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Ramschpreise

Walter Heidl begrüßt neu entflammte Debatte

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Redaktion Wochenblatt
am Donnerstag, 30.12.2021 - 14:20

Die Diskussion um Özdemirs Vorstoß für höhere Lebensmittelpreise geht weiter. Der Bauernverband wirft früheren Regierungen Versäumnisse vor.

Walter heidl

BBV-Präsident Walter Heidl begrüßt die Diskussion über Ramschpreise für Lebensmittel. „Die Debatte über diese unlauteren Handelspraktiken ist überfällig“, sagte er am Dienstag (28. Dezember) dem „Münchner Merkur“. Der Bauernverband kritisiere schon lange, dass Handelskonzerne und insbesondere Discounter Frischlebensmittel benutzen, um die Verbraucher in die Geschäfte zu locken.

Diese Angebote würden auf die Erzeugerkette abgewälzt – vom Vermarkter über den Schlachthof bis zum Landwirt, der keine auskömmlichen Preise bekomme. Am Beispiel Schweinefleisch sehe man derzeit, dass die Preise an der Ladentheke ansteigen und bei den Landwirten zurückgehen. „Das können Sie niemandem mehr erklären, da macht sich der Einzelhandel die Taschen voll“, betonte Heidl im Merkur-Interview.

Handel reagiert ablehnend

Zu Eindämmung des Preiskampfs verweist der BBV-Präsident auf Ansätze wie die Initiative Tierwohl, bei der Landwirte ihre zusätzlichen Tierwohl-Anforderungen honoriert bekommen. „Doch wir erleben gerade beim Rindfleisch, wo eine ähnliche Initiative geplant ist, dass der Handel sehr ablehnend reagiert, wenn es um höhere Preise geht“, sagte Heidl.

Mit dem Borchert-Plan liege ein Vorschlag auf dem Tisch, woher das Geld für mehr Tierwohl kommen könne: durch höhere Preise an der Theke. „Ob das über eine Umsatzsteuer, eine Abgabe oder andere Mechanismen organisiert wird, da habe ich kein Patentrezept. Aber gar nichts zu tun ist zu wenig“, meinte der BBV-Präsident. 

Fleisch ist kein billiger Lockvogel

Nach Özdemirs Vorstoß hatte sich der Paritätische Wohlfahrtsverband zu Wort gemeldet und einen finanziellen Ausgleich für Arme gefordert, wenn Lebensmittel teurer werden. Auch der Münchner Merkur wollte von Heidl wissen, ob sich künftig nicht mehr jeder ein gutes Stück Rindfleisch leisten könne. „Ausgewogene Ernährung heißt nicht, jeden Tag Fleisch zu essen. Das war früher auch so“, erklärte Heidl. Fleisch sei ein hochwertiges Nahrungsmittel, es brauche seinen Preis und dürfe nicht vom Handel als billiger Lockvogel missbraucht werden.

Trotz Inflation geben die Menschen in Deutschland laut Bundesinformationszentrum Landwirtschaft nur einen relativ geringen Teil ihres Geldes für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke aus – weniger als ein Achtel der Haushaltsausgaben wird dafür aufgewendet. Verbraucherinnen und Verbraucher profitieren dabei auch davon, dass die Lebensmittelpreise hierzulande nur minimal über dem EU-Durchschnitt liegen, das Pro-Kopf-Einkommen aber deutlich darüber. Auch im Vergleich mit den europäischen Nachbarn sind die Ausgaben für Nahrungsmittel relativ gering.

Kritik an frühere Regierungen

Darstellung von Ausgaben für Nahrungsmittel

Kritik übte der BBV-Präsident auch an früheren Regierungen: „Leider hat es die Politik versäumt, etwas gegen diese Handelspraktiken zu unternehmen. Im Gegenteil, die Politik hat sogar zugestimmt, dass die Größten noch größer werden, etwa als Edeka Tengelmann übernommen hat“, sagte Heidl.

Dem Vorwurf von Versäumnissen sieht sich auch Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ausgesetzt: Er hatte Özdemir auf Facebook kritisiert und geschrieben: „Besser wäre es für die Landwirte, wenn der Preisdruck durch die Handelskonzerne vermindert und die Bürokratie durch den Staat verringert würde.“ Was folgte: Viele User-Fragen und Kommentare, warum die CSU in 16 Jahren Regierungszeit die nun von Söder angeprangerten Missstände nicht abgestellt habe.