 1,3-mal im Jahr kontrolliert.

Besonders heftig attackiert die Wochenzeitung den Anbauverband Naturland. Die Folgen der scharfen Kontrollen über die hohen Standards bei Naturland und anderen Öko-Erzeugerverbänden werden laut Anbauverband immer wieder von Medien bewusst missverstanden und skandalisiert. Im vorliegenden Fall geht es um einen Naturland Betrieb in Mecklenburg-Vorpommern mit erkrankten Hühnern.

Die heimlich aufgenommenen Aufnahmen gelangten laut Naturland „über selbsternannte Tierschützer – in diesem Fall die Organisation Animal Rights Watch“ an die Wochenzeitung. Der ZEIT-Artikel zeigt sogar ein Bild von Tierrechtlern "nach dem Einbruch in einen Brandenburger Bio-Geflügelhof". Die Redakteurin schildert im Beitrag sogar noch ausführlich den "Hausfriedensbruch", der nach Ansicht der Tierrechtler legitim sei. Gegen einen solchen Übergriff hat die Wochenzeitung offenbar ebenfalls keine Bedenken.

Aufstallungsgebot setzte Tier unter Stress

Nach Naturland-Angaben hatten sich im betroffenen Betrieb Streptokokken verbreitet, eine solche Infektion holen die Tiere sich in der Regel bei feuchtem Wetter im Auslauf. Zuvor hatte ein wochenlanges behördlich verhängtes Aufstallungsgebot infolge der in der Region grassierenden Geflügelpest die Tiere bereits unter Stress gesetzt. Dies war der ZEIT von Naturland auch offen kommuniziert worden. Der Ausbruch ist tierärztlich behandelt und eingedämmt worden. „Fakt ist, dass auch in Bio-Betrieben Tiere erkranken können. Es gibt deshalb ein falsches Bild der Öko-Tierhaltung wieder, wenn einzelne kranke Tiere bei Nacht in den Kamerafokus gezerrt werden“, so Naturland.

In der Verbandstellungnahme verweist Naturland auf die hohe Kontrolldichte. „Eine jährliche Tierwohlkontrolle – zusätzlich zur normalen Öko-Kontrolle – hilft dabei, mögliche Schwachstellen zu erkennen und abzustellen. Grundlage ist eine überverbandliche Tierwohl-Checkliste, in der Naturland gemeinsam mit anderen Öko-Verbänden in der AG Tierwohl Kriterien für die verschiedenen Tierarten entwickelt hat. Die Tierwohlkontrolle ist auch ein wichtiges Instrument, das hilft, die Öko-Tierhaltung beständig weiterzuentwickeln“.

Zudem betont der Anbauverband, als erster Öko-Verband mit eigenen Richtlinien für Transport und Schlachtung sowie darauf basierenden Kontrollen der Schlachtstätten auch Verantwortung für diesen Bereich der Tierhaltung zu übernehmen.