Coronavirus

Trifft Corona in Tönniesbetrieb bayerische Bauern?

Schlachthof
Sepp Kellerer
Sepp Kellerer
am Donnerstag, 18.06.2020 - 17:11

Nach dem Corona-Shutdown des Schlachthofs Rheda Wiedenbrück rät BBV-Tierhaltungsrefernt Dr. Johann Ertl, mit Bedacht vorzugehen.

Mit Bedacht vorgehen, das gilt sowohl für die Schweinerzeuger wie auch für die Behörden, wenn es um den Shutdown beim Schlachthof Rheda Wiedenbrück geht. Das jedenfalls ist die Empfehlung von Dr. Johann Ertl, Referent für Tierhaltung und Tierschutz beim Bayerischen Bauernverband. Das Unternehmen Tönnies hatte den Betrieb im Kreis Gütersloh geschlossen, nachdem sich dort 657 Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert hatten.

Auch Auswirkungen für bayerische Betriebe?

Aus Bayerischer Sicht könnte man sich als Schweinehalter zunächst zurücklehnen, verfügt das Unternehmen Tönnies doch im Freistaat nur über wenige Schlachthaken. Andererseits gehen – vorwiegend aus Nordbayern – auch Schweine zu Tönnies-Betrieben in anderen Bundesländern.

Die bisher in Rheda-Wiedenbrück geschlachteten Tiere sollen auf andere Betriebe des Unternehmens aber auch auf andere Schlachtunternehmen verteilt werden. Ob und wie sich das in Bayern auswirkt, das lässt sich natürlich derzeit noch nicht zu 100 % sagen, aber die Chancen, dass die Situation ohne Marktverwerfungen gemeistert wird, stehen nicht schlecht. Am Mittwoch dieser Woche hatte die Schließung des Schlachthofes jedenfalls keine Auswirkung auf die Schlachtschweinenotierung.

Schlachtkapazitäten und Absatz vorhanden

Ertl verweist in dem Zusammenhang auch darauf, dass die Anlieferungen an Schlachtwochen seit einiger Zeit unter dem üblichen Niveau liegen, sodass sowohl freie Schlachtkapazitäten im Markt vorhanden sind als auch die Absatzmöglichkeiten vorhanden sein müssten. Der Lebensmittelhandel hat somit auch wenig Möglichkeiten, Druck auf die Preise bei seinen Lieferanten auszuüben. Die Schweinemäster haben also keinen Anlass, durch vorverlegte Schweineverkäufe den Druck auf dem Markt zu erhöhen.

Schlachtunternehmen in der Diskussion

In Rheda-Wiedenbrück sollten das Unternehmen und die Behörden daran arbeiten, dass der Schlachthof so bald wie möglich wieder geöffnet werden kann. Natürlich müssen dabei Gesundheit, Hygiene und die Sicherheit der Verbraucher an erster Stelle stehen. Aber wenn alle Beteiligten gut zusammenarbeiten, dann kann das in einer überschaubaren Zeit bewältigt werden. Bei der Bewältigung der Coronafälle in einem Geflügelschlachtbetrieb im bayerischen Bogen sei dies jedenfalls gelungen.

Ein Unwägbarkeitsfaktor bleibt allerdings schon: Die Coronafälle bei den Schlachtunternehmen werden natürlich in den Medien diskutiert. Der Druck auf die Branche wird damit sicherlich erhöht und wie sich das auf das Verhalten der Verbraucher auswirkt, das lässt sich schwer abschätzen.