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Bundestag

Umweltausschuss will Wildtierhandel stärker kontrollieren

Eidechse
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Dienstag, 22.12.2020 - 08:04

Der Ausschuss hat sich mehrheitlich für einen besseren Schutz von Wildtieren und stärkere Kontrollen von Wildtierbörsen ausgesprochen.

Berlin - Der Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit hat sich mehrheitlich für einen besseren Schutz von Wildtieren und stärkere Kontrollen von Wildtierbörsen ausgesprochen. Er nahm am 16.12. mit den Stimmen der Fraktionen von CDU/CSU, SPD und Die Linke einen entsprechenden Antrag der Koalitionsfraktionen (19/24645) an. Die AfD stimmte dagegen, während sich FDP und Bündnis 90/Die Grünen enthielten. Keine Zustimmung fanden Anträge zum Thema Wildtierschutz der Fraktionen FDP (19/24593), Die Linke (19/20551) und Bündnis 90/Die Grünen (19/24435).

Verbindliche Mindeststandards für Wildtierbörsen

Die Koalitionsfraktionen fordern in ihrem Antrag die Bundesregierung auf, in Zusammenarbeit mit den Ländern verbindliche Mindeststandards für die Durchführung von Wildtierbörsen zu definieren. So sollen der Verkauf von Wildfängen verboten werden und ein zentrales Tierbörsenregister mit Anbieterverzeichnis eingeführt werden. Außerdem wollen die Koalitionsfraktionen für das Personal im Zoofachhandel einen verpflichtenden Sachkundenachweis einführen und den Verkauf von Wildfängen im Onlinehandel unterbinden.

In der Diskussion griff ein Vertreter der CDU/CSU-Fraktion Aspekte auf, die in der Plenardebatte am 26. November 2020 zum Thema Wildtierhandel vorgebracht worden waren. Das Argument der AfD, Hobbyzüchter würden zu stark eingeschränkt, treffe nicht zu, da längst nicht alle Reptilien geschützt seien. Ein Vertreter der AfD bekräftigte die Ablehnung aller vier Anträge durch seine Fraktion. Drei der Anträge definierten nicht einmal, was genau unter Wildtieren zu verstehen sei. Außerdem trügen auch private Züchter zum Erhalt der Artenvielfalt bei.

Meinungen der Parteien gehen auseinander

Eine Vertreterin der FDP sprach sich gegen ein pauschales Verbot des Handels mit Wildfängen aus, da es auch nachhaltige Wildfänge gebe. Grundsätzlich handle es sich um ein vielschichtiges Problem, und in allen vier Anträgen fänden sich gute Punkte. Den Blick auf Zoonosen - also Infektionskrankheiten, die von Tieren auf Menschen übertragen werden - richtete ein Vertreter der SPD. Diese hätten damit zu tun, "dass der Mensch der Natur zu sehr auf die Pelle rückt".

Ein Vertreter der Linksfraktion begrüßte den Antrag der Koalition, sprach sich darüber hinaus aber dafür aus, ein Moratorium für den Wildtierhandel zu beschließen. Eine Vertreterin von Bündnis 90/Die Grünen bezeichnete den Koalitionsantrag zwar als Fortschritt, kritisierte aber, er lasse die Frage der Epidemien unberücksichtigt. Es gehe nicht nur um Artenschutz, sondern auch um Zoonosen. "Naturschutz ist auch Gesundheitsschutz", sagte sie.