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Weidetierprämie: Bund plant elektronische Erfassung

Josef koch
Josef Koch
am Dienstag, 19.07.2022 - 07:00

Schaf- und Ziegenhalter wehren sich gegen hohe bürokratische Auflagen. Schon jetzt gelten für alle Tierhalter verschärfte Aufzeichnungspflichten.

Schafhaltung

Mehr Bürokratie für die Weidetierprämie bei Schafen und Ziegen fürchten die Dachverbände der deutschen Schaf- und Ziegenzüchter und -halter (VDL/BDZ). So sieht die geplante Verordnung zur Durchführung des Integrierten Verwaltungs- und Kontrollsystems (InVeKoSV) ab 2023 eine aufwendige elektronischen Erfassung aller beantragten prämienfähigen Tiere mit der 12-stelligen Kennung vor.

Gegen die aus ihrer Sicht unnötige Bürokratie sprechen sich die beiden Verbände in ihrer Stellungnahme aus. Aus deren Sicht geht die elektronische Erfassung über das EU-Recht hinaus und führt zu unnötigen Arbeitsbelastungen.

Zeit ist besser für Tierbetreuung zu nutzen

„Diese Zeit ist besser bei den zu betreuenden Tieren einzusetzen“, so beiden Vorsitzenden Alfons Gimber, VDL, und Bernd Merscher, BDZ. Beim Antrag sollte die eine Angabe der Anzahl prämienfähigen Tiere ausreichen, da die Tiererfassung und -bewegung über die seit Jahren anzuwendende Viehverkehrsverordnung vorgenommen und daher bei vor Ort Kontrollen bereits prüfbar sei, so Gimber und Merscher.

Sie begrüßen die neue Tierprämie von 34 €/Tier, die nach 2004 endlich wieder eingeführt wird. Sie sei dringend notwendig, um die schwierige Arbeit finanziell abzusichern. In der Schafhaltung liegen nach aktuellen Auswertungen die Einkommen im Durchschnitt der letzten Jahre im Mittel bei einem Stundenlohn von unter 6 €, inklusive der bisherigen Agrarhilfen. Das ist deutlich weniger als der Mindestlohn von 12 € ab Oktober diesen Jahres.

Verschärfte Aufzeichnungspflichten

Veterinär-Kontrolle-Schweineseuchen

Gleichzeitig weist das Bundeslandwirtschaftsministerium auf die erweiterten Vorschriften des EU-Tiergesundheitsrechts hin. Sie gelten für die Identifizierung, Registrierung sowie Rückverfolgbarkeit von Rindern, Schweinen, Schafen und Ziegen vor. Künftig müssen Tierhalter auch die Ergebnisse von Tiergesundheitsbesuchen durch Tierärzte sowie Testergebnisse von untersuchten Tieren dokumentieren. Die Dokumentation ist auf Papier oder in elektronischer Form möglich.

Diese erweiterten Anforderungen wirken sich auch auf die Cross Compliance-Verpflichtungen im Rahmen der EU-Agrarförderung aus. So werden diese Cross Compliance-Auflagen bei den Vor-Ort-Kontrollen überprüft. Ausgenommen von den Aufzeichnungspflichten sind Betriebe, die an der Kleinerzeugerregelung teilnehmen. Verstöße gegen die Aufzeichnungspflichten können zu Zahlungskürzungen führen, warnt das BMEL.

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