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Weihnachten: Beste Bäume aus der Heimat

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Melanie Bäumel-Schachtner
am Freitag, 04.12.2020 - 04:12

Die Nordmanntanne kommt aus dem Süden und der Christbaumanbau sorgt ganzjährig für Beschäftigung, weiß Thomas Emslander.

Auf einen Blick

  • Christbaumbauer Thomas Emslander ist seit über 20 Jahren Vorsitzender der Christbaumanbauer Bayerns.
  • Er bewirtschaftet in der Nähe von Landshut über 200 Hektar mit Christbaumpflanzen.
  • Die Nordmanntanne ist der meistgefragte Christbaum im Emslander-Betrieb.
  • Im Jahr 2020 macht sich die Coronakrise bemerkbar bei großen Bäumen, die Hotels und Firmen nicht kaufen werden.

Ganzjährige Pflege der Bäume

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Thomas Emslander hat es schön. Er ist Christbaumanbauer und muss deshalb nur drei Wochen im Jahr arbeiten. Das zumindest hat ein Bub einmal zu dem 67-Jährigen gesagt, als er mit seinen Eltern auf den Hof in Unterglaim in der Gemeinde Ergolding vor den Toren Landshuts kam, um einen Christbaum auszusuchen. Doch die Realität sieht ganz anders aus.

Zusammen mit seinem Sohn, der auch Thomas heißt, ist Emslander Herr über 50 Hektar Christbäume – und die müssen das ganze Jahr über gepflegt werden. Zudem ist er seit über 20 Jahren Vorsitzender des Vereins der Bayerischen Christbaumanbauer, in dem rund 200 der insgesamt 400 bayerischen Christbaumanbauer Mitglied sind. Für 2020 kann Emslander Positives vermelden: Tiefgrüne Nadeln, die lange am Baum bleiben, sollen die in Bayern gewachsenen Christbäume heuer haben. Aber natürlich steht die Saison auch unter dem Zeichen von Corona.

Alles begann mit einer falschen Lieferung

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Es ist ein reiner Zufall, dass Emslander Christbaumanbauer geworden ist. Die ersten Bäume verkaufte die Familie 1959 – zu einer Zeit, in der es noch üblich war, den Christbaum zu stehlen, wie Emslander heute schmunzelnd zurückblickt.

Ein Missgeschick war der Auslöser: Dem Vater wurden für die Aufforstung des Waldes falsche Pflanzen geliefert – nämlich Weißfichten. Weil keiner den Irrtum bemerkte, wurden sie gepflanzt. Die Weißfichte war damals der Star unter den Weihnachtsbäumen – das, was heute die Nordmanntanne ist. Deshalb sagten Gäste im heimischen Wirtshaus zum Vater: „Verkauf sie doch als Christbäume.“ Und das hat er gemacht.

Christbäume als Betriebszweig

Die Christbäume blieben ein Betriebszweig. Dennoch haben viele Leute Thomas Emslander für verrückt erklärt, als er 1979 nach seiner Heirat den Hof ganz darauf umstellte.

Rund 45 Hektar hatte er von seinem Vater übernommen, die nutzte er dazu. Heute sind es über 200 Hektar. Denn um unabhängiger von den beiden Feinden der Nordmanntanne – Spätfrost und Hagel – zu werden, hat Emslander zwei weitere Betriebe jeweils rund 30 km entfernt gekauft. Gerade Hagel ist zumeist ein lokales Geschehen. Wird eine Plantage geschädigt, gibt es noch zwei weitere Standorte. Pro Hektar stehen, als Faustregel, rund 5550 Bäume – Kulturen im Alter von null bis 15 Jahren. In jeder Christbaumsaison werden bis zu zehn Prozent der Bäume gefällt, vermarktet und auf dem heimischen Hof verkauft. Im März wird dann wieder neu gepflanzt – ein immergrüner Kreislauf.

Als Vereinsvorsitzender der Christbaumbauern stets in Kontakt mit Kollegen

Täglich steht Emslander als Vereinsvorsitzender der Christbaumbauern in Kontakt mit den Kollegen. Er weiß: Manche trifft die Coronakrise hart. Einer vermarktet große Bäume, die Hotels und Restaurants in Berlin für gewöhnlich kaufen. Doch wegen des Lockdowns light fallen diese heuer weg – für den Kollegen sei es ein Schaden von rund 50 000 Euro.

Aber es sei dennoch ein Glück, dass er die Bäume noch nicht gefällt hat. Der Ergoldinger glaubt aber, dass die Branche mit einem blauen Auge davonkommen wird. Sein Sohn habe eine Mail bekommen von einer Kundin, die vor zehn Jahren einmal einen Baum gekauft hat, dann an Weihnachten stets in Urlaub fuhr und heuer natürlich daheim bleibt – und die Tanne wieder regional kaufen möchte. Das hoffen nun alle Anbauer, dass sich die Daheimgebliebenen nicht in die leere Stube setzen.

Singles kaufen keine Bäume

Das Problem der Branche war bislang der Single-Haushalt. „Dieser hat in den letzten zehn Jahren um neun Prozent zugenommen, und Singles kaufen oft keinen Baum – die sind beim Freund oder der Freundin oder bei den Eltern, was heuer vielleicht anders sein wird. Dazu zählen aber auch die Großeltern, die oft drauf verzichten, heuer aber vielleicht einen Christbaum kaufen werden.“

Zudem gehe der Trend zum Zweitbaum: So mancher stellt schon eine Tanne im Advent auf die Terrasse oder kauft einen kleineren Baum fürs Kinderzimmer. „Der sicherste Kunde ist aber der Drei- und Mehrpersonenhaushalt“, weiß Emslander.

Nordmanntanne kommt aus dem Süden

Von der Qualität der Bäume ist er heuer hellauf begeistert. Allgemein kommt die Nordmanntanne mit dem Klima hierzulande sehr gut klar, da sie aus Südosteuropa stammt – sie trägt ihren Namen nicht, weil sie aus dem Norden stammt, sondern weil ihr Entdecker Nordmann hieß. Heuer hat es genügend geregnet: „Die Nadelfarbe ist ein sattes Dunkelgrün, sehr schön.“ Zudem gab es Ende November schon Fröste, so dass die Wachstumsphase abgeschlossen ist: „Das bedeutet, die Nadelhaltbarkeit ist gut.“

Die Nordmanntanne hat viele gute Eigenschaften

Überhaupt ist Emslander ein großer Fan der Nordmanntanne – aber nicht nur, weil die Kunden sie nachfragen. Da sie zudem CO2 viel stärker als andere Baumarten bindet, sieht der Christbaumanbauer-Chef hier auch eine absolute Alternative für Waldbauern, die keine Christbäume vermarkten, sondern die gesunden Wald pflanzen möchten. „Wer jetzt den falschen Baum pflanzt, hat die Zukunft vergeigt, wer den richtigen pflanzt, ist vorn dabei“, so sein Credo. Die Christbaumanbauer sieht er in einer gewichtigen Rolle: Sie machen rund 15 Prozent des Umsatzes in der Forstwirtschaft aus.
Dass die Preise heuer hochgehen, sei eine Ente des Bundesverbands, mit dem Emslander „noch ein Hühnchen deswegen rupfen“ möchte. „Die Preise bleiben stabil, wir haben keinen Anlass, unsere Kunden durch eine Preissteigerung zu vergraulen. Und es gibt genügend Bäume.“ Der Preis beträgt 18 bis 24 Euro pro Meter, dafür erhalte man echte Qualität.
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