Preiskrise

Verbände-Allianz fordert mehr als Good-Will-Aktionen

Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Samstag, 12.12.2020 - 05:22

Die Teilnehmer des Milchdialogs streben eine marktwirtschaftliche Lösung mit dauerhaft höheren Preisen an.

Dringend notwendige, schnelle Lösungen dürfen aus Sicht der Teilnehmer des Milchdialogs nicht dazu verleiten, sich mit Almosen, Geschenken und so genannten Good-Will-Aktionen abspeisen zu lassen. Auch die kurzfristig notwendige Liquiditätssteigerung, die die Betriebe benötigen, um die nächsten Monate zu überstehen, müsse über eine kurzfristige Erhöhung der Markterlöse der Erzeuger auf die Betriebe kommen. Dafür brauche es nicht nur Initiative vom LEH, sondern genauso auch von den Verarbeitern.

Erzeugerpreise mit angemessener Entlohnung

Auszahlungspreise

Eine ständige Bettelhaltung der Landwirtschaft ist für die Teilnehmer des Milchdialogs unerträglich, um nur das zu erhalten, was ganz selbstverständlich über den Markt erwirtschaftet werden können sollte: Erzeugerpreise, die eine angemessene Entlohnung für die hergestellten Lebensmittel und eine zukunftsfähige Weiterentwicklung der landwirtschaftlichen Betriebe zulassen. Vorschläge wie die Einrichtung von Fonds für die Landwirtschaft, eines Deutschland-Bonus, Lösungen über Abgaben bzw. Zuschläge oder ähnliche Konstrukte unterstützen die Teilnehmer des Milchdialogs daher nicht.

Als Begründung führen die Teilnehmer an, dass all diese nicht marktwirtschaftlich begründbar sind. Derartige Lösungsansätze würden die Abhängigkeit der Landwirte vom Wohlwollen derjenigen, die die Fonds auflegen und bedienen, erhöhen und würden nicht selten an ein gewisses „Wohlverhalten“ der Landwirte gebunden. Die ohnehin schwache Marktstellung der Primärstufe werde dadurch eher geschwächt als gestärkt. Wenn mittel- und längerfristig höhere Erzeugerpreise möglich werden sollen, müsse die Marktstellung der Erzeuger aber gerade gestärkt statt geschwächt werden.

Kurzfristige Abhilfen

Um kurzfristig mehr Geld auf die Betriebe zu bringen, halten die Teilnehmer des Milchdialogs vielmehr folgende Maßnahmen für nötig:

  • Der Lebensmitteleinzelhandel wird aufgefordert, die mit den Verarbeitern/Lieferanten bestehenden Kontrakte umgehend „aufzumachen“ und damit deutlichen Anhebungen der Kontraktpreise durch die Verarbeiter den Weg zu bereiten.
  • Von den Verarbeitungsbetrieben erwarten die Bäuerinnen und Bauern eine deutliche Erhöhung ihrer Abgabepreise an den LEH.
  • Höhere Erlöse, die beim LEH zu generieren sind, müssen eins zu eins über eine Anhebung des Erzeugerpreises an die landwirtschaftlichen Betriebe weitergegeben werden. Um die Kosten einigermaßen decken zu können, fordern die Teilnehmer
    • eine Anhebung der Erzeugerpreise für Milch um mind. 15 Cent/kg,
    • für Schlachtschweine um mind. 50 Cent/kg,
    • für Schlachtrinder um mind. 1 €/kg,
    • für Schlachtgeflügel um mind. 20 Cent/kg
    • sowie Preisanhebungen auch für alle weiteren Produkte.