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Umstrittener TV-Auftritt

Nach TV-Show: Banken beenden Zusammenarbeit mit Hannes Jaenicke

Steht nach seinem umstrittenen TV-Show-Auftritt in der Kritik: Schauspieler Hannes Jaenicke beklagt einen Shitstorm in den sozialen Netzwerken. Nun gibt es für ihn weitere Konsequenzen.
Philipp Seitz
Philipp Seitz
am Freitag, 09.12.2022 - 15:23

Für den Schauspieler hat sein Auftritt in der Talkshow „3nach9“ weitreichende Konsequenzen. Eine Werbekampagne mit ihm wird gestoppt.

Düsseldorf/München – Mit seinen Aussagen zur Landwirtschaft in der NDR-Talkshow 3nach9 hat der Schauspieler Hannes Jaenicke für mächtig Wirbel gesorgt. Nun hat der Auftritt für den Schauspieler erste Konsequenzen: Die Volksbanken Raiffeisenbanken im Genossenschaftsverband – Verband der Regionen e.V. stoppen ihre Image-Kampagne mit dem 62-jährigen Schauspieler mit sofortiger Wirkung.

Begründet wird das in einer Pressemitteilung des Genossenschaftsverbandes mit den „pauschalisierenden und diffamierenden Aussagen zur Milchviehhaltung“. Mehr als 300 Banken sind in dem Genossenschaftsverband – Verband der Regionen zusammengeschlossen. Der Verband koordiniert unter anderem die übergeordneten Marketingaktivitäten für die Banken.

Bankenverband stoppt Imagekampagne mit Jaenicke

Wie ein Sprecher des Verbandes dem Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt am Freitag, 9. Dezember 2022, sagte, war der Schauspieler seit Mitte Oktober 2022 Testimonial, also Markenbotschafter, in einer Imagekampagne zum Thema Mitgliedschaft des Marketingfonds des Genossenschaftsverbandes. Das Mitwirken von Jaenicke sei vergütet worden. Zur Höhe der Summe, die Jaenicke hierfür kassiert hat, machte der Verband keine Angaben. Ingmar Rega, Vorstandsvorsitzender des Genossenschaftsverbandes, kritisierte die Aussagen von Hannes Jaenicke. „Wir stehen zu jeder Zeit an der Seite der Landwirtschaft und stellen uns klar gegen Aussagen in der Öffentlichkeit, die diesen wichtigen Berufsstand zu Unrecht einseitig und unreflektiert diffamieren“, wird er in einer Pressemitteilung des Verbandes zitiert.

Der Schauspieler war zuletzt auch bei Veranstaltungen von Volksbanken Raiffeisenbanken aufgetreten. Die Raiffeisenbank Main-Spessart veranstaltete etwa einen Mitgliederabend, bei dem Jaenicke auftrat. Auch im hessischen Marburg sprach Jaenicke als Gastredner bei einer Mitgliederversammlung der Bank. Wie es in der damaligen Pressemitteilung der Bank heißt, wolle Jaenicke nicht nur auf Missstände in Wirtschaft und Politik aufmerksam machen und die Schuldigen benennen. Er führe dem Publikum vor Augen, „was wir als Konsumenten dagegen tun können, welche Macht jeder Einzelne hat“.

Der Genossenschaftsverband – Verband der Regionen vertritt nach eigenen Angaben die Interessen von rund 2600 Mitgliedsunternehmen in 14 Bundesländern, die rund acht Millionen Mitglieder haben. Keine Mitglieder hierin sind die Genossenschafts-Dachverbände für Bayern und Baden-Württemberg. In Bayern besteht mit Hannes Jaenicke seitens des Dachverbandes keine Vereinbarung über eine Zusammenarbeit, sagte ein Sprecher.

Landwirte werfen Schauspieler Jaenicke Falschaussagen vor

In der Sendung sagte Jaenicke unter anderem: „Die Kuh muss ständig schwanger gehalten werden, um möglichst viel Milch zu produzieren. Das ist eine bestialische Art, ein Tier zu quälen.“ Milchkühe seien „eigentlich stehende Milchtanksäulen auf vier dünnen Beinen, meistens krank, ständig medikamentös behandelt und hochgezüchtet“. Die bayerische Milchprinzessin und Landwirtin Philomena Mögele sagte, sie sei über diese Äußerungen „schockiert“. Es handele sich um „heftigen Falschaussagen“. Landwirtin Theresa Singer aus Hofheim (Lks. Garmisch-Partenkirchen) kritisierte auch die Redaktion der 3nach9-Sendung: „Was mir zu denken gibt, ist die Tatsache, dass im öffentlich-rechtlichen Rundfunk solche erkennbaren Falschaussagen getätigt werden, ohne, dass die Moderation einschreitet, beziehungsweise diese richtig stellt.“

Radio Bremen veröffentlichte einen Ausschnitt der umstrittenen 3nach9-Sendung auf der Plattform YouTube. Hier sehen Sie das Video:

Auf Facebook veröffentlichte Jaenicke im Nachgang an die Sendung eine Videobotschaft. Wie er schrieb, habe es einen Shitstorm nach seinem Auftritt in der Sendung 3nach9 gegeben. Jaenicke betonte: „Da ich auf dem Land in Oberbayern lebe und jeden Tag sehe, was kleine Bauernbetriebe und Biobetriebe so leisten, kann ich nur sagen: Ich ziehe den Hut vor diesen Leuten.“ Er wolle explizit klarstellen, dass er mit seiner Kritik an der industriellen Massentierhaltung „eben nicht die kleinen Anbieter, die kleinen Züchter, die Biobauern meine“. Diese hätten „meine größte Sympathie“. Seine Kritik richte sich an die Großkonzerne. Wer ihn nun kritisiere, solle zunächst sein Buch lesen.

Sky du Mont und Judith Rakers entschuldigen sich

Deutlicher reagierten Schauspieler Sky du Mont und Moderatorin Judith Rakers, die sich jeweils entschuldigten. Sie kündigten an, jeweils einen landwirtschaftlichen Betrieb zu besuchen. Termine und Kontakte wurden nach Aussagen in den Sozialen Medien schon festgelegt. Judith Rakers überprüfe zudem eine zusätzliche redaktionelle Aufbereitung. Ihr Team beschäftige sich lautet ihrer Aussage mit dem Faktencheck und der Formatentwicklung.

Eine berechtigte Welle der Empörung bei den Landwirten brach los, kommentiert Wochenblatt-Chefredakteurin Claudia Bockholt das Thema. Die Schauspieler ebenso wie der öffentlich-rechtliche Sender entschuldigten sich – allerdings nur halbherzig. Den Kommentar zu der Talk-Show lesen Sie hier.

Hier sehen Sie die Stellungnahme von Hannes Jaenicke im sozialen Netzwerk Facebook: