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Bedeutung der Landwirtschaft

Versorgung mit Nahrung und Energie sichern

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Sepp Kellerer
Sepp Kellerer
am Donnerstag, 31.03.2022 - 16:50

"Wir bieten ein Gesamtkonzept", sagt BBV-Präsident Walter Heidl im Wochenblatt-Interview. Es umfasst Nahrungsmittel, Energie, Klimaschutz und Biodiversität.

BBV-Präsident Walter Heidl hat beim Energiekonvent der Bayerischen Staatsregierung die Interessen der Land- und Forstwirtschaft vertreten. Wir sprachen mit ihm über seine Eindrücke und die Rolle der Bäuerinnen und Bauern.

Wochenblatt: Bundeswirtschaftsminister Habeck hat die Warnstufe für Erdgas ausgelöst, wie sieht es in Bayern aus?

Heidl: Auch beim Energiekonvent war Gas das große Thema. Sowohl in Bezug auf die Versorgung und die Verbrauchsmengen als auch in Bezug auf die Kosten ist es auch in Bayern eine ganz wesentliche Komponente.

Wochenblatt: Was konnten Sie beim Energiekonvent bewirken?

Heidl: Ich habe sehr viel Kopfnicken gesehen, als ich deutlich machte, dass man hier mehrere Bereiche sehen muss und dass es dabei Synergieeffekte gibt. Ich möchte hier als Beispiel die Erzeugung von Biokraftstoffen anführen. Da fällt als Koppelprodukt hochwertiges und gentechnikfreies Eiweißfutter an.

Wochenblatt: Was heißt das für die Rahmenbedingungen?

Heidl: Maßnahmen wie eine pauschale Flächenstilllegung sind ein Griff in die Mottenkiste und total kontraproduktiv. Ähnliches gilt für pauschale Begrenzungen bei der Düngung oder beim Pflanzenschutz. Ich habe kein Problem mit einer auf den Pflanzenbedarf ausgerichteten Düngung, aber eine Begrenzung auf 80 Prozent des Bedarfs kostet Ertrag und Qualität. Ich habe kein Problem mit dem integrierten Pflanzenschutz, aber pauschale Vorgaben zu einer Reduzierung machen keinen Sinn.

Wochenblatt: Wo liegt das Potenzial der Landwirtschaft?

Heidl: Wir können Substrat liefern für große Biogasanlagen, die das Gas direkt einspeisen. Wir brauchen aber auch die kleineren Anlagen für den Strom, häufig unter Einbeziehung von Gülle. In der Kombination können wir auch die Umwelt sichern und die Biodiversität gewährleisten. Wir werten die Gülle auf, wir können Landschaftspflegematerial verwerten und wir haben inzwischen eine breite Palette an Substratpflanzen, Stichwort durchwachsene Silphie. Außerdem ist Biomasse speicherbar. Wir können auch bei Nacht und Windstille Strom liefern. Dieser Strom sollte also auch mehr wert sein. Und immer mehr Biogasanlagen bieten auch Wärmekonzepte für Dritte an.

Wochenblatt: Wie sehen Sie PV?

Heidl: Ganz klar: An erster Stelle stehen die Dachanlagen und hier brauchen wir verbesserte Förderung, weil der Aufwand höher ist. Dann gibt es viele schon versiegelte Flächen wie etwa Parkplätze, die sich für PV eignen. Agri-PV ist ebenfalls eine Option, aber da braucht es noch Fortschritte. Bei Freiflächenanlagen müssen agrarstrukturelle Belange und eine sinnvolle Verteilung berücksichtigt werden. Und wenn die Anlagen zum Beispiel in einer Genossenschaft betrieben werden, bleibt die Wertschöpfung und die Gewerbesteuer in der Region.

Wochenblatt: Was braucht die Landwirtschaft jetzt?

Heidl: Wir brauchen Rahmenbedingungen, die uns unter den individuellen Gegebenheiten des einzelnen Betriebes, das erfolgreiche Wirtschaften ermöglichen. Und wir brauchen pragmatische Sichtweisen, keine Ideologien.

Wochenblatt: Also wieder volle Pulle in der Produktion?

Heidl: Wir haben eine Vielfalt an Aufgaben und jeder organisiert sich, so wie er es für richtig hält. Es ist aber nicht die Zeit, die Ellbogen auszufahren. Wir können jetzt der Gesellschaft unsere Stärke beweisen: Wir sind in der Lage, Synergien zu schaffen zwischen Nahrungsmittelerzeugung, Tierhaltung, Energieproduktion und Biodiversität. Wir können mit dieser Bandbreite das Image in der Gesellschaft positiv gestalten.