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Ernährungssicherung

Welternährung: EU will ukrainische Getreideexporte beschleunigen

Josef koch
Josef Koch
am Freitag, 13.05.2022 - 09:54

EU-Kommission schlägt alternative Verkehrswege vor. Wartezeiten an den Grenzen sollen verkürzt werden.

EU-Kommission-Ukraine-Export

Nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine und der Blockade ukrainischer Häfen können ukrainisches Getreide und andere landwirtschaftliche Erzeugnisse ihre Bestimmungsorte nicht mehr erreichen. Die Lage gefährdet die weltweite Ernährungssicherheit.

Deshalb hat die EU-Kommission am Donnerstag (12.5.) alternative Verkehrswege („Solidaritätskorridore“) vorgeschlagen, über die Getreide aus der Ukraine exportiert werden kann. Aber auch Güter aus Drittstaaten – von der humanitären Hilfe bis hin zu Futter- und Düngemitteln – soll das Land damit einführen können.

 

Warum ist die Hafenblockade so schlimm?

Unter normalen Umständen werden 75 % der Getreideproduktion der Ukraine exportiert, was rund 20 % der nationalen jährlichen Ausfuhrerlöse entspricht. Vor dem Krieg entfielen 90 % der Ausfuhren von Getreide und Ölsaaten auf ukrainische Schwarzmeerhäfen. Rund ein Drittel der Ausfuhren ist für Europa, China bzw. Afrika bestimmt. Der Export über die Häfen funktionert derzeit nicht mehr.

Um welche Getreidemengen geht es?

Laut EU-Verkehrskommissarin Adina Vălean müssen 20 Mio. t Getreide die Ukraine innerhalb von weniger als drei Monaten verlassen. Dies sei eine gigantische Herausforderung, weshalb es von entscheidender Bedeutung ist, die Logistikketten zu koordinieren und zu optimieren, neue Routen einzurichten und Engpässe so weit wie möglich zu vermeiden. Die EU-Kommissarin schlägt daher Notfalllösungen vor, aber auch mittel- und langfristige Maßnahmen, um die ukrainische Infrastruktur mit der EU besser zu verbinden.
 

Wie lange sind derzeit die Wartezeiten bei Ausfuhren?

Trotz der direkten Bemühungen der EU und der Mitgliedstaaten, die Grenzübergänge zwischen der Ukraine und der EU zu erleichtern, warten nach Kommissionsbericht Tausende von Wagen und Lastkraftwagen auf ukrainischer Seite auf ihre Abfertigung. Die durchschnittliche Wartezeit für Güterwagen beträgt 16 Tage, an einigen Grenzen stehen die Wagen bis zu 30 Tage. Weiteres Getreide ist noch gelagert und wird in ukrainischen Silos zurückgehalten, die zur Ausfuhr bereitstehen.

Warum ukrainische Züge nicht einfach in die EU fahren können

Zu den Herausforderungen gehören unterschiedliche Spurweiten: Ukrainische Wagen sind mit dem größten Teil des EU-Eisenbahnnetzes nicht kompatibel, weshalb die meisten Güter auf Lastkraftwagen oder Güterwagen umgeladen werden müssen, die der EU-Standardspurweite entsprechen. Dieser Prozess ist zeitaufwändig, und die Umschlageinrichtungen entlang der Grenzen sind knapp.

Welche Maßnahmen Kommission und EU-Statten anpacken wollen

Um diese Hindernisse zu beseitigen und alternative Exportwege einzurichten, wird die Kommission gemeinsam mit den Mitgliedstaaten und Interessenträgern kurzfristig an folgenden vorrangigen Maßnahmen arbeiten:

  • Zusätzliche Güterwagen, Schiffe und Lastkraftwagen: Die Kommission fordert die Marktteilnehmer in der EU auf, dringend zusätzliche Fahrzeuge zur Verfügung zu stellen. Dazu richtet die Kommission eine Logistikplattform für die Vermittlung von Kontakten ein. Mitgliedstaaten sollen dazu spezielle Kontaktstellen für „Solidaritätskorridore“ (zentrale Anlaufstelle) benennen.
  • Kapazität der Verkehrsnetze und Umschlagterminals: Ukrainische landwirtschaftliche Ausfuhrsendungen sollten vorrangig behandelt werden, und Infrastrukturbetreiber sollten Schienenplätze für diese Ausfuhren zur Verfügung stellen. Die Kommission fordert die Marktteilnehmer auf, dringend mobile Getreideladegeräte an die entsprechenden Grenzterminals zu überstellen, um den Umschlag zu beschleunigen.
  • Ein Straßenverkehrsabkommen mit der Ukraine soll auch die Engpässe beseitigen. Um Verkehrsunternehmen aus der EU zu ermutigen, ihren Fahrzeugen die Einreise in die Ukraine zu gestatten, wird die Kommission auch Optionen für zusätzliche finanzielle Garantien prüfen.
  • Zollvorgänge und sonstige Kontrollen: Die Kommission fordert die nationalen Behörden nachdrücklich auf, größtmögliche Flexibilität walten zu lassen und für eine angemessene Personalausstattung zu sorgen, um die Verfahren an den Grenzübergangsstellen zu beschleunigen.
  • Lagerung von Waren im Gebiet der EU: Die Kommission wird die in der EU verfügbaren Lagerkapazitäten bewerten und sich mit den Mitgliedstaaten abstimmen, um mehr Kapazitäten für die vorübergehende Lagerung ukrainischer Ausfuhren zu sichern.

Was mittelfristig geplant ist

Mittel- bis langfristig will die Kommission die Infrastrukturkapazität neuer Exportkorridore erhöhen und beim Wiederaufbau der Ukraine neue Infrastrukturverbindungen aufbauen. Dazu können Firmen über „Connecting Europe“, Projekte zur Verbesserung der Verkehrsverbindungen mit der Ukraine, einschließlich Schienenverbindungen und Schienen-Straßen-Terminals, unterstützen.

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