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UBA-Bericht

Treibhausgase: Bauern senken Emissionen

Josef koch
Josef Koch
am Donnerstag, 27.01.2022 - 15:45

Umweltbundesamt legt finale Daten für 2020 vor. Schwächere Senkenleistung könnte für Probleme sorgen.

Bullenmast

Nach dem finalen Bericht des Umweltbundesamts (UBA) sind in der Landwirtschaft die Treibhausgasemissionen für 2020 leicht gegenüber dem Vorjahr um 1% auf 62,4 Mio. t CO₂-Äquivalente gesunken. Berücksichtigt sind dabei auch die Emissionen der Landwirte beim Verbrennen fossiler Energien. Laut UBA setzt sich der ⁠sinkende Trend⁠ der vergangenen Jahre fort. Gründe dafür sind ein vergleichsweise geringer Einsatz von Mineraldünger, sinkende Rinderbestände und die erneut trockene ⁠Witterung⁠.

Die Methanemissionen aus der Landwirtschaft betrugen 31,8 Mio. t, und war gegenüber 2019 um rund ein Prozent schwächer. Der Anteil der Landwirtschaft an den bundesweiten Methanemissionen lag bei knapp 65%. Die Lachgasemissionen gingen 2020 auch leicht auf 21,9 Mio. t zurück. Die reinen CO₂-Emissionen aus der Landwirtschaft weist das UBA für 2020 mit 8,6 Mio. t aus.

Der Anteil der Landwirtschaft an den gesamten Emissionen Deutschlands betrug damit 8,6 %. Er ist leicht gestiegen, da national der Rückgang der Treibhausgasemissionen stärker ausfiel als in der Landwirtschaft. Im Vergleich zu 1990 haben die Landwirte die Emissionen um 23,1 % gesenkt.

Weniger Kohlenstoff durch Landnutzung gespeichert

Die Senkenleistung der Landnutzung und Forstwirtschaft weist das UBA für 2020 nur noch mit 11,3 Mio. t aus. Sie ist gegenüber 2019 um rund 24% gesunken. Sie ist schon seit mehreren Jahren rückläufig. Aktuell wird durch Trockenheit und daraus resultierenden Käferbefall für die Jahre 2018 bis Mitte 2020 ein geschätztes Schadholzaufkommen von ca. 178 Mill. m³ angenommen. In den Berichtszahlen für 2018 bis 2020 spiegeln sich diese Schadholzmengen noch nicht in vollen Umfang wider. Weitere Änderungen ergaben sich laut UBA durch Modellanpassung bzw. Korrekturen der Emissionsfaktoren bei der Umwandlung von Gehölzen (Grünland) zu Wald und für Aufforstung.

Nach Auffassung von Klimaexperten kann die rückläufige Senkenleistung in den kommenden Jahren zum Problem der Landwirte werden. Das deutsche Klimaschutzgesetz (KSG) eine Senkenleistung bis 2030 von jährlich 25 Mio. t vor. Damit würde der Druck auf die Wiedervernässung der Moore zunehmen. Nach dem KSG soll die Senkenleistung bis 2045 auf 40 Mio. t zunehmen.

Knapp 9 Prozent weniger Gesamtemissionen

2020 wurden in Deutschland insgesamt 728,7 Mio. t CO₂-Äquivalente ausgestoßen. Das sind rund 71 Mio.t oder 8,9 Prozent weniger als 2019 und 41,3 Prozent weniger im Vergleich mit 1990.

Nach Einschätzung von Dirk Messner, Präsident des ⁠UBA, hat die Coronakrise hat 2020 die Emissionen stark sinken lassen. „Das wird aber nicht von Dauer sein, denn 2021 stiegen die Emissionen nach unseren ersten Prognosen wieder an“, so Messner.

Um Deutschland bis 2045 klimaneutral zu machen, braucht Deutschland laut Messner daher mehr Energie aus Wind und Sonne, mehr Elektromobilität und eine Wärmewende hin zu erneuerbaren Energien sowie eine grundlegende Transformation der Industrieproduktion. Das UBA wird seine vollständige ⁠Prognose⁠ der CO₂-Emissionen 2021 am 15. März 2022 veröffentlichen.

Wie die anderen Sektoren abschnitten

Die Energiewirtschaft konnte ihre Treibhausgasemissionen 2020 deutlich auf knapp 220 Mio. t reduzieren um 15 %. Besonders stark ging der Einsatz von Stein- und Braunkohlen zurück. Die Nutzung von emissionsärmerem Erdgas nahm dagegen aufgrund von gesunkenen Gaspreisen und vergleichsweise hohen CO₂-Zertifikatspreisen leicht zu. Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energieträgern stieg insbesondere durch die günstige ⁠Witterung⁠ für die Windenergie an Land ebenfalls an. Aufgrund der Corona-Krise sank der Stromverbrauch. Das führte in der Summe zu einem unerwartet hohen Emissionsrückgang, obwohl Ende 2019 das Kernkraftwerk Philippsburg 2 vom Netz ging und damit die aus Kernenergie erzeugte Strommenge sank. Den deutlichsten Emissionsrückgang verzeichnete die Braunkohle.

Die Industrieemissionen betrugen 171,9 Mio. t und lagen 6% unter dem Niveau von 2019. Rückläufig waren die THG-Ausstöße von Gebäuden. Sie lagen mit 119,4 Mio. t rund 1,6 % niedriger. Kräftig gesunken sind die CO₂-Emissionen des Verkehrs um 10,8%. Die Emissionen des Pkw-Verkehrs sind gegenüber dem Vorjahr sogar um 13 Prozent gesunken. Der Großteil dieser Minderung ist darauf zurückzuführen, dass bedingt durch die Corona-Pandemie im Schnitt deutlich weniger gefahren wurde. In deutlich geringerem Umfang haben mehr Elektro-PKW und höhere Beimischungen von Biokraftstoffen zum Emissionsrückgang beigetragen.

Methananteil bei

Mit fast 88 Prozent dominiert auch 2020 Kohlendioxid (CO₂) die Treibhausgasemissionen – größtenteils aus der Verbrennung fossiler Energieträger. Die übrigen Emissionen verteilen sich auf Methan (CH₄) mit 6,7 % und Lachgas (N₂O) mit knapp 4%, dominiert durch den Bereich der Landwirtschaft.

Gegenüber 1990 sanken die Emissionen von Kohlendioxid um 39,2 %, Methan um 58,7 % und Lachgas um 51,4 %. Fluorierte Treibhausgase (F-Gase) verursachen insgesamt nur etwa 1,7 Prozent der Treibhausgasemissionen, haben aber zum Teil sehr hohes Treibhauspotenzial. Seit 1995 sind die fluorierten Treibhausgasemissionen um 28,9 Prozent gesunken.

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