Europäischer Rechnungshof

Wieviel Wasser die Landwirtschaft braucht

Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Montag, 12.07.2021 - 12:56

Der BBV sieht im Bericht des europäischen Rechnungshof ein mangelndes Grundverständnis für natürliche Vorgänge.

Wasserverbrauch

Der europäische Rechnungshof hat vergangene Woche seinen Bericht zur Anwendung des Verursacherprinzips in der EU veröffentlicht. Die mit Blick auf die Landwirtschaft getätigten Aussagen sind allerdings aus Sicht des Bayerischen Bauernverbandes allgemein fragwürdig und zumindest für Bayern und Deutschland nicht zutreffend.

Grundsätzlich sei bei der Diskussion um das Verursacherprinzip die Sonderrolle der Landwirtschaft zu sehen. Eine Erzeugung von Nahrungsmitteln in und mit der Natur werde nie ganz ohne Auswirkungen auf Natur und Umwelt möglich sein.

Laut Bericht wird der Land- und Forstwirtschaft sowie der Fischerei 60% des Wasserverbrauchs der EU zugeschrieben. Diese Zahlen sind zumindest für Deutschland und Bayern nicht nachvollziehbar.

In Deutschland entfallen gut 1% des Gesamtwassereinsatzes auf die Landwirtschaft.

Wasser wird in der Landwirtschaft im Kreislauf geführt

Unverständlich sei auch die Aussage, dass dem Agrarsektor Kosten für Abwasserbehandlungen nicht in Rechnung gestellt werdea, da der überwiegende Teil des Abwassers nicht in das Abwassersystem eingeleitet werde.

"Eine zusätzliche und unnötige Belastung der Abwassersysteme kann ja wohl nicht Ziel der EU sein", so der BBV. Wasser werde in der deutschen Landwirtschaft im Kreislauf geführt. Abhängig vom jeweiligen Boden und Standort wird der größte Teil entweder über pflanzliche Verdunstung (40-45 %), Verdunstung des Bodens (10-15 %) sowie Abfluss und Versickerung (40-45 %) wieder in den natürlichen Wasserkreislauf eingespeist.

Zudem werde genutztes Wasser – das von Tieren getrunken oder von Pflanzen aufgenommen wurde – beispielsweise über Gülle beziehungsweise Erntereste wieder auf landwirtschaftliche Flächen zurückgebracht. Es wäre in keinster Weise nachhaltig Gülle über die kommunalen Abwassersysteme zu entsorgen anstatt diese als wertvollen Dünger und im Sinne der Kreislaufwirtschaft auf den landwirtschaftlichen Flächen zu verwerten. Zumal es in den kommunalen Systemen bisher nicht auch nur annähernd gelingt die Nährstoffkreisläufe zu schließen.

Unter Ackerflächen erfolgt Grundwasserneubildung

Im Bereich des Ackerbaus wird nur der geringste Teil des Regenwassers (zum Beispiel 780 l/ m²) über das Stroh (0,1 l/m²) oder das Getreidekorn (0,1 l/m²) vom Acker geholt. Damit unterscheidet sich die Landwirtschaft fundamental zu anderen Wirtschaftszweigen, beispielsweise der Energieerzeugung mit thermischen Kraftwerken, die stark in den Wasserkreislauf eingreifen.

Zudem sei unter Ackerflächen die Grundwasserneubildung am höchsten. Bei einer jährlichen Versickerung von bis zu 200 l/m² bei 800 l/m² Niederschlag können je Hektar 1 bis 2 Mio. Liter Grundwasser neu gebildet werden.

Wasser der Landwirtschaft stammt vom Regen

Entscheidend sie in der Landwirtschaft nicht nur, wie viel Wasser genutzt werde, sondern vor allem, wo dieses herkomme. In Deutschland wird zu 99 Prozent Regenwasser genutzt, wohingegen in Ländern mit Wasserknappheit für die Landwirtschaft oft auf Brunnenwasser zurückgegriffen werden muss. Bewässerung wird in Deutschland nur auf etwa 2 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche (ca. 365.000 Hektar) eingesetzt.

Zum Thema: Wieviel Wasser verbraucht ein kg Rundfleisch? Das Modell des virtuellen Wassers und die Faktorverwertung von Wasser in der Rindfleischerzeugung