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Jagd

Staatsanwaltschaft will wegen Wolfstötung ermitteln

Agra-Europe
am Donnerstag, 30.01.2020 - 10:29

DJV „entsetzt“: Trotz der Bedrohungslage gegenüber seinem Hund habe der Jäger nicht schießen dürfen.

Berlin - Im Fall des Jägers, der vor etwa einem Jahr in Brandenburg seinem Hund durch den gezielten Abschuss eines angreifenden Wolfes vermutlich das Leben gerettet hat, soll nun wegen Verstoßes gegen das Bundesnaturschutzgesetz ermittelt werden. Das hat die Staatsanwaltschaft in Potsdam bestätigt.

Der Deutsche Jagdverband (DJV) zeigte sich entsetzt. In einem Telefonat mit dem Verteidiger des betroffenen Jägers habe der zuständige Staatsanwalt mitgeteilt, dass seiner Rechtsauffassung zufolge der Jäger ungeachtet der Notstandslage in keinem Fall hätte schießen dürfen, berichtete der DJV. Nach Ansicht des Verteidigers sei dies „absurd“. Dieser hatte den Abschuss in einer früheren Stellungnahme als „eindeutig gerechtfertigt“ gewertet.

Der Schütze habe nach dem Notstandsparagrafen eine Rechtsgüterabwägung vollzogen, die „richtige Abwägung zugunsten des Hundes vorgenommen“ und das „Eigentumsrecht am wertvollen, ausgebildeten Jagdhund geschützt.“

Für den DJV macht das aktuelle Vorgehen der Staatsanwaltschaft in dem Fall klar, dass jetzt der Gesetzgeber gefragt ist. Dieser „muss jetzt handeln und klare Regeln für einen derartigen Notstand entwickeln“, unterstrich DJV-Vizepräsident Helmut Dammann-Tamke. Ohne qualifizierte Jagdhunde seien effektive Stöberjagden insbesondere auf Wildschweine und Nachsuchen nicht möglich. Außerdem schreibe
das Gesetz den Einsatz von Jagdhunden vor. Es sei deshalb inakzeptabel, dass sie im Einsatz nicht geschützt werden könnten.

Als vorbildlich erachten der DJV und auch der Jagdgebrauchshundeverband (JGHV) die Rechtslage in Schweden. Dort könnten Jäger einen Wolf bereits töten, wenn er im Begriff sei, Hunde oder Nutztiere zu attackieren. Zuvor müsse allerdings versucht werden, den Wolf durch Rufen und Warnschüsse zu vertreiben. Beides sei im Brandenburger Fall gegeben gewesen. Das sei auch durch Zeugen bestätigt worden.