EU-Forstpolitik

Waldstrategie: Brüssel will Forstflächen stilllegen

Josef Koch
Josef Koch
am Freitag, 16.07.2021 - 10:15

Mit der EU-Waldstrategie will die EU stärker in die Arbeit der Waldbauern eingreifen. Verärgerung bei Waldbauern und Naturschützern. Droht kalte Enteignung?

Urwald

Die heute veröffentlichte neue EU-Waldstrategie bis 2030 wird zum Belastungspaket für Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer. Ganz konkreten Beschränkungen in der Waldbewirtschaftung unter dem Deckmantel des Klima- und Biodiversitätsschutzes stehen nach Auffassung des Waldverbands Österreich völlig inhaltsleere Floskeln zu möglichen Einkommensalternativen gegenüber.

„Bislang hat die Europäische Union beim Klimaschutz völlig versagt. Jetzt diese Versäumnisse auf unsere Kosten nachholen und auf unserem Rücken abladen zu wollen, missachtet maßgebliche europäische Grundrechte und entzieht uns die Basis für unsere Familieneinkommen“, warnt Rudolf Rosenstatter, Obmann des Waldverband Österreich die Auswirkungen der Kerninhalte der neuen EU-Forststrategie auf den Punkt.

Die Europäische Kommission möchte nicht nur in der EU-Waldstrategie, sondern auch in einer Novelle zur „Verordnung über Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft“ die Kohlenstoffsenke Wald massiv ausbauen. Dies soll durch großflächige Außer Nutzung Stellungen und Einschränkung der Holzernte erfolgen.

Waldbauern fürchten kalte Enteignung

Obmann Rosenstatter kündigt Widerstand an: „Wenn die EU nun die Verwendung des Rohstoffes Holz massiv einschränken möchte, geht dies in die völlig falsche Richtung. Wir werden nicht widerstandslos hinnehmen, dass man unsere Waldbauernfamilien um ihre Einkommensgrundlage bringt.“

Wenn die EU-Bürokratie zudem meinen, einen durchschnittlichen, jährlichen Produktionswert von 2 Mrd. Euro durch die Forstwirtschaft in Österreich durch Ökotourismus kompensieren zu können, zeuge dies von völliger Realitätsverweigerung, so Rosenstatter.

Er erwartet von den Mitgliedsstaaten eine klare Absage an Maßnahmen, die in ihrer Wirkung einer „kalten Enteignung“ gleichkommen.

Grüne fordern Kahlschlagverbot

Die Grünen im Europaparlament kommen bei der Forststrategie zu einer anderen Einschätzung. „Wir müssen jetzt darauf achten, dass die Mitgliedstaaten allen voran unsere Ministerin Köstinger diese Waldstrategie nicht weiterhin verwässern und kurzfristige Profite vor echten Klimaschutz stellen!", so der EU-Abgeordnete Thomas Waitz aus Österreich.

Nach dessen Auffassung hat die EU-Kommission endlich erkannt, dass Wälder nicht nur ökonomisch verwertbares Holz und heizbare Biomasse liefern, sondern artenreiche Wälder dringend benötigt werden, um die Klima- und Biodiversitätskrise zu bekämpfen. Waitz findet „sehr besorgniserregend“ das Gleichstellen der Entnahme von Holz und das Absichern der Widerstandsfähigkeit der Wälder. Es müsse erstrangig darum gehen, Wälder durch die nächsten "klimastressigen" Jahrzehnte zu bringen. Er fordert außerdem ein radikales Aus für großflächige Kahlschlagwirtschaft, um den Wald nicht zur „CO2-Schleuder“ zu machen.

WWF: Weichgespültes Papier

Für Alois Vedder, Leiter Politik beim WWF Deutschland, fällt die EU-Waldstrategie enttäuschend aus. Das Papier erkennt zwar an, dass die Wälder Europas besser geschützt werden müssen, aber ohne verbindliche Schritte aufzuzeigen. Kahlschläge bleiben grundsätzlich erlaubt und die Wälder der EU werden weiterhin in erster Linie als Holzlieferanten gesehen, kritisiert Vedder.

Laut WWF sah das im Entwurf von vor wenigen Wochen noch anders aus. Er schiebt die Korrekturen „im Sinne der Forstindustrie“ auf die Interventionen einiger EU-Staaten, darunter auch Deutschland und Österreich zurück. „Herausgekommen ist ein weichgespültes Papier, das uns kaum voranbringt“, meint Vedder.

 

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