Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Waldnutzung

Waldsymposium: Köstinger erteilt Brüssel Abfuhr, Özdemir bleibt blass

Waldnutzung
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Sonntag, 01.05.2022 - 15:30

In einem Symposium mit Deutschland findet die österreichische Ministerin klare Worte, während Özdemir sich in neue Ankündigungen flüchtet.

Landwirtschaftsminister Cem Özdemir und seine österreichische Kollegin Elisabeth Köstinger haben am 29. April in Berlin das EU-Symposium "Wald Trifft Politik" der österreichischen Plattform Forst – Holz – Papier (FHP) und des Deutschen Forstwirtschaftsrat (DFWR) eröffnet. Auf der Veranstaltung sprach sich die Ministerin für eine nachhaltige Holznutzung aus.

Holz spart Beton und Stahl ein

Für Köstinger heißt europäische Forstpolitik nachhaltige Waldbewirtschaftung. Es gelte die Multifunktionalität der Wälder und die regionale Wertschöpfung zu stärken. Forstwirtschaftspolitische Maßnahmen müssten somit auch die unterschiedlichen Gegebenheiten berücksichtigen und den jeweiligen Regionen ausreichend Flexibilität einräumen. "Nur unter Wahrung des Subsidiaritätsprinzips und mit Einbindung der nationalen Experten kann eine europäische Forstpolitik die ehrgeizigen Anforderungen an den Wald erfüllen.“

Waldsymposium Berlin

Damit spielt Köstinger auf die Bestrebungen der EU-Kommission an, die Waldpolitik in Zukunft zentral in Brüssel gestalten zu wollen. Damit verbunden wäre eine Neuausrichtung. Die Nutzung der Wälder soll nach Brüsseler Vorstellungen stark eingeschränkt werden. Die Multifunktionalität würde damit einer einseitigen Ausrichtung auf Stilllegung geopfert.

Der sogenannte Substitutionseffekt von Holz kommt in den Brüsseler Überlegungen so gut wie nicht vor. Gerade im Bauwesen können aber durch den Einsatz von Holz enorme Mengen an Beton und Stahl eingespart werden. Da deren Herstellung extrem energieaufwändig ist, würde damit einer der größten Vorteile einer Holznutzung unterschlagen. Köstinger hält das für falsch: „Gerade jetzt sind Rohstoffsicherheit und verlässliche Wertschöpfungsketten in den Fokus gerückt. Das Momentum für die nachhaltige und regional verfügbare Ressource Holz muss nun genutzt werden." Im Rahmen des österreichischen Waldfonds wurde deshalb eine eigene Holzinitiative eingerichtet, über die Holz als alternativer und nachhaltiger Baustoff und als nachhaltige Alternative zu fossiler Energie weiter gestärkt werden soll.

Özdemir verweilt im diffusen "Sowohl-als-auch"

Im Vergleich zu Köstingers klarer Postion belässt es Özdemir bei einigen wohltemperierten Äußerungen im Sowohl-als-auch-Stil, wie etwa: "Bei zunehmend in Brüssel koordinierter Umweltpolitik sieht auch die Bundesregierung die Notwendigkeit einer verstärkten grenzüberschreitenden Zusammenarbeit, wobei die Zuständigkeit der Mitgliedstaaten und ihre regional angepassten Waldbewirtschaftungskonzepte zu berücksichtigen sind." Was heißt das nun? Soll Brüssel ran oder die Mitgliedsländer? Da bleiben mehr Fragen offen, als beantwortet werden.

Und eindeutige Statements dürften auch nicht so zügig zu erwarten sein. Als Vorsitzender der Ministerkonferenz zum Schutz der Wälder in Europa (FOREST EUROPE Prozess) kündigte Özdemir an, im Rahmen des High-Level Policy Dialogue zu einer Veranstaltung am 30. August 2022 einzuladen. Thema soll der Erhalt der Biodiversität in bewirtschafteten Wäldern sein. Da scheint einiges auf die lange Bank zu wandern, was bedeutet, dass nationale Stellungnahmen auf sich warten lassen. Das verlagert die Handlungshoheit nach Brüssel. Damit wird das nationale politische Gewicht verspielt. Ist das nun Absicht? Also heißt das, lass Brüssel machen bis es für ein Veto zu spät ist? So können nach natürlich auch Beschlüsse herbeigeführt werden. Ähnliches gab es bereits bei der Freigabe Brüssels bei den Ökologischen Vorrangflächen. Eine Anfrage der Opposition wurde nach Ablauf der Entscheidungsfrist mit dem Hinweis "Frist abgelaufen" beantwortet.

Bewirtschafter sind die größten Befürworter des Waldes

Der Obmann des Waldverbandes Österreich, Rudolf Rosenstatter und der DFWR-Präsident Georg Schirmbeck betonten auf der Veranstaltung, dass die europäische Forstwirtschaft geschlossen für die Wälder zusammenstehe. Dies zeige sich auch an der Teilnahme am EU-Symposium von mehr als 200 Botschaftern, Abgeordneten, Wissenschaftlern und Forstwirtschaftlern, die in Berlin aus nahezu allen europäischen Ländern und international zusammengekommen sind. Das DFWR-EU-Symposium findet jährlich statt und will den Dialog über nachhaltige Waldbewirtschaftung verstärken.