Waldbewirtschaftung

Wald: Wissenschaftler befürworten aktives Bewirtschaften

Josef Koch
Josef Koch
am Mittwoch, 03.11.2021 - 17:02

Der Wissenschaftliche Beirat für Waldpolitik hält in seinem Gutachten die aktive Waldbewirtschaftung für wichtig und förderfähig, zur Anpassung an den Klimawandel.

Waldarbeit-Harvester

Der Wissenschaftliche Beirat für Waldpolitik des Bundesministeriums empfiehlt eine aktive Bewirtschaftung der Wälder in Deutschland, Nichtstun sei keine Option. In seinem Gutachten unterstützt er damit die Waldpolitik des Bundesforstministeriums.

„Unsere Empfehlungen zielen darauf ab, die Vielfalt der Ökosystemleistungen langfristig sicherzustellen. Dafür benötigen wir einerseits resiliente und anpassungsfähige Wälder und andererseits Betriebe und Institutionen, die in der Lage sind, diese Daueraufgabe der Anpassung zu bewerkstelligen,“ so Prof. Dr. Jürgen Bauhus, Vorsitzender des Beirats, als er heute das Gutachten an Ministerin Julia Klöckner überreichte.

Was der Beirat empfiehlt

Gutachten-wb-waldpolitik

Die zentralen Handlungsempfehlungen des Beirates:

  • Resiliente und anpassungsfähige Wälder erhalten und entwickeln,
  • Den Waldschutz gegenüber biotischen Risiken verbessern,
  • Risikomanagement zum Umgang mit Extremereignissen weiterentwickeln,
  • Biodiversität sichern und erhöhen,
  • Boden und Wasser schützen,
  • Nachhaltige Holzverwendung fördern,
  • Wälder als Orte für Erholung, Sport und Tourismus entwickeln,
  • Ökosystemleistungen honorieren,
  • Monitoring optimieren,
  • Forschungskapazitäten stärken, besser vernetzen und neu ausrichten.

Klöckner sieht Waldstrategie 2050 bestätigt

Angesichts von mittlerweile 280.000 Hektar Schadfläche, die wiederbewaldet werden muss, hatte Bundesministerin Julia Klöckner mit 1,5 Milliarden Euro das größte ökologische Waldumbauprogramm in der Geschichte Deutschlands gestartet. Auf mehreren Tausend Hektaren wurden bereits überwiegend reine Laubwälder und Mischwälder mit einem hohen Anteil von Laubbäumen neu begründet, die standortangepasst und klimastabil sind.

Unsere Maßnahmen haben wir daher immer eng mit den Praktikern und der Wissenschaft abgestimmt. Dieser Ansatz wird jetzt nochmal bestätigt – dem Wissenschaftlichen Beirat danke ich für die Beratung und seine Arbeit,“ so Klöckner.

Nach ihrer Auffassung zeigt das Gutachten auch, dass die BMEL-Waldstrategie 2050 die richtigen Leitplanken setze, um den Wald mit seinen vielfältigen Funktionen für die kommenden Generationen zu erhalten.

Waldbauern werben für aktive Bewirtschaftung

Der Präsident der Arbeitsgemeinschaft der Waldeigentümner (AGDW), Hans-Georg von der Marwitz, fordert anlässlich des Gutachtens die künftige Ampelkoalition auf, der aktiven Waldbewirtschaftung Vorfahrt zu geben. „Aktive Waldbewirtschaftung und klimaeffiziente regionale Holzverwendung sind die Schlüssel für eine erfolgreiche Waldpolitik in den nächsten Jahrzehnten“, sagt der Präsident, „nur auf diesem Wege können Wälder generationenübergreifend fit für den Klimawandel gemacht werden.“

Das Gutachten weist darauf hin, dass Extremwetterereignisse und die sich verändernde Produktivität der Wälder mit einem neuen Baumartenspektrum zu steigenden Kosten für die Waldbesitzer führen, die aus den Erlösen des Holzverkaufs nicht zu decken sind. „Hier ist es notwendig, dass Wald jetzt und in Zukunft aktiv bewirtschaftet wird. Nur so kann die größte natürliche CO2-Senke Wald für die Zukunft gesichert werden“, erklärt Hans-Georg von der Marwitz.

Auf den Punkt bringt es der Vorsitzende der Familienbetriebe Land und Forst, Max v. Elverfeldt: „Kurz gesagt: Wir müssen den Wald nutzen, damit er uns allen nachhaltig nützt.“ Die Familienbetriebe Land und Forst haben bereits in der Vergangenheit einen Mindestlohn für den Wald gefordert. Orientieren soll sich dieser an dem CO2-Preis von 25 Euro pro Tonne Kohlendioxid. Pro Jahr und Hektar würde die Honorierung 112,50 Euro betragen. Umgerechnet auf den Baumbestand entspricht das einem Mindestlohn von rund 1,5 Cent pro Baum im Jahr.

WWF: Neue Regierung soll es besser machen

Kritik kommt indes vom WWF Deutschland. Er wirft Klöckner vor, „echten Fortschritt torpediert“ zu haben, wo immer sie konnte. Dem WWF fehlt ihm Gutachten eine kritische Auseinandersetzung mit den „desaströsen Folgen der aktuell immer noch vielfach praktizierten nicht-nachhaltigen Waldwirtschaft.“

Dr. Susanne Winter, WWF-Programmleiterin Wald, sieht in Klöckners Waldstrategie 2050 entscheidende Mängel. „Fördergelder sollen weiter vor allem nach dem Prinzip der Gießkanne verteilt werden, statt gezielt den Umbau zu einer naturnahen Waldbewirtschaftung voranzutreiben“, so Winter. Dafür bedürfe es gesetzlich geregelter ökologischer Mindeststandards. Eine Förderung für Waldbewirtschafterinnen und -bewirtschafter dürfe es nur geben für Leistungen, die darüber hinausgehen.

„Es kommt nun darauf an, dass die nächste Bundesregierung es besser macht“, hofft Winter.