Agrarpolitik

Welt-Agrarminister legen Wert auf Lieferketten

Josef Koch
Josef Koch
am Freitag, 22.01.2021 - 15:33

Die Internationale Agrarministerkonferenz will Zoonosen, Klimawandel und Hunger bekämpfen. Lieferketten sollen stabiler werden.

Die internationale Agrarministerkonferenz hat  beim Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) eine Abschlusserklärung beschlossen. 70 Agrarministerinnen und Agrarminister sowie hochrangige Vertreter von 13 internationalen Organisationen tauschten sich aus zum Thema: „Pandemien und Klimawandel: Wie ernähren wir die Welt?“

Corona erschwert laut Bundesagrarministerin Klöckner den Kampf gegen den Hunger.  Schätzungen gehen pandemiebedingt von 130 Millionen zusätzlichen Menschen aus, die hungern. „Gleichzeitig lehrt uns Corona, an welchen Hebeln wir ansetzen müssen. Einerseits müssen Lieferketten funktionieren, damit Nahrung verfügbar ist, Preise stabil und bezahlbar bleiben. Hohe Preise dürfen nicht mit dem Hunger von Menschen bezahlt werden,“ so die Bundesministerin.

    Die wichtigsten Punkte

    Das sind die wesentlichen Punkte der Abschlusserklärung:

    1. Wildtiergesundheit: Um weitere Pandemien zu verhindern, sind mehr Ursachenforschung, funktionierende Frühwarnsysteme und ein besseres Gesundheitsmanagement bei Wildtieren unerlässlich. Denn: 70 Prozent der Infektionserreger, die in den letzten 30 Jahren bei Menschen neu aufgetreten sind, stammen von Tieren.
    2. Zugang zu Lebensmitteln: Ohne offene Märkte und funktionierende Versorgungsketten kann die Ernährung der Menschen nicht gesichert werden. Denn: 40 Länder der Welt verfügen über so wenig Agrarfläche, dass sie auf Importe zwingend angewiesen sind. Exportbeschränkungen sind dann ein Preistreiber. Die Ministerin appelliert hier, die Initiative der WTO zu unterstützen, die eine Ausnahme für Ankäufe des Welternährungsprogramms von Exportbeschränkungen fordert.
    3. Klimawandel: Die Landwirtschaft ist Opfer des Klimawandels, aber auch Teil der Lösung. Moderne Produktionsweisen und Digitalisierung können den Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln verringern. Böden müssen verstärkt als Kohlenstoffsenken genutzt werden. Eine Stärkung der Agroforstwirtschaft sowie der Anbau standortangepasster Pflanzen sind nötig, um die Ernährung trotz veränderter klimatischer Bedingungen zu sichern.

    Harte Gentechnikhaltung Europas gefährdet Ernährungssicherung

    Ohne eine Änderung des europäischen Gentechnikrechts drohen im globalen Agrarhandel schwere Verwerfungen, da nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) von Juli 2018 Rohstoffe aus Genome-Editing-Pflanzen als „genetisch verändert (gv)“ einzustufen sind. Bei einer digitalen Podiumsdiskussion beim Global Forum for Food and Agriculture 2021 (GFFA) wies Prof. Matin Qaim von der Universität Göttingen auf die Bedeutung des internationalen Handels beim Ausgleich regionaler Versorgungsengpässe hin. Diese Engpässe könnten sich im Zuge des Klimawandels häufen, prognostizierte der Experte.

    „Dieser Ausgleich wird nur mit einem liberalen und gut funktionierenden Handel gelingen“, betonte Qaim. Eine Gunstregion wie Nordeuropa habe aufgrund der nur geringen Ertragsschwankungen eine besondere Verantwortung bei der globalen Ernährungssicherung. Dieser Verantwortung werde die Region aufgrund der bisher sehr restriktiven Gesetzgebung bei den neuen Züchtungstechnologien nicht gerecht.

    Nur in der Europäischen Union und in Neuseeland werde Genome Editing als Gentechnik eingestuft, berichtete der Göttinger Agrarökonom. Kleinere Nationen, die ihren Handel mit Europa nicht gefährden wollten, müssten aufgrund der aktuellen EU-Gesetzeslage ganz auf den Einsatz von Sorten verzichten, die mit Hilfe der Genschere CRISPR/Cas gezüchtet worden seien. Gerade ärmere Länder, bei denen die Handelsbeziehungen mit der EU eine wichtige Rolle spielten, würden deshalb absehbar für einen Verzicht auf Sorten aus Genome Editing votieren.

    Mit Material von AgE
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