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Welternährung

Ukrainekrieg: Berlin rechnet mit deutlichen Ernteausfällen

Josef koch
Josef Koch
am Donnerstag, 14.04.2022 - 12:05

Über 300 Mio. Menschen von Ernährungsunsicherheit bedroht. Union fürchtet steigende Abhängigkeit vieler Länder von Russland.

Ukraine-Getreide-Flagge

Die Bundesregierung rechnet wegen des Krieges in der Ukraine mit deutlichen Ernteausfällen, insbesondere in den Weizenanbauregionen im Süden und Osten.

Allerdings ließen sich aufgrund der andauernden Kampfhandlungen und Verschiebung der Frontlinien die betroffenen Anbauflächen und die Ernteprognosen „nicht verlässlich“ beziffern, heißt es in der Antwort des Bundeslandwirtschaftsministerium auf eine Anfrage der CDU/CSU-Fraktion. Die Versorgung der ukrainischen Bevölkerung mit Lebensmitteln, zumindest in Gebieten ohne Kampfhandlungen, gelte aber als gesichert, so die parlamentarische Staatssekretärin Ophelia Nick.

In ihrer Antwort beziffert Nick die Ernteausfälle bei Weizen und Sonnenblumen auf rund ein Drittel im Vergleich zum Vorjahr, bei Mais könnte sich die Erntemenge sogar halbieren.

 

Sollen Getreide und Rapsöl daher kurzfristig nicht mehr zu Biokraftstoffen verarbeitet werden?

Auswahlmöglichkeiten

Stegemann: Bund verkennt Verschuldungsprobleme

Agrarsprecher Albert Stegemann, CDU/CSU-Fraktion, moniert, dass der Bund das Problem der zunehmenden Verschuldung vieler Entwicklungsländer durch steigende Lebensmittel- und Energiepreise aufgrund des Kriegs weiterhin verkenne.

Diese Verschuldungs-Spirale nimmt nach Ansicht des Agrarsprechers mit jedem Tag des Krieges weiter zu. Insbesondere für jene Länder, die selbst keine Rohstoffe exportieren und auf Importe von Nahrungsmitteln, Dünger oder Energieträgern angewiesen seien. Wenn diese Produkte dann noch aus Russland kommen, so der Unionspolitiker, werde dies zu einer steigenden politischen Abhängigkeit vieler Länder von Russland führen. „Aus geostrategischer Sicht muss Deutschland zusammen mit der EU, den USA und unseren Verbündeten hier dringend gegenhalten," fordert Stegemann.

In ihrer Antwort bezieht sich die Bundesregierung auf ukrainische Quellen und Angaben der Ernährungs- und Landwwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO). Danach kann die Frühlingsaussaat auf 70 bis 80 % der Ackerflächen erfolgen. Wegen Mangel an Treibstoff, Dünge- und Pflanzenschutzmittel ist aber mit geringeren Qualitäten und Erntemengen auf den Ackerflächen zu rechnen. Zudem bestünden Risiken durch Verminung und Munitionsrückständen.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium erwartet daher unmittelbare Folgen für die weltweite Ernährungssicherung, da die Ukraine bisher wichtiger Exporteur für Getreide, Ölsaaten und Düngemittel war. Nach ersten FAO-Prognosen sei mit einem Anstieg der Hungernden um bis zu 13 Mio. Menschen zu rechnen.

Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen geht laut BMEL sogar von 323 Mio. Menschen aus, die bis Ende 2022 von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen sind.

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