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Medienrummel

Warm anziehen für heißen Herbst?

Sepp Kellerer
Sepp Kellerer
am Donnerstag, 27.08.2020 - 13:20

Spiegel online hat sich Dirk Andresen vorgenommen, einen der führenden Köpfe von Land schafft Verbindung.

Sepp Kellerer Chefredakteur

Der FC Bayern hat mit dem Sieg in der Championsleague das Triple perfekt gemacht. Der Umgang mit dem Coronavirus wird mehr und mehr zum Alltag. Das heißt in der Medienlandschaft droht das viel zitierte Sommerloch. Und die Landwirtschaft ist ein beliebtes Themenfeld, um dieses Loch zu füllen.

Spiegel online hat sich Dirk Andresen vorgenommen, einen der führenden Köpfe von Land schafft Verbindung. Man beruft sich auf Bilder und Videos einer Tierrechtsorganisation, die aus einem Stall stammen, an dem Andresen beteiligt ist. Und wie nicht anders zu erwarten, sollen damit unhaltbare Missstände dokumentiert werden. Wer an die Nutztiere die gleichen Maßstäbe anlegt wie an den Menschen, der kann die Vorwürfe vielleicht nachvollziehen. Wer sich schon einmal halbwegs mit der Ferkelerzeugung beschäftigt hat, der wird daran nichts Verwerfliches finden.

Und mit den Fakten nehmen es die Autoren des Beitrages nicht so genau. Bei einem Bild von Sauen im Kastenstand heutiger Prägung steht, dass die Sauen Platz haben müssten, sich seitlich hinzulegen und die Beine auszustrecken. Kein Wort, dass diese Bestimmung erst ein paar Wochen alt ist, und kein Wort, dass es Übergangsfristen gibt, weil man den Stallumbau nicht innerhalb von ein paar Tagen bewältigen kann.

Warum Andresen und warum gerade jetzt?

Warum Andresen und warum gerade jetzt, wo doch die Bilder schon ein paar Monate alt sind? Einen Zusammenhang damit herzustellen, dass Andresen ein Bundestagsmandat anstrebt und im gleichen Wahlkreis kandidiert wie Grünen-Chef Robert Habeck, wäre reine Spekulation.

Einen interessanten Dreh hat letzte Woche auch die Süddeutsche Zeitung gefunden. Sie stellt fest, dass am Rückgang des Rebhuhns der Maisanbau schuld ist und folgert daraus, dass dem Rehwild das gleiche droht, wenn der Grundsatz Wald vor Wild gilt. Dieser Grundsatz sei falsch, denn schließlich sei im Bundesjagdgesetz die Pflicht zur Hege verankert. Der nächste Satz im Gesetz besagt, die Hege hat so zu erfolgen, dass Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft möglichst nicht beeinträchtigt werden, aber das erwähnt die Zeitung nicht. Zu rätseln, ob das absichtlich weggelassen oder einfach übersehen wurde, das wäre reine Spekulation.

Vielleicht sind diese Beispiele willkürlich gewählt, vielleicht berichten die Zeitungen auf dem Land ausgewogener, aber zu mutmaßen, dass sich die Landwirtschaft warm anziehen muss, weil ein heißer Herbst droht, ist nicht reine Spekulation.