Waldbewirtschaftung

Waldschäden: Forstwirtschaftsrat fordert mehr Hilfen

Josef Koch
Josef Koch
am Donnerstag, 08.04.2021 - 16:23

Angesichts von 13 Mrd. € Schäden in den Wäldern machen die staatlichen Hilfen nur einen Bruchteil aus, monieren Forstexperten.

Waldschaden

In seiner ersten Zwischenbilanz schätzt der Deutsche Forstwirtschaftsrat (DFWR) die Waldschäden der Extremwetterereignisse der letzten drei Jahre auf 13 Mrd. Euro. Das treffe die Forstbetriebe in ihrer Substanz, meint DFWR-Präsident Georg Schirmbeck.

Die Soforthilfeprogramme von Bund und Ländern decken laut Schirmbeck mit 1,5 Mrd. Euro aber nur einen Bruchteil der Schäden, seien aber richtig. „Wenn wir den Wald und seinen Funktionen für die Gesellschaft erhalten und an den Klimawandel anpassen wollen, werden Finanzmittel dieser Größenordnung jährlich benötigt, macht der DFWR-Präsident deutlich.

Finanzielle Möglichkeiten der Waldbesitzer überschritten

Nach Auffassung von Prof. Dr. Bernhard Möhring, Uni Göttingen, Leiter der Studie übersteigt das Schadausmaß von 2018 bis 2020 durch Sturm, Dürre und Borkenkäfer die finanziellen Möglichkeiten und Reserven der meisten Waldbesitzenden und Forstbetriebe bei weitem. Rund die Hälfte des Waldes in Deutschland ist Privatwald, der schon aufgrund seiner verbreiteten Kleinstrukturiertheit mit organisatorischen und technischen Problemen zu kämpfen habe. Bisher haben Waldbesitzer die Maßnahmen zur Anpassung der Wälder an den Klimawandel aus dem Verkauf des geernteten Holzes finanziert.

„Biodiversität, Klimaschutz und Erholungsraum stellen die Forstbetriebe bisher überwiegend unentgeltlich zur Verfügung. Dieses Prinzip hat der Klimawandel ausgehebelt“, betont Möhring. Zudem überschwemmt Schadholz den Holzmarkt zu sehr geringen Erlösen. Damit fehle den Waldbauern Finanzmittel, um beispielsweise Schadflächen mit Mischwald aufzuforsten oder Ökosystemleistungen für die Gesellschaft bereitzustellen.

Schirmbeck verlangt daher für die Forstbetriebe eine wirtschaftliche Perspektive, um ihr „Generationenwerk nachhaltig bewirtschafteter Wälder“ weiterführen zu können. Von der Politik sind neue Instrumente auf den Weg zu bringen, um Ökosystemleistungen des Waldes zu honorieren. Er fordert, einen Teil der Einnahmen des Bundes aus der CO2-Abgabe dafür zu verwenden. Zudem hält er es für nötig, dass von Bund und Ländern aufgelegten Soforthilfe-Programme nicht auf vier Jahre befristet bleiben, sondern über 2023 verlängert werden.

Union verspricht weitere Mittel

Unionsagrarsprecher Albert Stegemann führt ins Feld, dass die CDU/CSU-Bundestagsfraktion sich dafür eingesetzt habe, „kurzfristig und unbürokratisch“ die 500 Millionen Euro umfassende Nachhaltigkeitsprämie Wald auf den Weg zu bringen. „Diese ist sehr gut angelaufen und soll die Waldeigentümer unterstützen beim notwendigen Waldumbau“, so Stegemann.

Alois Gerig, Forstsprecher der CDU/CSU nennt als Ziel, entstehende Mittel bei der CO2-Abgabe für Wiederaufforstung von Schadflächen und für den dringend zu beschleunigenden Waldumbau zu Gute kommen zu lassen. So habe der Bund, auf Initiative der Union, in den vergangen zwei Jahren bereits 1,5 Milliarden Euro Finanzhilfen für den Wald bereitgestellt.

Zudem müsse das Bauen mit Holz an Bedeutung gewinnen, so Gerig. Er sieht es als Erfolg, dass gleich neben dem Haus der Bundespressekonferenz ein Neubau des Deutschen Bundestages in Holz-Modulbauweise entstehe. „Hier werden 2.500 Kubikmeter zertifiziertes Holz aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung verbaut. Das ist ein wichtiges Signal - so müssen wir weiter machen“, so der Forstsprecher.