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Neujahrsempfang des Deutschen Bauernverbandes

Cem Özdemir: "Auch mein Gemüse braucht Tiere"

Cem Özdemir
Claudia Bockholt und Philipp Seitz
am Freitag, 20.01.2023 - 15:40

Der grüne Bundesagrarminister wird von vielen Landwirten kritisch beäugt. Auf der Grünen Woche in Berlin beklatschen sie sein Bekenntnis zur Tierhaltung.

Berlin - Bundesagrarminister Cem Özdemir hat bei den Landwirten bislang keinen leichten Stand. Beim Bauerntag 2022 wurde er nicht gefeiert. Immer wieder nimmt Özdemir die Landwirte als Mitverursacher der Treibhausemissionen mit in die Haftung. Und sehr viele Bauern werfen ihm vor, mit seiner Politik die Tierhaltung in Deutschland ins Abseits zu drängen.

Am Freitag, beim Neujahrsempfang des Deutschen Bauernverbands auf der Internationalen Grünen Woche, ist der Empfang nicht allzu herzlich - bis Özdemir sein ungewöhnlich klares Bekenntnis zur Tierhaltung abgibt. "Auch mein Gemüse braucht Tiere", sagte der Vegetarier. Der Bundesagrarminister isst bereits seit seiner Jugend kein Fleisch. Nach eigener Aussage ist er mit 17 Jahren Vegetarier geworden. 

Özdemir: Auch Gemüse braucht Tiere

Am Freitag also ganz andere Töne: "Kreislaufwirtschaft braucht Tierhaltung. Auch mein Gemüse braucht Tiere. Hier und da kann es auch noch mehr Tierhaltung geben, wo sie gebraucht wird. Ich will, dass Tierhaltung in Deutschland wirtschaftlich erfolgreich ist", sagte Özdemir vor rund 800 Gästen aus der Branche und aus der Politik. Inwiefern Özdemir seinen Worten politische Taten folgen lässt, wird sich zeigen. Die Landwirte klatschen, aber sie bleiben skeptisch.

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Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, blickte positiv nach vorne. Die Landwirtschaft sei eine Zukunftsbranche und werde von der Gesellschaft gebraucht. „Aber wir müssen auch gesellschaftliche Veränderungen erkennen und darauf reagieren. Nachhaltige Produktion ist zum Top-Thema in unseren Betrieben geworden“, stellte Rukwied fest. Jetzt brauche es innovative Landwirte, die die Betriebe in die Zukunft führten.

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir sagte den Gästen die Unterstützung zu, die Landwirtschaft für die Zukunft aufzustellen: "Landwirtschaft steht für Veränderung. Bäuerinnen und Bauern suchen nach Lösungen - und finden sie. Gerade in diesen Zeiten kommt es darauf an, Ernährungssicherheit und Klima- und Naturschutz permanent zusammendenken. Am Ende des Tages heißt das, tragfähige Kompromisse zu finden für Betriebe, Umwelt und Klima. Gemeinsam und pragmatisch die besten Lösungen für eine zukunftsfeste Landwirtschaft finden."

Grüner Bundesminister löste Diskussionen aus

Zuletzt war der grüne Bundesagrarminister immer wieder in die Kritik geraten. Sein Vorstoß, die Mehrwertsteuer auf Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte zu streichen, wurde von der CSU und den Freien Wählern in Bayern scharf kritisiert. Sogar von „Bevormundung“ war die Rede. Hier lesen Sie mehr zum Thema.