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Versorgungssicherheit

Welternährung: Tierbestände abstocken und Weizenspekulation verbieten?

Josef koch
Josef Koch
am Freitag, 18.03.2022 - 15:40

BÖLW für EU-Sofortprogramm für befristete Abstockung. Entschädigung für Bauern nötig. Mortler für Verbot der Spekulation.

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Im Vorfeld der EU-Agrarministerkonferenz am kommenden Montag (21.3.) fordert die Vorsitzende des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Tina Andres, ein EU-Sofortprogramm zur befristeten Abstockung der Tierbestände, auch der in ökologischen Landwirtschaft. Sie fordert Bundesagrarminister Cem Özdemir auf, jetzt mit seinen Kolleginnen und Kollegen dafür zu sorgen. in der EU ein Sofortprogramm zur befristeten Abstockung der Tierbestände aufzulegen.

Nach Auffassung der BÖLW-Vorsitzenden Andres müssen die EU-Agrarminister den Tierhalterinnen und Tierhaltern Europas eine deutliche Minderung ihrer Bestände für die nächsten zwölf Monate abverlangen und ihnen den entgangenen Gewinn ausgleichen.

BÖLW: Getreideverfütterung schnell senken

Auch wenn die Abstockung schrittweise greife, werde das Signal an den Märkten sofort wirken, ist Andres überzeugt. „Denn unglaubliche 60 % der Getreideernte geht in Europa in die Futtertröge! Nur 20 % des Getreides werden als Lebensmittel verwendet“, zeigt sich die BÖLW-Vorsitzende überrascht.  Aus ihrer Sicht gibt es rein ökonomisch derzeit keine günstigere Variante, um dem Hunger von Millionen Menschen vorzubeugen.

Laut Andres sind Maßnahmen, die im März 2022 wirken. Denn aktuell gingen die Preise in Erwartung von Ernteausfällen im Sommer 2022 durch die Decke und Menschen in Afrika oder Asien, die weit über die Hälfte ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben, könnten sich die nötigsten Grundnahrungsmittel nicht mehr leisten.

Wissenschaftler wie Professor Sebastian Lackner, Agrarökonom an der Uni Rostock, sind anderer Meinung. Er hält es für wirkungsvoller, weniger Getreide zu Biokraftstoffen zu verarbeiten, sondern zu Mehl.

Mortler will Weizenspekulationen verbieten

Marlene Mortler MdEP

Die bayerische EU-Abgeordnete Marle Mortler (CSU) ist erleichtert, dass EU-Agrarkommissar Janusz Wojciechowski den EVP-Forderungen nachgekommen ist und in seinem Vier-Punkte-Plan Maßnahmen angekündigt hat. Leider sei die Erkenntnis über diese fragile Versorgungslage noch nicht überall in den Büros der Kommission angekommen, bedauert die CSU-Abgeordnete.

Sie fordert das Konzept der EU für die Ernährungssicherheit zu überarbeiten, unabhängiger von Importen werden und die heimische Produktion steigern. Wir sollten auch diskutieren, ob die Spekulation auf Grundnahrungsmittel, wie Weizen, nicht verboten gehört.

Laut Mortler muss die Ernährungssouveränität Deutschlands und der Europäischen Union langfristig gestärkt werden. Aus deutscher Sicht würde schlägt sie vor, die Ernährungssouveränität schnellstens im Grundgesetz zu verankern.

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