Hühnerhaltung

Tierwohl: Kabinett will Kükentöten beenden

Josef Koch
Josef Koch
am Mittwoch, 20.01.2021 - 13:58

Das Bundeskabinett will dem Kükentöten ab kommendem Jahr ein Ende machen. Ein Gesetzesentwurf wurde heute ins Parlament überstellt.

Klöckner-Kükentöten

Die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, will das Töten männlicher Eintagsküken ab Ende 2021 in Deutschland flächendeckend verbieten. Den entsprechenden Gesetzesentwurf der Bundesministerin hat das Kabinett heute (20.1.) beschlossen. Die in der Legehennenproduktion übliche Praxis, männliche Küken kurz nach dem Schlüpfen zu töten, weil ihre Aufzucht wirtschaftlich unrentabel ist, wird dadurch beendet.

Den Betrieben stehen – neben der Aufzucht von Bruderhähnen und der Verwendung von Zweinutzungshühnern – laut BMEL marktreife Alternativen zur Geschlechtsbestimmung im Brutei zur Verfügung. Diese Verfahren hat das Bundesministerium mit mehreren Millionen Euro gefördert. Sie arbeiten derzeit in einem Zeitraum vom 9. bis 14. Bebrütungstag. Insgesamt wird ein Küken 21 Tage ausgebrütet.

Verschärfung ab 2024

Aktuell wird aber weiter geforscht, die bestehenden Verfahren sollen als Brückentechnologie eingesetzt und weiterentwickelt werden. Denn in einem zweiten Schritt sieht das Gesetz nach dem 31. Dezember 2023 vor, das Töten von Hühnerembryonen im Ei bereits nach dem 6. Bruttag zu verbieten. Das sei eine weitere Verbesserung des Tierschutzes, so Klöckner.

Julia Klöckner verspricht sich mit dem Gesetzesentwurf Taktgeber und Vorbild auch für andere Länder zu sein. Vom Handel erwartet sie, dass er seinen Ankündigungen nun auch konkrete Taten folgen lässt und sein Sortiment entsprechend umstellt.

Die vorhandenen Alternativen

 Zweck der Geschlechtsbestimmung im Ei ist es, das Geschlecht von Küken aus Legelinien vor dem Schlüpfen zu bestimmen. Und die männlichen Küken gar nicht erst auszubrüten. Dafür gibt es derzeit folgende Alternativen.

  • Das so genannte "endokrinologische Verfahren" wird in einigen Betrieben in der Praxis angewandt. Die Eier werden hierbei etwa neun Tage lang bebrütet. Dann wird aus jedem Ei etwas Flüssigkeit gewonnen, ohne dass das Ei-Innere, also der Embryo, berührt wird. An diesen Proben wird das Geschlecht mit einem biotechnologischen Nachweisverfahren innerhalb kurzer Zeit bestimmt.
  • Beim "Zweinutzungshuhn"-Ansatz werden die Hennen zur Eierproduktion genutzt und die Hähne gemästet. Hennen dieser Rassen legen weniger und teilweise kleinere Eier als konventionelle Legehennen. Zudem wachsen Hähne aus Zweinutzungsrassen langsamer und weisen einen kleineren Brustmuskel auf als konventionelle Masthühner. Unter anderem aus diesen Gründen hat sich diese Alternative am Markt noch nicht durchgesetzt. In einem vom BMEL geförderten Verbundprojekt hat das Bundesministerium deswegen verschiedene Aspekte der Haltung von Zweinutzungshühnern gemeinsam mit wissenschaftlichen Einrichtungen und Wirtschaftsunternehmen untersucht.
  • Eine weitere mögliche Alternative ist die Aufzucht der männlichen Küken von Legelinien. Bei solchen Initiativen werden die männlichen Küken aufgezogen und gemästet, das Fleisch wird in der Regel verarbeitet. Derzeit beliefern diese Initiativen in erster Linie den ökologischen Markt.