Betriebskonzept

Was ist Trend und was nur Hype?

Sepp Kellerer
Sepp Kellerer
am Donnerstag, 17.09.2020 - 12:02

Die Landwirtschaft sieht sich mit vielen gesellschaftlichen Forderungen konfrontiert. Was wird davon bleiben?

Sepp Kellerer Chefredakteur

Schon immer hat sich die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft als Vordenker für die Zukunft der Landwirtschaft gesehen. Und schon immer haben die Thesen der DLG für Diskussionen und Widersprüche gesorgt. Das dürfte im Nachgang der heuer digital durchgeführten DLG-Unternehmertagung nicht anders sein. Dass der Zug in Richtung Biodiversität und Tierwohl abgefahren ist, daran wird kaum noch jemand zweifeln. Laut DLG-Präsident Hubertus Paetow muss man dabei aber genau unterscheiden, was ein stabiler Trend der Weiterentwicklung ist und wo parteitaktische Überlegungen einzelner Gruppen im Vordergrund stehen. Mit anderen Worten: Was ist Trend und was ist Hype?

Durchaus bemerkenswert, dass die DLG bei der Unternehmertagung auch eigene Fehleinschätzungen nicht verschwieg. „Es hat sich gezeigt, dass die Entwicklung der Landwirtschaft mit mehr Dimensionen verknüpft ist, als sich in Stückkosten, Erträgen und Tageszunahmen festmachen lässt“, so wird Paetow zitiert.

Die DLG hat fünf Punkte für eine Zukunftsvision der Deutschen Landwirtschaft identifiziert. Einen dieser Punkte möchte ich an dieser Stelle herausgreifen: Unternehmensziele der Landwirtschaft sind gleichermaßen Gewinnerzielung, ökologische Verträglichkeit, Tierwohl und gesellschaftliche Akzeptanz.

Wie kriegt man die vielen Ansprüche unter einen Hut

Ich könnte das sofort unterschreiben, wenn mir jemand schlüssig erklärt, wie das umzusetzen ist. Gewinnerzielung in der Landwirtschaft wird heute in Teilen der Gesellschaft gleichgesetzt mit Massentierhaltung und mit Agrarindustrie. Da die Akzeptanz für ein legitimes Wirtschaften auf den Betrieben zu bekommen wird schwer. Ökologische Verträglichkeit würde zum Beispiel eine extensive Weidewirtschaft bringen, sagt der Wissenschaftler Dr. Herbert Nickel. Aber ob die gesellschaftliche Akzeptanz ausreicht, um dafür 1700 Euro pro Hektar und Jahr auszugeben, da habe ich meine Zweifel.

Nein, ich spiele jetzt nicht darauf an, dass wer Visionen hat, zum Psychiater gehen sollte. Visionen sollen das Wünschenswerte in den Raum stellen und daraus muss dann das Machbare abgeleitet und umgesetzt werden. Über das Machbare sollte – nein eigentlich muss – es in der Landwirtschaft einen Konsens geben. Denn sonst haben Politik und interessierte Kreise leichtes Spiel: Wenn die paar Bauern schon nicht einig sind, was sie wollen, dann sagen wir ihnen halt, was sie zu tun haben.