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Green Deal

Ukrainekrieg: Timmermans und Wojciechowski sind sich nicht einig

Josef koch
Josef Koch
am Dienstag, 08.03.2022 - 13:20

EU-Agrarkommissar hält Überprüfen der Green Deal-Ziele für nötig, Vizepräsident Timmermans widerspricht.

Timmermans-Green Deal

EU-Klimakommissar Frans Timmermans hält aufgrund des Ukrainekriegs eine schnelle Wende in der Energiepolitik für nötig und setzt überraschenderweise auch auf Biomethan. Diese Erneuerbare Energie hatte Timmermans bis vor kurzem eher als klimaschädlich eingestuft.

Bei der Agrarpolitik will er aber seine Meinung nicht ändern und an den Zielen der Farm-to-Fork-Strategie und Green Deal nicht rütteln. Damit widerspricht er jedoch seinem Agrarkollegen Janusz Wojciechowski. Dieser hatte in der vergangenen Woche beim Sonderagrarrat eine umgehende Überprüfung der Ziele des Green Deals gefordert.

Soll man agrarpolitische Themen wie Rote Gebiete oder Stilllegung mit dem Ukrainekrieg verknüpfen?

Choices

Keine Kehrtwende beim Green Deal

In der Talkrunde bei Anne Will am vergangenen Sontag (6.3.) hatte Timmermans Biomethan als wichtigen Bestandteil der Energiewende ausgemacht, neben Solar und Wind.

In einer Sondersitzung des Umweltausschusses im EU-Parlament hielt der EU-Vizepräsident jedoch an der Position des EU-Kommission zur Lebensmittelproduktion fest. Seiner Meinung nach ist es illusorisch, die Lebensmittelproduktion nicht langfristig nachhaltiger machen zu wollen. Timmermans beabsichtigt daher weiter, pauschalen den Einsatz von Pflanzenschutz- und Düngemittel verringern zu wollen.

Kritik von EU-Abgeordneten

Scharfe Kritik kommt von EU-Abgeordneten Alexander Bernhuber, Umweltsprecher der ÖVP im Europaparlament. „Die Zeiten haben sich geändert. Mit dem Ukraine-Krieg stehen wir nicht nur sicherheitspolitisch vor enormen Herausforderungen, sondern auch bei der Lebensmittelversorgung. Wir müssen die Lebensmittelproduktion in Europa maximieren und einen Teil zur globalen Ernährungssicherheit beitragen,“ forderte er. Seiner Einschätzung nach droht ein Komplettausfall der ukrainischen Ernte für dieses Jahr, da weder Saatgut, noch Dünger, Treibstoff und Feldarbeiter zur Verfügung stünden. 

Die Ukraine ist mit über 30 Millionen Hektar Ackerfläche Europas Kornkammer und eines der wichtigsten Getreide-Exportländer der Welt. Besonders nordafrikanische Staaten wie Ägypten oder Marokko sind auf die Importe von Weizen und Mais aus der Ukraine und Russland angewiesen. Die derzeit explodierenden Preise für Getreide am Weltmarkt und der Ausfall von wichtigen Lieferanten könnten laut Aussagen der WHO zu einer globalen Hungerkrise führen, wenn nicht rasch Maßnahmen getroffen werden.