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Versorgungssicherheit

Ukrainekrieg: Özdemir will Futterversorgung verbessern

Josef koch
Josef Koch
am Freitag, 11.03.2022 - 13:12

Aufwuchs auf Vorrangflächen für Verfütterung nutzbar. Erleichterung für Ökotierfütterung angekündigt. Details des Maßnahmenpakets.

Özdemir-Mikrofone-Brüssel

Angesichts der Auswirkungen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine hat Bundesagrarminister Cem Özdemir ein erstes Maßnahmenpaket auf den Weg gebracht, um Landwirten zu helfen. Zentrale Herausforderungen für die Landwirtschaft stellen seiner Ansicht nach derzeit vor allem die hohen Energiepreise und Engpässe auf dem Futtermittelmarkt dar.

Vor allem befürchtete Ausfälle bei den Getreideernten in der Ukraine sowie bei Lieferungen von Ölsaaten, Eiweißpflanzen und Getreide aus der Ukraine bereiten Sorgen. Özdemir betont indes, die Versorgung in Deutschland mit Lebensmitteln sei sichergestellt. „Wer anderes behauptet, handelt gegen die Fakten – und politisch verantwortungslos,“ warnt er. 

 

Glauben Sie, dass sich mit einem Verzicht auf Stilllegung und weiteren Extensivierungen Hungerkatastrophen im Nahen Osten und in afrikanischen Ländern vermeiden lassen?

Choices

Das sind die Details

Das sind die Inhalte des ersten Maßnahmenpakets:

  1.  Özdemir wird während der deutschen G7-Präsidentschaft dafür einsetzen, dass die Märkte offenbleiben und der globale Handel funktioniert, um weiteren Preissteigerungen für landwirtschaftliche Betriebe sowie Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland und weltweit entgegenzuwirken.
  2. Das BMEL will für 2022 als Ausnahmeregelung den Aufwuchs auf ökologischen Vorrangflächen der Kategorien „Brache“ und „Zwischenfrüchte“ als Futter freigeben. Der Flächenumfang lag dafür 2021 bei 1,06 Millionen Hektar Zwischenfrüchte-Flächen und 0,17 Millionen Hektar Brache.
  3. Der grüne Agrarminister will die bestehende Eiweißpflanzenstrategie ausbauen und finanziell stärken, um  das Angebot an regional erzeugten Futtermitteln und damit die Unabhängigkeit Deutschlands bei der Versorgung mit GVO-freien Eiweißfuttermitteln auszubauen.
  4. Ebenso kündigt das BMEL an, bestehende Programme zur Förderung von Energieeffizienz und Erneuerbaren Energien in der Landwirtschaft entbürokratisieren und attraktiver wie breiter bekannt machen, damit Geld besser bei den Betrieben ankommt. Nach Ministeriumsangaben stehen allein 2022 voraussichtlich 48 Millionen Euro bereit. Gefördert werden weitgehend technologieoffen Maßnahmen zur Energieeinsparung und Erzeugung erneuerbarer Energie zur Verwendung in der landwirtschaftlichen Produktion. Bei mobilen Maschinen werden Investitionen in alternative Antriebe gefördert (Elektro, Biomethan, Pflanzenöle).
  5. Darüber hinaus will sich Bundesagrarminister Özdemir auf EU-Ebene dafür einsetzen, pragmatisch und flexibel alle Möglichkeiten zu prüfen, weiterhin eine tiergerechte Fütterung in der ökologischen Tierhaltung zu ermöglichen. Seit diesem Jahr müssen Ökobauern ihre Tiere mit 100% ökologisch erzeugtem Futter versorgen. Durch den Ausfall von Ökofutter aus der Ukraine ist laut BMEL diese Vorgabe schwierig umzusetzen.
  6. Gleichzeitig will Deutschland die Diskussion über Krisenmaßnahmen der EU-Kommission („Maßnahmen gegen Marktstörungen“) konstruktiv und im Sinne einer zielgerichteten Unterstützung der betroffenen landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland begleiten.

 

Özdemir: Klimakrise nicht ausblenden

Özdemir warnt erneut davor, jetzt andere Krisen ausblenden, die schon heute für Hungersnöte auf der Welt sorgen. „Auch wenn manche das gerne ausblenden, Klimakatastrophe und Artensterben sind real existierende Probleme, die wir lösen müssen“, so der Bundesminister.

Alles, was man heute aufschiebe, räche sich morgen doppelt und dreifach. „Wem Nahrungssicherung wirklich ein Anliegen ist, der schützt die Ressourcen, die die Landwirtschaft braucht, um gut und ausreichend produzieren zu können“, appelliert der grüne Agrarminister.

DBV besorgt über explodierende Energie- und Dieselkosten

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, begrüßt die von Minister Özdemir auf den Weg gebrachten ersten Maßnahmen zur Unterstützung der Landwirtschaft. „Wir sehen in diesen Maßnahmen erste richtige Schritte zur Unterstützung unserer Betriebe.

Darüber hinaus ist der DBV, genauso wie die übrige Wirtschaft und das Transport- und Logistikgewerbe, ssehr besorgt wegen der explodierenden Energie- und Dieselkosten. "Hier müssen wir einen Weg finden, die Landwirtschaft zu entlasten", fordert Rukwied.

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