Kontroverse

Streit um Wolf: Bund Naturschutz schießt gegen Abschussantrag

Wolf
Philipp Seitz
Philipp Seitz
am Donnerstag, 25.11.2021 - 15:48

Der Traunsteiner Landrat Siegfried Walch macht sich für eine Entnahme des Wolfes stark. Doch für die Pläne gibt es Gegenwind.

Traunstein/Obb. Nach den jüngsten Wolfsrissen in Oberbayern ist die Diskussion um eine mögliche Entnahme des Wolfes entbrannt. Der Traunsteiner Landrat Siegfried Walch (CSU) fordert, dass der Wolf zum Abschuss freigegeben werden soll. Eine entsprechende Erlaubnis hat der Landrat in seiner Funktion als Vorsitzender des Verbandes der Forstberechtigten im Chiemgau bei der Regierung von Oberbayern beantragt.

Landrat Walch und Ministerin Kaniber

Unterstützt wird der Antrag nach Angaben des Landratsamtes von der Schafhaltervereinigung Traunstein und dem Bayerischen Bauernverband. Es ist der erste Antrag auf eine Wolfsentnahme in Oberbayern. Das letzte Wort hat die Höhere Naturschutzbehörde an der Regierung von Oberbayern, die auch das Landesamt für Umwelt fachlich einbeziehen wird.

Landrat Walch begründet seinen Schritt damit, dass die betroffenen Gebiete „nachweisbar nicht schützbar“ seien. „Deswegen ist eine Entnahme aus unserer Sicht der notwendige Schritt.“ Angesprochen auf die Erfolgsaussichten äußert sich das Landratsamt zurückhaltend: „Es besteht Zuversicht, dass dem Antrag im Interesse der Gesundheit des Menschen und der öffentlichen Sicherheit stattgegeben wird“, teilte eine Sprecher des Landratsamtes mit. Sie räumte jedoch ein, dass es naturschutzrechtlich hohe Hürden gebe.

Bund Naturschutz lehnt Entnahme ab

Der Bund Naturschutz kritisierte das Vorgehen des Landrates. Sollte der Antrag auf Entnahme befürwortet werden, werde der Bund Naturschutz die Genehmigung rechtlich prüfen und gegebenenfalls weitere Schritte ergreifen: „Ein Abschuss wird die Weidetiere nicht nachhaltig vor Wolfsangriffen schützen. Es können jederzeit wieder neue Wölfe einwandern. Die allermeisten Risse an Nutztieren in Bayern bisher wurden von durchziehenden, also nicht sesshaften Wölfen, verursacht.“ Für den Schutz der Weidetiere geht nach Ansicht des Bund Naturschutz am Herdenschutz kein Weg vorbei. Deshalb fordere der Umweltschutzverband schon seit Jahren, dass laufende Kosten des Herdenschutzes, also beispielsweise auch für das vermehrte Ausmähen der Zäune, gefördert werden sollen. Anderer Meinung ist Landrat Walch. Er betonte, dass ein Nebeneinander von Almwirtschaft und Wolf aus seiner Sicht „nicht machbar“ sei.

Der Bund Naturschutz kritisierte auch die Aussagen des Abgeordneten Dr. Leopold Herz, dem Vorsitzenden des Landwirtschaftsausschusses im Bayerischen Landtag. Der FW-Politiker Herz hatte sich in der Debatte um den Wolf klar positioniert: Es brauche die Entnahme von Wölfen, sagte Herz dem Wochenblatt. „Wir halten es für dringend geboten, den strengen Schutzstatuts des Wolfs auf den Prüfstand zu stellen." Der Freistaat werde künftig seiner Meinung nach nicht umhinkommen, den Wolfsbestand zu regulieren.

Diese Aussagen seien fachlich nicht haltbar, heißt es dagegen vom Bund Naturschutz: „Wir sind in Bayern noch ganz weit von einem Wolfsbestand entfernt, der wie in anderen europäischen Ländern, wie Frankreich, groß genug ist, dass trotz des strengen Schutzes eine Regulierung möglich ist." Auch in Frankreich sei die Anzahl der Risse trotz der seit einigen Jahre praktizierten Bejagung eines gewissen Teils der Wolfspopulation nicht wesentlich gesunken, sagte der Sprecher. Der Grund sei, dass die Anzahl der Risse „nicht primär von der Anzahl der Wölfe, sondern von der Anzahl ungeschützten Weideviehs abhängt". Es dürfe hier nicht „einseitig auf eine Lösung mit dem Gewehr“ gesetzt werden.

Vor allem in Niedersachsen sowie im bayerischen und österreichischen Alpenraum steigt die Zahl der Wolfsrisse. Sehen Sie hier ein Video zum Thema:

Die bayerischen Weidetierhalter seien aufgrund der immer häufiger werdenden Nutztierrisse im Berggebiet extrem beunruhigt und in größter Sorge, schildert Philip Bust, Referent für Jagd und Wildtiermanagement beim Bayerischen Bauernverband die derzeitige Situation. Dabei zähle die Weidewirtschaft zu den natürlichsten und artgerechtesten Tierhaltungsformen. Die Rückkehr des Wolfes und dessen starker Schutzstatus stelle allerdings die von der Gesellschaft gewünschte Weidetierhaltung in Frage.