Schlachtung

Weideschlachtung: Bringt Brüssel das Aus?

Josef Koch
Josef Koch
am Mittwoch, 23.12.2020 - 05:00

Die EU-Kommission denkt über höher Auflagen nach. Für Geflügelhalter laufen bereits Ende des Jahres Ausnahmeregelungen aus.

Weidemast-Angusrinder

In Brüssel zirkuliert derzeit ein Vorschlag der EU-Kommission zur Änderung der Hygieneverordnung für tierische Lebensmittel. Er sieht vor, der künftig die Hof- und Weideschlachtung von Kühen und Schweinen einzuschränken und weitaus strenger als konventionelle Schlachtungen zu regulieren.

EU-Abgeordnete Ulrike Müller (FW) kritisierte kurz vor Weihnachten bei einer Debatte im Parlament, dass die Brüsseler Behörde zwischen Hofschlachtung und konventioneller Schlachtung zweierlei Maß anlege und für Hofschlachtungen strengere Maßstäbe und höhere Standards gelten sollen. Die Kommission plant laut Müller, dass bei einer Schlachtung am Hof mit einer mobilen Schlachtbox maximal 6 Tiere geschlachtet werden dürfen. Zusätzlich soll während des gesamten Prozesses am Hof ein Tierarzt anwesend sein. "Warum gelten hier Obergrenzen und Standards, die es bei der konventionellen Schlachtung im Schlachthof nicht gibt?”, fragt sich Müller.

Kommission benachteiligt Geflügelhalter mit Direktverkauf

Geflügelschlachtung-Gans

Müller erinnerte die EU-Kommission daran, dass diese in der Farm-to-Fork-Strategie („Vom Hof auf den Tisch“) Tierwohl und Regionalität als wichtige Faktoren bewerte. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund einer bayrischen Debatte um Weideschlachtung für Schweine und Kühe wies die EU-Parlamentarierin darauf hin, dass die Handhabung der EU-Hygieneverordnung mit den Zielen für eine nachhaltige Lebensmittelkette ein Einklang stehen müsse. 

“Die Kommission darf jetzt nicht diejenigen bestrafen, die im Sinne der Green Deal-Strategie mutig neue Wege gehen, um Tierwohl und Regionalität zu stärken”, forderte Müller. Sie beklagte ein, dass Brüssel gerade jetzt für Direktvermarkter Übergangsmaßnahmen (nach Verordnung 2017/185) auslaufen ließe, die im Widerspruch zur Farm-to-Fork Strategie stünden. So dürfen Direktvermarkter mit eigener Schlachtung keine verarbeiteten Geflügelfleischprodukte wie Grillhendl oder Putenleberkäse mehr direkt an Endverbraucher vermarkten. Erlaubt ist nur noch der Verkauf von Frischfleisch.

Kommission will keine Verlängerung

Damit schade die Kommission vielen kleinen Betrieben, die mit ihren Praktiken bereits jetzt wichtige Beiträge zu Regionalität und Tierwohl und damit zur Nachhaltigkeit leisten, so Müller.

Müller forderte eine umgehende Verlängerung der Übergangsverordnung. Kommissionsmitarbeiter lehnten aber eine Verlängerung der Ausnahmen ab. Nach deren Meinung hätte die betroffenen Betriebe nach 16 Jahren Übergangszeit ausreichend Zeit gehabt, ihre Schlachtung den Hygieneregeln anzupassen.

Rechtlicher Hintergrund

In der Verordnung (EG) Nr. 853/2004 sind Hygienevorschriften für tierische Lebensmittel festgelegt. Artikel 2 der Verordnung (EU) 2017/185 sieht als Ausnahme vor, dass diese Bestimmungen nicht für die direkte Abgabe kleiner Mengen Fleisch von Geflügel und Hasentieren gelten, die im landwirtschaftlichen Betrieb geschlachtet wurden und vom Erzeuger direkt an Endverbraucher oder örtliche Einzelhändler gehen. Diese Ausnahmeregelung fällt ab dem 31. Dezember 2020 weg, da die Verordnung außer Kraft tritt. Die meisten der betroffenen Mitgliedstaaten haben bereits eine Verlängerung dieser Ausnahmeregelung beantragt.

Ein Kommissionsvorschlag zur Änderung von Anhang III der Hygieneverordnung (EG) Nr. 853/2004 betrifft unter anderem die Hofschlachtung von Kühen und Schweinen.

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