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Bilanz

Tierwohl: Kaniber prangert Doppelmoral an

Josef koch
Josef Koch
am Freitag, 10.12.2021 - 10:10

Die miese Einkommensentwicklung, vor allem der Schweinebauern, zeigt laut Bayerns Agrarministerin dringenden Handlungsbedarf auf.

Kaniber Michaela-Interview

Der DBV-Situationsbericht zur Landwirtschaft in Deutschland zeigt nach Auffassung der bayerischen Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber die gewaltige Herausforderung im Agrarsektor. Eine Doppelmoral, die von den Bauern hier die Einhaltung immer höherer Auflagen fordere und bei Importen nur sehr begrenzt auf die dortigen Produktionsstandards achte, ruiniere am Ende den Agrarsektor in Deutschland und ganz Europa, warnt die CSU-Ministerin vor möglichen Plänen der Ampel-Regierung.

Das führe schon jetzt dazu, dass immer mehr Betriebe hier aufgeben und gleichzeitig immer mehr Lebensmittel importiert werden müssten. Mit Sorge sieht sie, dass der Selbstversorgungsgrad bei Nahrungsmitteln in Deutschland seit Mitte der 1990er Jahre von 94 auf 88 Prozent gesunken ist.

Strukturbrüche vermeiden

Eine Weiterentwicklung der Landwirtschaft in Deutschland und der EU zu mehr Klimaschutz, mehr Tierwohl, mehr Biodiversität und mehr Umweltstandards werde der Freistaat Bayern unterstützen und in Bayern auch mit vielerlei Hilfen begleiten, versichert sie indes.

„Bayern ist dabei Vorreiter. Aber die Vorgaben aus Brüssel und Berlin müssen so gestaltet sein, dass wir keine Strukturbrüche erleiden,“ fordert Kaniber. Laut Koalitionsvertrag wollen SPD, Grüne und FDP spätestens in zehn Jahren die Anbindehaltung beenden.

Kaniber drückte die Hoffnung aus, dass die guten Vorschläge aus der Borchert-Kommission und der Zukunftskommission Landwirtschaft in der neuen Bundesregierung doch noch Gehör finden, auch wenn sie leider keine Erwähnung im Koalitionsvertrag gefunden hätten.

Rukwied fordert konkretes Finanzierungskonzept

Ein Finanzierungskonzept für den angekündigten Umbau der Tierhaltung hat DBV-Präsident Joachim Rukwied erneut gefordert. „Wer den Umbau der Tierhaltung fordere, muss auch für eine staatliche Kofinanzierung sorgen“, so Rukwied in Richtung des neuen Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir. Keinesfalls dürfe die Ampelregierung ordnungsrechtliche Vorgaben für Tierhalter verschärfen, und bei der Tierwohlprämie nichts auf den Weg bringen. Er hofft, dass die neue Regierung doch noch in sich gehe, und eine Mehrwertsteuerabgabe auf tierische Produkte prüfe.

Zudem sind laut Rukwied auch Kredite über die Landwirtschaftliche Rentenbank sowie verlorene Zinszuschüsse für Tierhalter denkbar. Gleichzeitig müssten die Konsumenten sich auf höhere Preise für heimische Erzeugnisse einstellen.

Trauen Sie Cem Özdemir zu, die Empfehlungen der Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL) umzusetzen?

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