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Tierwohl

Töten von Kükenembryonen soll ab 2024 verboten werden

Josef koch
Josef Koch
am Mittwoch, 09.09.2020 - 12:40

Bundesagrarministerin Klöckner präsentiert Gesetzentwurf. Die bestehenden Verfahren sollen bis dahin weiterentwickelt werden.

Küken

Ab 2024 soll das Töten von Küken verboten sein. Das sieht der Gesetzentwurf vor, den Bundesagrarministerin Julia Klöckner vorgelegt hat. Damit soll das Töten von Eintagsküken in Deutschland flächendeckend verboten werden. Die in der Legehennenproduktion übliche Praxis, dass männliche Küken kurz nach dem Schlüpfen getötet werden, weil ihre Aufzucht wirtschaftlich unrentabel ist, wird dadurch beendet.

„Tierschutz wiegt höher als wirtschaftliche Interessen. Das Töten von Eintagsküken – weil sie ein bestimmtes Geschlecht haben – ist ethisch nicht vertretbar. Deshalb lege ich das Gesetz vor", begründet die Ministerin.

In keinem anderen Land gebe es bisher ein solches Gesetz gegen das Kükentöten. Deutschland werde damit weltweit Vorreiter, rühmt sich Klöckner vor der Presse. "Das ist ein Meilenstein für den Tierschutz, ein großer Erfolg, der Signalwirkung für andere Länder haben wird". Frankreich hat bereits signalisiert, ebenfalls aussteigen zu wollen.

Bestehende Verfahren weiterentwickeln

Den Betrieben stehen – neben der Aufzucht von Bruderhähnen und der Verwendung von Zweinutzungshühnern – marktreife Alternativen zur Geschlechtsbestimmung im Brutei bis Ende 2021 in entsprechendem Maße zur Verfügung.

Diese Verfahren hat das Bundesministerium seit 2008 mit über 8 Mio. Euro gefördert. Das ist laut Klöckner eine deutliche Verbesserung des Tierschutzes. Dabei arbeiten derzeit alle marktreifen Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei in einem Zeitraum vom 9. bis 14. Bebrütungstag. Insgesamt wird ein Küken 21 Tage ausgebrütet. Es wird dennoch weiter geforscht, um zu einem noch früheren Zeitpunkt die Geschlechtsbestimmung im Ei vornehmen zu können.

Die bestehenden Verfahren sollen als Brückentechnologie eingesetzt und weiterentwickelt werden. In einem zweiten Schritt sieht das Gesetz nach dem 31. Dezember 2023 dann ein Verbot des Tötens von Hühnerembryonen im Ei bereits nach dem 6. Bruttag vor.

In Deutschland wird das Kükentöten verboten. Weltweit sind wir die Ersten, die diese Praxis gesetzlich beenden. Und wir helfen den Betrieben, beides zusammenzubringen: Tierschutz und Wirtschaftlichkeit. Mit unserer Forschungsförderung haben wir das ermöglicht und sind somit zum weltweiten Taktgeber geworden.

Übergangsfrist ist für Geflügelwirtschaft zu kurz

Die Geflügelwirtschaft sieht die Frist mit Ende 2023 als knapp bemessen, innerhalb derer die Beendigung des Brutvorgangs nach dem 6. Bruttag erlaubt bleibt. Aktuell gibt es laut Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft e. V. (ZDG) kein einziges Verfahren der Geschlechtsbestimmung im Ei, das vor dem 7. Bruttag praxisreif wäre.

"Die Politik darf diese Fakten nicht außer Acht lassen! Es braucht eine angemessene, praxistaugliche Gestaltung der Übergangsfrist. Gerne sind wir dazu bereit, diesen Prozess inhaltlich mitzugestalten", so ZGD-Präsident Friedrich-Otto Ripke.

Zudem mahnt Ripke eine ehrliche Kommunikation gegenüber der Öffentlichkeit an. Es dürfe nicht der Eindruck erweckt werden, eine kurzfristige Lösung bis Ende 2021 sei unproblematisch möglich. 

Selbst bei aktiver Nutzung aller Lösungsbeiträge durch die verfügbaren Geschlechtsbestimmungsverfahren, Zweinutzungshühner und Bruderhahnaufzucht ist nach Auffassung Ripkes bedarf es eine immense Kraftanstrengung und bedeute Unsicherheiten für die deutschen Brütereien und Eiererzeuger, um den deutschen Bedarf an Eiern aus ausschließlich kükentötenfreien Lieferketten bis Ende kommenden Jahres zu decken.

Für Tierschützer sind Fristen zu lang

Deutsche Tierschutzbund, der ein Verbot lange gefordert hatte, kritisiert, dass das Töten männlicher Eintagsküken erst ab Ende 2021 verboten sein soll. Zudem will die Ministerin das Töten der empfindungsfähigen Embryonen noch weitere Jahre erlauben: Erst ab Ende 2023 sollen Eingriffe an Hühnereiern zur Geschlechterbestimmung ab dem siebten Bruttag verboten werden, da ein Schmerzempfinden zu diesem Zeitpunkt nicht auszuschließen ist. 

Die einzige Methode, die das Kükentöten verhindern und zuchtbedingte Probleme der Legehennen lösten könnte, wäre die Rückkehr zum Zweinutzungshuhn, so die Tierschutzorganisation.