Richtung fehlt

Veränderung - ja, aber wohin?

Bürokratie
Sepp Kellerer Portrait 2019
Sepp Kellerer
am Donnerstag, 19.09.2019 - 10:24

Eine Stimme sagte zu mir, lächle und sei froh, es könnte schlimmer kommen. Und ich lächelte und war froh und es kam schlimmer.

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Ein sarkastischer Spruch, den man immer wieder in einem Kalender liest oder auf einem Dekoschild findet und über den man schmunzeln könnte. Die Landwirtschaft kann über diesen Spruch derzeit sicher nicht schmunzeln, denn er ist für sie Fakt.

Eine Hiobsbotschaft nach der anderen prasselt auf die Betriebe ein und man weiß nicht, aus welcher Ecke die nächste kommt. Mercosur-Abkommen, Insektenschutzprogramm, Düngeverordnung, Vorzeugnisse …, die Liste ließe sich fast endlos fortführen, aber das möchte ich Ihnen ersparen. Hubertus Paetow, Präsident der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft, kommt zu dem Schluss, dass die Landwirtschaft vor radikalen Veränderungen steht. Das allein würde die Bäuerinnen und Bauern noch nicht zur Verzweiflung bringen, die Landwirtschaft hat schon immer Veränderungen angenommen und gemeistert, wenn klar war, wohin die Richtung gehen soll.

Genau das aber, eine klare auf Fakten und Erkenntnissen basierte Richtung, das fehlt in den aktuellen Irrungen und Wirrungen. So stellt Paetow fest, der Weltklimarat habe in seinem Bericht eine nachhaltige Intensivierung der Landwirtschaft als erfolgversprechende Strategie dargestellt. Die deutschen Medien dagegen hätten – möglicherweise beeinflusst durch kampagnenstarke Interessengruppen in unserer Gesellschaft – aus dem Bericht ganz andere Folgerungen getroffen, nämlich Extensivierung, Ökolandbau und weniger Fleischkonsum.

Nun könnte man ganz einfach sagen, egal, wenn die Gesellschaft das so will, dann machen wir das so. Problem: Stimmungen, Gesellschaftstrends, der sogenannte Mainstream können im Gegensatz zu Fakten ganz schnell und ganz radikal kippen und es gibt niemand, der dafür irgendeine Verantwortung übernimmt.

Der Weg aus diesem Dilemma, ist lang und steinig. Es braucht die Einsicht, dass wir unsere Produktion intensiv auf ihre wirklichen Schwachstellen untersuchen müssen, es braucht die Kreativität, um mit neuen Lösungen diese Schwachstellen zu beseitigen, es braucht die Ausdauer, eine effiziente und nachhaltige Landwirtschaft wieder positiv zu besetzen und der Gesellschaft nahezubringen, es braucht den Mut die Herausforderung anzupacken und es braucht das Vertrauen auf ein Licht am Ende des Tunnels.