Wahlverhalten

Wahlprognose: FDP zieht bei Bauern an CDU/CSU vorbei

Whlen 2021
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Montag, 19.04.2021 - 10:34

CDU und CSU haben in der Koalitionsregierung mit der SPD kräftig Federn gelassen. Das zeigt eine aktuelle agri EXPERTS-Umfrage.

Bundestag

Die Zeiten, in denen die Bauern ihr Kreuzchen routinemäßig in den Kreis vor der CDU/CSU gemacht haben, scheinen Geschichte zu sein. Eine aktuelle Umfrage von agri EXPERTS zur Bundestagswahl im September 2021 zeigt, aktuell würden nur noch 18 Prozent der Landwirte CDU/CSU wählen. Deutlich vorne liegt mit 24 Prozent hingegen die FDP. Das ist ein Paukenschlag und erinnert etwas an die Zeit des Bayern Josef Ertl aus der FDP, der das Amt des Landwirtschaftsministers 1969 bis 1983 ausübte. Aber selbst damals kamen die Liberalen nicht an den Konservativen vorbei. 2013 hatten noch 54 Prozent der deutschen Landwirte bei der Umfrage durch agri EXPERTS ihre Stimme der CDU/CSU gegeben.

An der Befragung nahmen zwischen 29. Januar und 28. Februar 2021 rund 1.000 Landwirtinnen und Landwirte teil. Die Aussagen gelten auf Bundesebene. Für Bayern sind sie damit eher als Trend anzusehen, die konkreten Zahlen dürften anders ausfallen.

Insektenschutzgesetz schlägt stark ins Kontor

Auffallend dabei ist, dass die CDU/CSU in der Gunst der Wähler noch vorne lag, bis das Bundeskabinett am 10. Februar das Insektenschutzpaket beschlossen hat. Erst danach hat die FPD viele Stimmen dazugewonnen und die Union vom Spitzenplatz verdrängt.

Insgesamt haben die Liberalen bei den Landwirten ihre Stimmenvolumen nahezu verdoppelt. Gegenüber der letzten Bundestagswahl schlägt ein Plus von 11 Prozentpunkten zu Buche.

Grüne legen nur geringfügig zu

Ökobetriebe

Für etwas Erstaunen sorgt das Abschneiden der Grünen in der Umfrage. Nur sechs Prozent der teilnehmenden Landwirte würden auf die Frage "Wen würden Sie wählen, wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre?" mit die Grünen antworten. Das sind zwar 2 Prozentpunkte mehr als vor 5 Jahren, in Anbetracht des wachsenden Ökolandbaus doch etwas unter den Erwartungen.

Nach Zahlen des Thünen-Instituts gab es Ende 2019 in Deutschland offiziell 34.110 ökologisch wirtschaftende Betriebe mit einer Gesamtfläche von 1.613.834 Hektar Fläche. Dies entspricht 12,9 Prozent der Betriebe bzw. 9,7 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche. Die Entwicklung lässt sich in der nebenstehenden Grafik nachvollziehen. Aus dem Umfrageergebnis leitet sich damit aus: Selbst bei den Ökobetrieben sind die Grünen nicht der unangefochtene Favorit.

Das stützt die klassische Theorie, dass die Grünen zwar viel vom Land reden, die Politiker selbst und ihre Wähler aber aus der Stadt kommen. Auch Wahlanalysen zu den jüngsten Wahlen in Baden-Württemberg legen dies nahe: Es fanden sich überproportional urbane Akademiker fortgeschrittenen Alters in der Wählerschaft.

Viele Unentschlossene als Hinweis auf mangelndes Vertrauen

Ablehnung

Der SPD, würden laut agri EXPERTS nur ein Prozent der Landwirte ihre Stimme geben. Gut, das Verhältnis was nie allzu innig ausgeprägt, aber es scheint nun doch auf einem absoluten Tiefpunkt angekommen zu sein. Der häufigste Namen, der auf den Protestschildern der Bauern zu lesen war, dürfte wohl Schulze lauten. Die zahlreichen Schuldzuweisungen der Umweltministerin an die Landwirtschaft hat Spuren hinterlassen. Themen wie den Umbau der Nutztierhaltung oder die stärkere Förderung des Ökolandbaus, welche für Grüne und SPD wichtige Anliegen sind, sehen nur 5 % der Landwirte als bedeutende politische Aufgaben.

In der Gunst der Landwirte verloren hat seit der letzten Bundestagswahl hat laut agri EXPERTS die AfD. Sie würden noch 14 Prozent der Bäuerinnen und Bauer wählen. Um drei Prozentpunkte verbessert haben sich hingegen sonstige Parteien und der Anteil der noch unentschlossenen Landwirte. Weitere sieben Prozent der Umfrageteilnehmer wollten zur Sonntagsfrage keine Angabe machen.

Insbesondere durch die vielen Unentschlossenen lag der Anteil derjenigen, die bei dieser Frage keine Partei angegeben haben, bei ganzen 37 Prozent. So wie es aussieht, gibt es für viele Bauern gegenwärtig keine politische Heimat.

Die Umfrage wurde im Auftrag von agrarheute.com erstellt.