EU-Parlament

Warnung vor Überzertifizierung und Greenwashing

Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Mittwoch, 05.05.2021 - 16:11

Der Europaabgeordnete Francisco Guerreiro warnt die EU vor den Risiken einer Überzertifizierung und eines Greenwashing bei Agrar- und Lebensmittelprodukten.

EU-Abgeordneter

Die meisten Früchte, die in EU-Supermärkten verkauft werden, tragen Zertifizierungsetiketten, die von privaten Stellen, wie der Rainforest Alliance, ausgestellt wurden. Diese Nachhaltigkeitszertifizierungen gelten für Hersteller als „freiwillig“, sind jedoch in der Praxis „obligatorisch“, da Einzelhändler sie für den Handel innerhalb der EU benötigen.

Der portugiesische Europaabgeordnete Francisco Guerreiro von der Gruppe der Grünen hat zu diesem Thema nun eine Anfrage an die Kommission gestellt. Er will wissen, ob die Kommission erwägt, die Leitlinien zur Verhinderung von Überzertifizierung und Greenwashing bei der Kennzeichnung von Agrar- und Lebensmittelprodukten voranzutreiben.

Risiko der Überlastung der Erzeuger

Nach den Worten des MdEP ist die Mitteilung von 2010 unzureichend und bietet keinen rechtlichen Rahmen, der die Kriterien angibt, die erfüllt sein müssen, damit ein Produkt als nachhaltig angesehen werden kann. Zertifizierungen werden von Zertifizierungsstellen, privaten Akteuren, Unternehmen oder selbstverwalteten Nichtregierungsorganisationen verkauft und reguliert.

Angesichts des Risikos einer Überlastung der Produktion landwirtschaftlicher Erzeugnisse mit nicht überprüften Umweltzertifizierungen ist der Europaabgeordnete der Ansicht, dass diesbezüglich europäische Rechtsvorschriften erforderlich sind.

Erzeuger drohen unter die Räder zu kommen

Der Anfrage von Guerreiro ist nicht die erste zur mangelnden Regulierung von Zertifizierungssystemen. Die sozialistische Europaabgeordnete Monica Silvana aus Spanien hat die Kommission bereits im März letzten Jahres nach der Entwicklung eines verbindlichen Systems der geteilten Verantwortung gefragt, um die Verteilung der Kosten dieser Zertifizierungen entlang der Wertschöpfungskette sicherzustellen.

In einem Ökosystem, in dem europäische Supermärkte niedrigere Preise verlangen, aber zunehmend höhere Standards und Nachhaltigkeitsanforderungen fordern, werden die mit diesen Anforderungen verbundenen Kosten und Investitionen größtenteils von den Herstellern selbst übernommen.

In Ecuador beispielsweise ist die Bananenproduktion und deren Export auf den europäischen Markt für die Beschäftigung von mehr als 250.000 Familien von wesentlicher Bedeutung. Bananenbauern, von denen 95% kleine und mittlere Erzeuger sind, können nicht alle mit der Zertifizierung verbundenen Kosten tragen, während sie dem Druck der Einzelhändler ausgesetzt sind, ihre Preise zu senken.