EU-Agrarreform

US-Agrarminister: Farm-to-Fork-Strategie ist sehr populistisch

Josef Koch
Josef Koch
am Montag, 12.10.2020 - 08:00

US-Agrarminister Perdue sieht die Farm-to-Fork Strategie der EU als sehr populistisch. Vor dem Hintergrund einer wachsenden Weltbevölkerung sei sie nicht zu vertreten.

Perdue_Sonny_US-Agrarminister

Scharfe Kritik an der Farm-to-Fork-Strategie der EU-Kommission hat US-Landwirtschaftsminister Sonny
Perdue geübt. Nach Auffassung des Republikaners wird das Brüsseler Vorhaben von Washington gerade
im Hinblick auf die Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln äußerst skeptisch gesehen. Perdue betonte, dass eine „aufgezwungene“ Extensivierung der Landwirtschaft, wie sie in der Farm-to-Fork-Strategie geplant sei, vor dem Hintergrund eines weltweiten Bevölkerungsanstiegs bis 2050 auf rund 10 Milliarden Menschen nicht zu vertreten sei.

Würde die gesamte Welt nach den eher „innovationshemmenden“ Regeln dieser Strategie wirtschaften, würden sich vorläufigen Berechnungen seines Ministeriums zufolge die Lebensmittelpreise zeitnah verdoppeln, erklärte Perdue. Auch die Anzahl hungernder Menschen würde dann drastisch steigen. Ohnehin sei zu erwarten, dass aufgrund zunehmender Wetterkapriolen, wie beispielsweise zunehmender Trockenheit, die  Nahrungsmittelerzeugung unter Druck gerate.

Der Minister berichtete, dass er die EU-Kommission über diese Bedenken unterrichtet habe. Die ihm aus Brüssel übermittelte Antwort, wonach der Wille der europäischen Bevölkerung verfolgt werde, sei eine „sehr populistische Perspektive“.

Verbraucher sollen sich frei entscheiden können

Perdue unterstrich zudem, dass zwar jeder Staat oder jede Vereinigung das Recht habe hinsichtlich ihrer Lebensmittelerzeugung ihre eigenen Regeln festzulegen. Dies machten die Vereinigten Staaten genauso wie die EU. „Extrem problematisch“ werde es allerdings, wenn versucht werde, die Auflagen auf den internationalen Handel zu übertragen, warnte der US-Landwirtschaftsminister.

Nach seiner Auffassung gründen sich die in der Farm-to-Fork-Strategie wiedergegebenen Vorgaben eher auf subjektiven als auf tatsächlichen Fragen zur Lebensmittelsicherheit. Des Weiteren betonte der Agrarminister, dass die Verbraucher in Europa über ihre Nachfrage entscheiden können sollten, welche Produkte sie bevorzugten - nicht über staatliche Vorgaben. Sollten die Menschen in der EU also US-Produkte beim Einkauf ablehnen, werde man dies akzeptieren.

Handelsabkommen mit Großbritannien schnell möglich

Hoffnungsvoll sei er im Hinblick auf ein Post-Brexit-Abkommen mit dem Vereinigten Königreich, führte Perdue weiter aus. Er sei zuversichtlich, dass es gelingen werde, mit London schnell ein Einvernehmen über die Produktionsstandards von Lebensmitteln zu erzielen. Gerade in den vergangenen Jahren seien hier viele EU-Regeln wenig hilfreich gewesen, konstatierte der US-Agrarminister.

Auf Nachfrage, ob er die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, die Handelsbeziehungen mit Russland stärken zu wollen, auch im Hinblick auf den Agrarhandel teile, erklärte Perdue, dass er mit seinem  Regierungschef bisher noch nicht über derartige Vorhaben gesprochen habe. Der Handel mit Russland sei mehr als begrenzt. Viel intensiver seien die Beziehungen mit der Europäischen Union, dem Vereinigten Königreich sowie mit dem südostasiatischen Raum.

Mit Material von AgE