Klimawandel

Waldeigentümern zweifeln Kompetenz des BUND an

Wald
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Ulrich Graf
am Montag, 29.07.2019 - 14:17

Nach Einschätzug der Waldeigentümer geht der Standpunkt der Umweltorganisation an der Realität vorbei.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) hat vergangene Wochen ein Zehn-Punkte-Papier zum Thema Klimawandel und Waldumbau vorgestellt. Darin stellt der Verband seine Forderungen zum Umgang mit den Wäldern angesichts der Wetterextreme vor. Die dort aufgeführten Analysen und Forderungen gehen nach Einschätzung des AGDW – Die Waldeigentümer aber an den Realitäten der aktuellen Katastrophe vorbei. „Der Wald leidet unter der Trockenheit und den fehlenden Niederschlägen“, sagte Hans-Georg von der Marwitz, Präsident der AGDW – Die Waldeigentümer, „die Wasserspeicher sind aufgebraucht“. Die Folge seien Sekundärschäden wie die Massenvermehrung von Schädlingen und das Vertrocknen ganzer Waldflächen. „Unsere Wälder sind aufgrund der anhaltenden Trockenheit in diese Krise geraten.“

Auch machte von der Marwitz deutlich, dass alle Baumarten betroffen seine – Laub- wie Nadelbäume. „Die Hitzewelle macht vor keiner Baumart halt: In manchen Teilen Deutschlands gebe es ein Buchensterben, in einigen Regionen werde der Ahorn, die Esche oder die Eiche angegriffen, in anderen wiederum vertrocknen Kiefern oder Fichten. Auch Mischwälder fallen dem Klimawandel zum Opfer.“

Welche Baumarten angesichts der Wetterextreme resistenter sind, hänge von den regionalen Gegebenheiten ab. „Es darf hier keine ideologischen Blockaden geben“, forderte von der Marwitz, „der Wald ist in größter Not: Angesichts des Klimawandels muss es zuerst darum gehen, welche Baumarten den Wetterextremen standhalten“. Daher sei es für den Walderhalt lebensnotwendig, klimaresistente Baumarten in den Waldbau einzubeziehen.  „Der Mensch stellt sich etwa im Hausbau auf zunehmende Hitzewellen ein, das gleiche muss für den Waldbau gelten.“   

Auch kritisierte der Präsident, dass der Beitrag des Waldes als Klimaschützer ausgeblendet werde. Schließlich seien der Wald und sein Rohstoff Holz größter Speicher von CO2. Das Cluster Forst & Holz speichert jährlich über 127 Millionen Tonnen CO2. Das sind rund 14 Prozent des jährlichen CO2-Ausstoßes der deutschen Volkswirtschaft. Der Beitrag, den der Wald und die nachhaltige Waldbewirtschaftung zum Klimaschutz leistet und mit (Wieder)bewaldungsmaßnahmen künftig leisten kann, wird ausgespart. „Der Wald muss in die Erarbeitung eines Gesetzes zur Erreichung der Klimaziele einbezogen werden“, sagte von der Marwitz, „nur so kann es einen wirksamen Klimaschutz geben“. 

Auch die weitere Stilllegung von Wäldern sei kontraproduktiv, da gerade das Baumwachstum und die nachhaltige Waldpflege zum Klimaschutz beitragen. Schließlich fungiere der Wald erst auf diesem Wege als erfolgreicher CO2-Speicher. Auch weisen die Wälder in Deutschland laut dem jüngsten Indikatorenbericht „Artenvielfalt und Landschaftsqualität“ des Bundesamtes für Naturschutz ein hohes Maß an biologischer Vielfalt auf. Sie beherbergen die meisten Tier-, Pflanzen- und Pilzarten innerhalb Europas. „Das ist eine Nachricht, über die wir uns sehr freuen, da das Ökosystem Wald die Basis ist für unsere nachhaltige Waldbewirtschaftung“, sagte von der Marwitz.

Zudem werde der ökologische Rohstoff Holz nur in bewirtschafteten Wäldern produziert. „Wir benötigen Holz für den Haus- und Möbelbau“, so der AGDW-Präsident. „Wenn das Holz in Deutschland produziert wird, stammt es aus einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung und Wertschöpfungskette.“ Wer Wälder aus der Bewirtschaftung nimmt, stärkt Importe aus Ländern, die sich nicht immer am Nachhaltigkeitsprinzip orientieren.