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Baurecht

Vorrang für Tierwohlställe gefordert

Josef koch
Josef Koch
am Freitag, 17.12.2021 - 06:00

Breites Bündnis aus Agrar- und Lebensmittelbranche verlangt praxisgerechte Lösungen beim Bau von Tierwohlställen.

Tierwohlstall_in_Bau-Stallbau

Die Agrar- und Lebensmittelbranche erhöht den Druck auf die neue Ampel-Regierung, Stallneu- und -umbauten flächendeckend zu ermöglichen und bau- sowie immissionsrechtliche Hürden zu beseitigen. Mit dieser Forderung haben sich der Deutsche Bauernverband (DBV), der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG), der Deutsche Raiffeisenverband (DRV), der in der Initiative Tierwohl engagierte Lebensmitteleinzelhandel und die Initiative Tierwohl (ITW) an die neue Bundesregierung gerichtet. Die Organisationen fordern eine nachhaltige politische Lösung des Zielkonflikts zwischen Klimaschutz, Immissionsschutz und Tierwohl durch ein klares und nachhaltiges Bekenntnis der Politik für das Tierwohl.

Im Koalitionsvertrag der Ampel-Koalition heißt es „Wir wollen die Emissionen aus Ammoniak und Methan unter Berücksichtigung des Tierwohls deutlich mindern. Die Landwirte sollen auf dem Weg zur Klimaneutralität im Rahmen des Umbaus der Nutztierhaltung unterstützt werden.“ DBV, ZDG, DRV und der LEH in der ITW fordern diese Unterstützung der Landwirtschaft nun dringend ein. Denn die Landwirtschaft darf nicht im Zielkonflikt zwischen Klimaschutz und Tierwohl zerrieben werden.

Hätte Olaf Scholz in seiner Regierungserklärung mehr und positivere Aussagen zur Landwirtschaft treffen sollen?

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Ampel muss sich zum Tierwohlvorrang bekennen

„Verbraucher, Gesellschaft und Marktpartner fordern mehr Tierwohl, die Landwirte wollen das umsetzen“, erklärt Bernhard Krüsken, Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes (DBV). „In der ITW engagieren sich bereits über 10.000 Landwirtinnen und Landwirte für mehr Tierwohl. Die Politik muss endlich den Rahmen anpassen, damit diese Entwicklungen weitergetrieben werden können“. Die Ampel-Koalition sei in der Verantwortung. Es brauche ein klares Bekenntnis zum Tierwohlvorrang.

„Die Geflügelwirtschaft steht in den Startlöchern“, setzt Stefan Teepker, ZDG-Vizepräsident und Vorsitzender des Bundesverbandes bäuerlicher Hähnchenerzeuger e.V. hinzu. „Aber wir brauchen die Möglichkeit, Ställe mit Außenklimakontakt auf breiter Ebene umzusetzen. Hierzu müssen immissionsrechtliche Hürden verschwinden. Die Politik muss jetzt liefern.“

Handel fordert Außenklimaställe

„Wir starten hier nicht bei Null. Damit es aber weitergehen kann, brauchen die Betriebe Planungssicherheit – insbesondere bei der Finanzierung neuer Tierwohl-Ställe. Auch hier muss die Politik zeitnah Farbe bekennen,“ sagt Hauptgeschäftsführer des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV) Dr. Henning Ehlers.“ 

„Mit der Haltungsform-Kennzeichnung hat der Lebensmitteleinzelhandel ein System geschaffen, das Verbraucherinnen und Verbrauchern eine schnelle Orientierung beim Einkauf ermöglicht“, erklärt Franz-Martin Rausch vom Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels e.V. (BVLH). „Daran lassen wir uns messen. Damit der Handel aber auch in den höheren Stufen 3 und 4 mehr Ware anbieten könne, müsse die Politik die Hürden für Erzeuger abbauen. Der Handelsvertreter fordert, dass Ställe mit Außenklima grundsätzlich jederzeit ermöglicht werden müssen.

Nach Auffassung von ITW-Geschäftsführer Robert Römer sind Kannibalisierungseffekte zwischen staatlichen Lösungen und dem breitenwirksamen Engagement der Wirtschaft unbedingt zu vermeiden. Er bietet der Politik den Dialog und ihre aktive Unterstützung bei der Weiterentwicklung des Tierwohls in Deutschland und Europa an. Schließlich strebt die Ampel für den Umbau der Tierhaltung an, ein System an, das durch Marktteilnehmer finanziell getragen wird.

Landfrauen verlangen schnelles Handel von der Ampel

Auch der Deutsche LandFrauenverband (dlv) hat dazu in seinem neuen Positionspapier „Zukunft der Nutztierhaltung in Deutschland: Chancen erkennen, Rahmen schaffen, Familienbetriebe stärken“ klare Forderungen an die Politik. Er erwartet, angesichts der prekären Situation der Tierhalter ein unverzügliches Haneln der neuen Bundesregierung.

Neue Haltungsformen erhöhen laut dlv noch mehr das Tierwohl. Sie steigerten damit bestenfalls auch die Wertschätzung tierischer Produkte und die Zahlungsbereitschaft der Verbraucherinnen und Verbraucher. Von der Verbraucherschaft erwartet der dlv ein klares Bekenntnis zur heimischen Landwirtschaft an der Ladentheke. Die LandFrauen machen sich in diesem Zusammenhang für ein 5D-basiertes (in Deutschland geboren, aufgezogen, gemästet, geschlachtet, verarbeitet) Fleischangebot im Lebensmitteleinzelhandel stark.

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