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Versorgungssicherheit

Welternährung: Branche verteidigt Biokraftstoffe

Josef koch
Josef Koch
am Montag, 21.03.2022 - 15:56

Koppelprodukte an Futtermittel sparen rund die Hälfte der deutschen Sojaimporte ein.

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Die Verbände der Biokraftstoffbranche halten Forderungen, wonach Getreide und Ölsaaten kurzfristig nicht mehr zu Biokraftstoffen verarbeitet werden sollten, für ein falsches Signal. Die Diskussion ist wegen des Ukrainekriegs und des Lieferausfalls wieder aufgekeimt.

Bereits jetzt greifen die Kräfte des Marktes nach Auffassung des Grain Clubs, in dem die Biokraftstoffverbände organisiert sind, regulierend ein. Durch das hohe Rohstoffpreisniveau sei die Biokraftstoffproduktion aktuell rückläufig und die Rohstoffe würden in den Nahrungs- und Futtermittelsektor fließen.

Stattdessen steige der Anteil an Biokraftstoffen aus Abfall- und Reststoffen. Sonnenblumenöl kam und kommt in der deutschen Biodieselproduktion praktisch nicht zum Einsatz, heißt es.

Ersatz von 2,4 Mio. t Sojaschrot

Die Ukraine-Krise zeigt laut Grain Club deutlich, dass die Abhängigkeit Deutschlands von fossilen Gas- und Erdöllieferungen aus dem Ausland verringert werden muss. Biokraftstoffe leisteten dazu einen wichtigen Beitrag. Bei der Erzeugung von Biokraftstoffen aus nachhaltig zertifizierten Ölsaaten und Getreide werden hochwertiges Eiweißfutter und die biobasierten Basischemikalien Glycerin und Ethanol gewonnen.

Nach Verbandszahlen ersetzen die so erzeugten 3 Mio. t Eiweißfuttermittel Sojaimporte von rund 2,4 Mio. t. Ohne diese Koppelprodukte müsste Deutschland rund das Doppelte an Sojaschrot aus Drittländern einführen.

Die Verarbeitung von Getreide und Ölsaaten dient nach Ansicht der Verbändegemeinschaft damit der Ernährungssicherung aus heimischer Produktion sowie der Transformation hin zu einer klimaneutralen Kreislaufwirtschaft. Grundlegende Einschränkungen der Biokraftstoffnutzung hätten herbe Rückschläge für den Klimaschutz und den Anteil erneuerbarer Energien im Verkehr zur Folge, warnt das Verbändebündnis.

Nachhaltige Intenisivierung nötig

Laut Grain Club muss eine sichere und unabhängige Versorgung mit Nahrungsmitteln muss das primäre Ziel der Agrarpolitik sein. Das sei nur erreichbar, wenn die Landwirtschaft auf nachhaltige Weise intensiviert und so das verfügbare Anbau- und Produktionspotenzial besser genutzt werde.

Aus diesem Grund unterstützt das Bündnis die Positionierung der EU-Agrarministerinnen und -minister vom 2. März 2022 sowie der G7-Agrarminister vom 11. März 2022. So müsse mehr Menge an Getreide und Ölsaaten nachhaltiger erzeugt werden, lautet das Fazit der Biokraftstoffbranche. In den Beschlüssen fordern die Agrarminister, mehr Agrarflächen für die Nahrungsmittelproduktion zu nutzen.