Interview

Werte schöpfen in der Kette

Sepp Kellerer
Sepp Kellerer
am Dienstag, 16.02.2021 - 16:52

Seit gut 100 Tagen ist Stephan Sedlmayer nun Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL). Das Wochenblatt sprach mit ihm über die Herausforderungen und Chancen der Landwirtschaft in Bayern.

Sedlmayer

„Wir forschen, um aktuelle Praxisfragen zu beantworten und verschiedene Lösungswege für Zukunftsfragen anzubieten. Zum Beispiel, wie schaut die optimale Futterration aus für das Tier, die Umwelt und den Geldbeutel oder welche Rahmenbedingungen beeinflussen die individuelle Betriebsentwicklung. Wir untersuchen, was heute die beste Sommergersten- oder Weizensorte für einen bestimmten Standort ist und erforschen, was wir in 10 oder 20 Jahren anbauen können. Gemeinsam mit den Ämtern für Landwirtschaft versuchen wir den Tierhaltern, den Teichwirten, den Energiewirten, den Direktvermarktern und allen, die im Bereich Diversifizierung unterwegs sind, den Landwirten insgesamt, kompetente Beratungsempfehlungen zu geben“ so beschreibt Sedlmayer eine der Kernaufgaben der LfL.

Vor schwarzen Schafen schützen

Hinzu komme der Hoheitsvollzug, bei dem die LfL aber versuche, die Dinge, die der Gesetzgeber vorgibt, für den Landwirt umsetzbar zu machen. Eine klare Position vertritt der LfL-Präsident in Bezug auf die Kontrollen: „Wir müssen kontrollieren, denn wir wollen die ganz überwiegend sauber arbeitende Landwirtschaft vor den wenigen schwarzen Schafen schützen. Das ist unser Auftrag.“

Langfristig müssen die Landwirte von den Höfen leben, ein Einkommen erwirtschaften können. Dazu sei es notwendig, zu einer gesellschaftlich akzeptierten Landwirtschaft zu kommen, stellt Sedlmayer fest. Dazu müsse sich die gesamte Brache stärker öffnen und die modernen Medien dafür nutzen, „denn ja, die junge Generation hat keinen Kontakt zur Landwirtschaft“ stellt der LfL-Präsident fest.

Das gesteigerte Bewusstsein für Ernährung bietet für ihn gute Anknüpfungspunkte zur landwirtschaftlichen Produktion, aber das geht nicht von heute auf morgen und einer der Schlüssel ist die Übersetzung in die neue Medienwelt. 

Der Veränderungsprozess wird weitergehen

Der Veränderungsprozess in der Landwirtschaft, auch in der bayerischen, wird laut Sedlmayern weitergehen. In der Tierhaltung wird es Verschiebungen geben, weil Verbrauchersicht und Verzehrsgewohnheiten sich ändern. Geflügel wird zunehmen, Fisch auch und der Fleischkonsum wird grundsätzlich diskutiert, wie viel, woher und ob überhaupt.

Auch im Pflanzenbau wird und muss sich einiges ändern, allein schon aufgrund der Düngeverordnung. Sedlmayer: „Wir werden andere Pflanzenbausysteme haben, mehr Öko und mehr Leguminosen. Wir werden andere standortangepasste Kulturarten bekommen. Wir werden in den fränkischen Trockengebieten Hirse, Reis, Quinoa und so weiter ausprobieren. Vielleicht kriegen wir auch mehr Sommergerste. Wir brauchen Bereiche, wo es auch um Mengen geht. Da sehe ich zum Beispiel im Eiweißsektor große Potenziale oder bei der Braugerste.“

Für Veränderung gut gerüstet

Die bayerische Landwirtschaft sei für diesen Veränderungsprozess gut gerüstet, weil sie kleiner strukturiert ist und flexibler reagieren kann als vielleicht andere. Die LfL werde in diesem Prozess die bayerische Landwirtschaft mit Leidenschaft begleiten und unterstützen.

Besonders reizvoll und vielversprechend sind für Sedlmayer dabei regionale Wertschöpfungsketten wie es sie etwa bei der Braugerste schon gibt. „Nehmen wir unsere Zukunft selbst in die Hand. Es gibt Chancen“, so sein abschließendes Angebot.

Das ausführliche Interview lesen Sie am Freitag im Wochenblatt.

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