Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Zustandserhebung

Waldumbau: Den „einen“ Brotbaum gibt es nicht

Wald
Simon Michel-Berger Portrait 2019
Simon Michel-Berger
am Donnerstag, 21.11.2019 - 14:36

Für den Waldumbau hat niemand ein Patentrezept. Das ergab sich aus der Besprechung der Waldzustandserhebung im Bayerischen Landtag.

München - Bayerns Wälder sind durch den Klimawandel, Stürme und den Käfer einer hohen Belastungsprobe ausgesetzt. Diese Erfahrung, die viele Waldbesitzer bereits gemacht haben, bestätigt auch die Waldzustandserhebung 2019. Bayerns Forstministerin Michaela Kaniber hat sie am Mittwoch im Landwirtschaftsausschuss des Landtags vorgestellt. Demnach habe sich der Gesamtverlust an Blättern bzw. Nadeln bei allen Baumarten auf knapp 25 % verschlechtert, wobei Nordbayern deutlich stärker betroffen sei als der Süden.

Bei der Diskussion zwischen den Fraktionen unterstrichen alle Seiten die Bedeutung des klimaangepassten Waldumbaus. Dafür, wie dieser am besten vonstattengehen solle, hat derzeit aber niemand ein Patentrezept. Kaniber verwies auf die hohe Bedeutung der Jagd. Hier müssten sich alle Beteiligten als Partner verstehen und sich auf das gemeinsame Ziel Klimawald verständigen. Wichtig sei auch, das Bauen mit Holz zu fördern – und die staatliche Unterstützung für den Waldumbau allgemein. Bayern tue hier bereits viel und werde künftig noch mehr leisten. Die Förderung für den Privat- und Kommunalwald soll grundlegend überarbeitet und noch attraktiver gestaltet werden. Wörtlich sagte Kaniber: „Ich könnte mir eine sehr dominante Ausweitung der Fördersätze vorstellen.“

Begrenzender Faktor sei aber momentan die Personaldecke bei der Forstverwaltung. Die im Rahmen der Waldumbauoffensive von 2017 angekündigten 200 neuen Stellen seien ein wichtiges Zeichen. Grundsätzlich sei das Ministerium auch dabei, das im Juli beschlossene „Acht-Punkte-Programm“ für Bayerns Wälder zu finalisieren.

Horst Arnold (SPD) kritisierte die neuen Stellen als zu wenig, angesichts der bis 2020 andauernden Stellenabbauverpflichtung bei der Forstverwaltung. Angesichts der großen Schäden im Wald sei zudem klar, dass „schützen und nützen“ gescheitert sei.

Hans Urban (Grüne) betonte, dass die derzeitigen Holzpreise nicht zulassen würden, dass der Waldumbau sich selber finanziere. Hier brauche es mehr Unterstützung. Er kritisierte, dass die Regierungsfraktionen erst kürzlich einen Antrag der Grünen für eine Holzbauoffensive abgelehnt hätten und sprach sich dafür aus, die Praxis der „Winterfütterung“ möglichst bald überall zu beenden.

Abgeordneter aller Fraktionen wollten wissen, welche Pflanzkonzepte beim klimafreundlichen Waldumbau besonders wirksam seien. Stefan Pratsch von der Bayerischen Forstverwaltung erklärte, dass es derzeit keine einfachen Antworten gebe. Nahezu alle staatlichen Forschungsprojekte würden sich um dieses Thema drehen. Klare Empfehlungen zum Klimawaldumbau, die überall in Bayern gelten würden, ließen sich momentan nicht machen.