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Ernährungssicherung

Welternährung: Backhaus sieht Özdemir auf Irrweg

Josef koch
Josef Koch
am Donnerstag, 12.05.2022 - 12:42

SPD-Landesagrarminister hält nichts vom Kurs der Grünen zur Ernährungssicherung. Bayern fordert Aussetzen der Stilllegung.

Backhaus-Till-Agrarminister-MV-Rede

In der Aktuellen Stunde im Bundestag am Mittwoch (11.5.) hielt die SPD-Fraktion dem grünen Agrarminister Cem Özdemir noch die Stange, doch SPD-Agrarminister Till Backhaus aus Mecklenburg-Vorpommern wirft Özdemir vor, auf dem Irrweg zu sein.

Backhaus kritisiert die Pläne des Bundeslandwirtschaftsministers für mehr Weizenanbau. So hatte Özdemir kurz vor der Aktuellen Stunde angekündigt, die EU-Vorgaben zur Fruchtfolge, die ab 2023 gelten sollen, verschieben. So könnte also Weizen auf Weizen folgen. „Flächen einerseits nur für Tierfutter zu nutzen und gleichzeitig an anderer Stelle wertvolle Böden weiter auszubeuten ist ein Irrweg,“ moniert Backhaus.

Bayerns Agrarministerin Michaela Kaniber geht Özdemirs Vorschlag nicht weit genug. So müsse man über die "erzwungene Stilllegung von Ackerflächen in der EU" generell nochmal neu nachdenken. Ihrer Meinung nach bekommt die Nahrungsmittelproduktion viel stärker eine ethisch-moralische Bedeutung und wird zur nationalen und europäischen Sicherheitsfrage.

 

Backhaus: Özdemir soll noch einmal nachdenken

Der Landesagrarminister fragt sich, wer Özdemir berate. Deutschlands Landwirtschaftsbetriebe brauchen endlich Planungssicherheit für das neue Anbaujahr. Die EU-Regeln sollen den Boden schonen, die Biodiversität fördern und den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln reduzieren und die Erträge stabilisieren. „Das ist genau der richtige Weg. Wo bleiben da die grünen Positionen?“, so der SPD-Minister.

Backhaus hatte zur Agrarministerkonferenz Anfang April vorgeschlagen, die ökologische Vorrangflächen nicht nur für den Futteranbau freizugeben, sondern sie auch für die Nahrungsmittelproduktion zu nutzen. Und zwar mit einer vielfältigen Fruchtfolge: Getreide, Leguminosen, Ölsaaten. Damit würde man einerseits einen wichtigen Beitrag leisten, um den Hunger in der Welt abzumildern und gleichzeitig Monokulturen vermeiden. Allein Mecklenburg-Vorpommern könnte laut Ministerium mit seinen 22.000 Hektar Stilllegungsflächen rund eine Million Menschen ein Jahr lang ernähren.

Der SPD-Politiker rät angesichts der sich dramatisch zuspitzenden Situation vor allem auf der Südhalbkugel , „Herrn Özdemir nochmal neu nachzudenken.“ 

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