Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Waldbewirtschaftung und Klimaschutz

Wissenschaftler sehen Waldbewirtschaftung als „klimasmart“

Waldarbeit-Harvester
Josef koch
Josef Koch
am Freitag, 28.10.2022 - 09:31

550 Experten appellieren an EU-Spitzenpolitiker, nicht noch mehr Wälder stillzulegen und Holznutzung nicht zu beschränken.

Brüssel Dieser Brief sollten den EU-Verantwortlichen zu Denken geben. Rund 550 Wissenschaftler und Professoren, aus Deutschland, Österreich, Italien und anderen europäischen und internationalen Staaten, halten in der aktuellen Energiekrise für nicht sinnvoll, die Nutzung von Holz zur Energiegewinnung einzuschränken oder gar Wälder vermehrt stillzulegen.

Aktuell importiere die EU Holz aus anderen Regionen in der Welt. Daher sei es „unangemessen, Waldgebiete aus der Nutzung zu nehmen, zumal sich nicht belegen lasse, dass dadurch die Artenvielfalt steige.

Auffallend ist jedoch, dass sich führende forstwissenschaftliche Lehrstuhlinhaber der Universitäten in Freiburg, München, Göttingen oder Dresden nicht auf der Unterschriftenliste befinden. Bei den Unterschreibern sind vereinzelt auch schon Ruheständler dabei.

Brief geht an EU-Spitzenvertreter

Die Wissenschaftler schickten den Brief an EU-Präsidentin Ursula von der Leyen, Parlamentspräsidentin Roberta Metsola und EU-Ratspräsident Charles Michel. Derzeit laufen in Brüssel die Trilog-Verhandlungen zu Erneuerbaren Energien Richtlinie (RED III). Nach dem Willen des Parlaments soll dabei Holz zur Energienutzung ab einer bestimmten Schwelle nicht mehr als erneuerbare gelten. Entsprechend soll bis 2030 die Förderung von Biomasseanlagen sinken bzw. ganz entfallen.

Ohne Holzernte weniger CO2-Speicherung

In ihrem Brief geben die Wissenschaftler zu bedenken, dass in zahlreichen europäischen Ländern die Holzvorräte ein hohes Ausmaß erreicht hätten, und eine weitere Erhöhung vor dem Hintergrund vermehrter Dürreperioden aufgrund des Klimawandels „riskant“ erscheint. Ohne Holzernten werde das Potential des Waldes für eine Kohlenstoffsenke gegen Null gehen. Das zeigten Beispiele von unberührten Urwäldern in der Ukraine.

Die internationalen Forstexperten kommen daher zum Schluss, dass eine ökologisch, nachhaltig betriebene Forstwirtschaft, die Holzmengen konstant hält und den Holzuwachs für Baustoffe und Energie nutzt, „klimasmart“ sei.

EU-Pläne contra wissenschaftlichem Konsens

Max v. Elverfeldt, Vorsitzender der Familienbetriebe Land und Forst, fordert die EU-Kommission auf, auf die Wissenschaft zu hören. So müsse Brüssel ihre Waldpolitik im EU Green Deal überdenken. Das Nature Restoration Law, die EU-Biodiversitätsstrategie, die LULUCF-Verordnung und zahlreiche andere EU-Vorhaben wie Novelle der EEG-Richtline (RED III) zielen seiner Meinung darauf, den Wald zunehmend aus der Nutzung zu nehmen. Dies widerspreche offenkundig dem wissenschaftlichen Konsens, so der Vorsitzende. Die Waldbewirtschaftung ist laut den Wissenschaftlern für die Klimaschutzwirkung entscheidend ist. Eine Unterschutzstellung zusätzlicher Waldflächen behindere die Bioökonomie.

„EU-Kommission und Bundesregierung müssen ihre Opposition gegen Energieholz, für die es keine wissenschaftliche Grundlage gibt, endlich aufgeben,“ fordert von Elverfeldt.

Wegen Desinformation Energiewende behindert

Der Geschäftsführer vom Fachverband Holzenergie (FVH), Gerolf Bücheler, wertet das Schreiben der Wissenschaftler als Aufforderung an die nationale und europäische Politik, Klimaschutz mit Holz auch weiter zu ermöglichen, anstatt einzuschränken. „Bedingt durch Desinformation und Unverständnis über die Zusammenhänge der Forst- und Klimapolitik werden Regelungen so gestaltet, dass die Energiewende behindert und verzögert wird, obwohl uns die Zeit davonläuft“, erklärte Bücheler.

Dass Teile der Politik „unsachgemäß und am wissenschaftlichen Konsens vorbei“ Holzenergie nicht mehr als klimaneutral ansähen, sei ein deutliches Signal, das die gesamte Gesellschaft aufrütteln müsse.

Mit Material von AgE
Ihr Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt
blw digital iphone blw digital macbook
Hefttitelbild Printausgabe Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt