Diskussion

Streit um den Umgang mit dem Wolf

Wolf
Philipp Seitz
Philipp Seitz
am Dienstag, 05.10.2021 - 12:14

Nach der Wolfsdemo in München gibt es erste Forderungen aus der Politik. Union und SPD machen sich gegenseitige Vorwürfe.

Die Münchner Demo für einen besseren Schutz der Weidetiere entfaltet ihre Wirkung: Union und SPD im Deutschen Bundestag haben daraufhin zu den Forderungen der Bäuerinnen und Bauern Stellung bezogen. Der CSU-Bundestagsabgeordnete Max Straubinger hatte sich kurz nach der Großkundgebung in München zu Wort gemeldet und sein „volles Verständnis“ für die Anliegen der Weidetierhalter betont. Es bestehe eindeutiger Handlungsbedarf, sagte Straubinger.

Der CSU-Bundestagsabgeordnete forderte, über Entnahmen von problematischen Einzeltieren in besonders gefährdeten Gebieten nachzudenken. Der besonders strenge Schutzstatus des Wolfes im EU-Recht müsse seiner Meinung nach noch einmal überdacht und angepasst werden.

Carsten Träger (SPD)

Das Thema Wolf sei im Bundestag in der vergangenen Wahlperiode laut Straubinger öfter diskutiert worden. Aufgrund „des Widerstandes der SPD" hätte sich, wie der CSU-Politiker sagt, keine einvernehmliche Lösung finden lassen. Das wiederum will die SPD so nicht stehenlassen und wirft Straubinger „Augenwischerei" vor.

Carsten Träger, umweltpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Bundestag, sagte auf Anfrage des Bayerischen Landwirtschaftlichen WochenblattesWolfschutz und Herdenschutz gehören zusammen. Aufgrund des strengen Schutzes des Wolfs ist eine Entnahme nur im Einzelfall mit Genehmigung möglich." Es sei daher Augenwischerei, wolfsfreie Zonen oder generell die Jagd auf Wölfe als Lösung zu versprechen. Auch wenn der Schutz des Wolfes gelockert würde, würden freiwerdende Reviere wieder von anderen Wölfen besetzt.

Die Lösung stellt aus Sicht von Träger ein effektiver Herdenschutz dar. Hierzu gibt es 100 Prozent Fördermittel der Europäischen Union und der Bundesländer, die die Präventionsmaßnahmen abdecken - von Herdenschutzhunden bis wolfsabweisenden Zäunen."

Der BUND Naturschutz hatte sich ebenfalls im Vorfeld der Demonstration positioniert und sich für ein Nebeneinander von Wolf und Weidetierhaltung stark gemacht. In Bayern seien die Möglichkeiten des Herdenschutzes „nicht annähernd“ umgesetzt, teilte der BN hierzu im Vorfeld der Kundgebung mit. Beate Rutkowski, zweite Vorsitzende des BN, sagte: „Die schwierige Situation der Weidetierhaltung besteht schon seit vielen Jahren auch ganz ohne die Anwesenheit des Wolfes.“

BBV-Bezirkspräsident Ralf Huber sieht hingegen dringenden Handlungsbedarf beim Thema Wolf. Die Stimmung bei den Weidetierhaltern in Oberbayern sei „derzeit ziemlich bitter“. Die Position des BBV erklärt Huber im Interview mit dem Wochenblatt:

Für das Jahr 2020 wurden deutschlandweit 942 Wolfsübergriffe auf Nutztiere an die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) berichtet. Bauernpräsident Walter Heidl betont in diesem Zusammenhang: „Das stellt gerade Weidetierhalter, Schäfer und Bergbauern vor immense Probleme. Wenn das so weitergeht, haben wir bald nur noch Wolfsreviere statt Weidetiere. Das Bimmeln von Kuhglocken könnte schon bald verstummen, denn die für Bayern so typische Weidehaltung ist in Gefahr!“