Bundestagswahl 2021

Umwelt- und Ökoverbände puschen Abgabe auf Pflanzenschutzmittel

Josef Koch
Josef Koch
am Dienstag, 24.08.2021 - 12:28

Organisationen wollen vor der Bundestagswahl den Druck auf Parteien erhöhen. Einige fordern gar Verbot bis 2035.

Pflanzenschutz-Lagerung

Umwelt- und Ökoanbauverbände machen vor der Bundestagswahl Druck auf die Parteien, damit sie den Einsatz von Pflanzenschutzmittel verringern oder gar bis 2035 verbieten. Dazu plädieren sie für eine Abgabe auf Pflanzenschutzmittel. Zumindest bei Bündnis90/Die Grünen stoßen sie damit auf offene Ohren.

Während Bioland e.V. eine deutliche Reduzierung des Einsatzes von chemisch-synthetischen verlangt, fordert ein Bündnis von mehr als 100 Bio-Unternehmen, Umweltorganisationen, Wasserwirtschaftsverbände und Wissenschaftler in einem offenen Brief an die Bundestagskandidatinnen und -kandidaten von CDU/CSU, SPD, Grüne, FDP und Linke den Ausstieg bis 2035.  Zu den Unterzeichnern des Briefes gehören neben dem Initiator, dem Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft, auch die Deutsche Umwelthilfe (DUH), das Umweltinstitut München, die Bio Company, Demeter, die Internationale Arbeitsgemeinschaft der Wasserwerke im Rheineinzugsgebiet (IAWR) und die Michael Succow Stiftung.

Mehr Ökolandbau und Neubewertung gefordert

Die Organisationen berufen sich dabei auf eine Studie des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ). Danach würde eine Pestizidabgabe den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln halbieren.

Auch der Ausbau des Ökolandbaus insgesamt schütze Umwelt und Arten vor den schädlichen chemisch-synthetischen Pestiziden, so Gerald Wehde, Gerald Wehde, Leiter Agrarpolitik bei Bioland. Zudem müsse die Politik das große Problem von abgedrifteten Pestiziden endlich angehen. Laut Wehde würde zudem das Erreichen des 25-Prozent-Ökolandbauziels der EU faktisch auch bedeuten, dass auf einem Viertel der Agrarfläche auf „chemisch-synthetische Pestizide“ verzichtet werde.

Nach Ansicht von Johannes Heimrath, Vorstandsmitglied des Bündnisses für eine enkeltaugliche Landwirtschaft, reicht das kürzlich beschlossene Insektenschutzgesetz bei weitem nicht aus. Besonders die sich nachweislich über die Luft weit verbreitenden Wirkstoffe Glyphosat, Pendimethalin, Prosulfocarb und Terbuthylazin müssen sofort neu bewertet werden, fordert er. „Bis sichere Ergebnisse vorliegen, sind für diese Pestizide strenge Risikominderungsmaßnahmen einzuleiten“, so Heimrath.

Konzentrationen zu gering für Bedrohung

Laut Umweltbundesamt bergen die in dieser Studie ermittelten Konzentrationen der Stoffe keine unmittelbare Gefahr für Tiere und Pflanzen, Sie lägen "ganz überwiegend deutlich unter dem, was wir im Nahbereich zulassen würden,“ so UBA-Präsident Messner. Laut Industrieverband Agrar (IVA) waren Funde  "offenbar selten" und die dabei nachgewiesenen Mengen "so minimal, dass sie für Mensch und Umwelt unbedenklich sind".