Klimaschutzgesetz

Wald: Holzindustrie befürchtet Nutzungsverbote

Klimawandel
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Montag, 21.06.2021 - 15:37

Nach den aktuellen Vorschlägen im Klimaschutzgesetz müsste der Agrar- und Forstsektor deutlich mehr Kohlendioxid aufnehmen als abgeben.

Berlin - Der Entwurf der Bundesregierung für ein erstes Gesetz zur Änderung des Klimaschutzgesetzes ist am heutigen Montag Inhalt einer öffentlichen Anhörung des Umweltausschusses im Bundestag. Nach den neuen Zielvorgaben müsste der Sektor Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft (LULUCF) bis zum Jahr 2040 rund 55 Millionen Tonnen Treibhausgase kompensieren, also in Summe mehr Kohlenstoff aufnehmen als abgeben.

Seitens der Holzwirtschaft sind diese Ziele auch bei besonderen Anstrengungen nicht realistisch. „Innerhalb des Sektors trägt die Hauptlast für diese „Senke“ der Wald. Wenn die Vorgabe für die Bindungsleistung des Sektors deutlich erhöht wird, bleibt der Politik faktisch kein anderer Weg, als den Aufbau von Kohlenstoff im Wald zu steigern, indem auf Waldnutzung verzichtet und der Vorrat erhöht wird,“ kommentiert Leonhard Nossol, Präsident der AG Rohholz.

Holzindustrie erachtet Nutzungsverbote als kontraproduktiv

Nutzungsverbote sind aus Sicht der AGR für den Klimaschutz kontraproduktiv und stehen im Widerspruch zu weiteren klimaschutzpolitischen Maßnahmen wie dem Klimaschutzprogramm 2030 der Bundesregierung oder der Bundeswaldstrategie. „Holz ist der Grundpfeiler für die Bioökonomie, in die man die deutsche Wirtschaft transformieren möchte. Indem man dem Sektor nun aus vorgeblichen Klimaschutzgründen die Rohstoffgrundlage kappt oder ins Ausland verlagert, wird das Ziel ad absurdum geführt,“ ergänzt Lukas Freise, Geschäftsführer der AGR.

Sinnvoll wäre es aus Sicht der AGR durch gezielte Maßnahmen die Rohstoffverfügbarkeit von Holz zu sichern. Hier sollte etwa der Waldumbau aktiv unterstützt und die vorhandenen Rohstoffmengen mobilisiert werden. Die viel diskutierte Vergütung von Ökosystemdienstleistungen des Waldes müss an Bewirtschaftungsleistungen der Waldeigentümer gekoppelt werden.

Speziell die Substitutionsleistung, also die Einsparung von Treibhausgasen durch den Ersatz energieintensiverer Materialien mit Holz, würde sonst leiden: „Diese ist bisher im KSG nicht berücksichtigt, bildet jedoch einen Grundpfeiler des aktiven Klimaschutzes. Die Bilanz anderer Sektoren, etwa der Bauwirtschaft, würde in Zukunft mit weniger Holzeinsatz deutlich schlechter ausfallen,“ so Freise weiter.

Aus Sicht der AG Rohholz muss deshalb das Klimaschutzgesetz in Bezug auf seine Auswirkungen auf die Forst- und Holzwirtschaft deutlich angepasst werden.