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Landtag

Stickstoffeinträge aus der Landwirtschaft

Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Dienstag, 25.02.2020 - 09:27

Laut einem Bericht des Umweltministeriums ist die Landwirtschaft zu zwei Dritteln für die Stickstoffeinträge in die Biosphäre verantwortlich.

Thorsten

Umweltminister Thorsten Glauber hat im Landtag einen Bericht zu nicht-landwirtschaftlichen Nitratquellen vorgelegt. Er beschränkte sich dabei auf die beiden Quellen Verkehr und militärische Altlasten.

In dem Bericht hält er fest, dass der verkehrsbedingte Nitrat-Eintrag an Messstellen in der Nähe stark befahrener Verkehrswege nicht höher ist als der Nitrat-Eintrag, der an Messstellen mit intensiver Landwirtschaft im Einzugsgebiet festzustellen ist.

Diese Aussage ist aber in Zusammenhang mit den emittierten Stoffen zu sehen. Die Freisetzung von Stickstoff erfolgt im Verkehr über Stickoxide. In der Luft werden die Stickoxide großräumig verteilt und gelangen über Regen oder Staubniederschlag wieder auf die Flächen. Folglich gelangen sie nicht direkt am Ort der Entstehung in den Untergrund, sondern verbreiten sich über die Luft und wirken sich als flächige Hintergrundbelastung aus. Diese Hintergrundbelastung sei bei der Düngebilanz vom Landwirt zu berücksichtigen, so die Aussage von Glauber.

Allerdings, so schränkt er ein, komme ein erheblicher Teil der Stickstoffbelastung der Luft aus der Landwirtschaft selbst. Er nennt hier einen Wert von 56 %. Auf den Verkehr entfallen rund 21 %. An dieser Stelle differenziert der Bericht nicht nach emittierten Stoffen. Damit könnte auch Ammoniak eingeschlossen sein. Hierfür hat die EU mit der NEC-Richtlinie bereits eine Reduktion um rund ein Drittel bis 2030 vorgesehen.

Keine Aufschlüsselung nach Herkunft möglich

An den Messstellen wird ausschließlich die Konzentration des Nitrats im Grundwasser gemessen. Eine Aussage über die Herkunft des Nitrats könne messtechnisch nicht getroffen werden. Rückschlüsse, so Glauber, könnten aber zwischen der Nitratkonzentration im Grundwasser und der Landnutzung im Einzugsgebiet der Messstelle gezogen werden: Betrachte man die Messstellen nach der überwiegenden Nutzung im größten Teil des Grundwasserkörpers, zeigt sich, dass Überschreitungen des Schwellenwerts für Nitrat (über 50 mg/l) in Grundwassermessstellen nahezu nur in Einzugsgebieten auftreten, die von Ackerbau und Sonderkulturen dominiert oder stark beeinflusst werden. In Einzugsgebieten mit überwiegender Nutzung Wald oder Siedlung samt Infrastruktur (Straßen, Abwasser, u.a.) sowie Gewerbe würden der Schwellenwert für Nitrat in Bayern nicht überschritten.

Rote Gebiete würden den schlechten Zustand des betroffenen Grundwassers und die Notwendigkeit von Maßnahmen zur Reduzierung des Nitrateintrags zeigen. Für eine verursachergerechte Ausweisung von Maßnahmen seien sie aber in ihrer jetzigen Form nicht ausreichend. Hier seien zusätzlich hochaufgelöste betriebsbezogene Emissionsdaten der Landwirtschaft zu Düngeintensität und Stickstoffüberhang zwingend notwendig.

Der Bericht ging auch darauf ein, welche maßgeblich vom Menschen verursachten Nitratquellen neben Landwirtschaft und Verkehr noch existieren? Laut Umweltministerium zeichnet die Landwirtschaft für insgesamt zwei Drittel der Stickstoff-Einträge der
Biosphäre verantwortlich. Wobei die Biosphäre Boden und Luft einschließt - also nicht die direkte Bezugsgröße für das Grundwasser darstellt. Die restlichen, vom Menschen verursachten Einträge teilen sich zu je 9 bis 15 % die Bereiche Verkehr, Industrie und Energiewirtschaft sowie Abwasserbehandlung/Oberflächenwasserablauf.

Der Einfluss von Rüstungsaltlasten auf die Nitratbelastung im Grundwasser wird in dem Bericht als vernachlässigbar eingeschätzt.

Es gibt nicht vom Menschen gemachte Quellen

Einen weiteren wichtigen Aspekt in der aktuellen Diskussion liefert der Bericht auf die Frage nach nicht vom Menschen gemachten Quellen. Stickstoffhaltige Verbindungen natürlichen Ursprungs kommen in jedem Boden vor. Natürliche Umsetzungsprozesse können den Stickstoff freisetzen und damit die Nitrat-Konzentration im Grundwasser erhöhen. Von einem anthropogenen Einfluss ist laut Umweltministerium grundsätzlich dann auszugehen, wenn die Konzentration von Nitrat im Grundwasser mehr als 10 mg/l Nitrat beträgt.